Ein paar Gedanken zum Handelsstreit

China Fahnen – shutterstock_325058183 crystal51

Im Handelsstreit legten die USA und China zu Wochenbeginn wieder „eine Schippe drauf“. Was Sie dazu wissen sollten. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ging gestern in eine neue, verschärfte Runde:

Am Montagabend hatte US-Präsident Donald Trump weitere Strafzölle auf chinesische Einfuhrwaren in Höhe von +10% angekündigt. Belegt werden sollen damit ab dem 24. September Importprodukte im Volumen von etwa 170 Mrd. USD.

China reagierte darauf umgehend mit einer Androhung von Gegenmaßnahmen. Wie diese im Detail aussehen sollen, berät die Regierung in Peking noch.

Die Wall Street geriet daraufhin am Montagabend unter Druck: Insbesondere die Technologieaktien der Nasdaq mussten deutlichere Abschläge hinnehmen. Die Börse in Shanghai reagierte hingegen am Dienstagmorgen mit einem Plus von rund +2%.

Eskaliert der Handelsstreit nun vollends? Reden wir einmal über ein paar Fakten.

Der Ton wird die Musik machen

Beginnen wir mit der Form der Auseinandersetzung. Denn schon hier werden erste Missverständnisse geboren.

Die Basis der Streitigkeiten ist klar: China hat seine billige Arbeitskraft dazu genutzt, die Welt – nicht nur allein die USA – in den vergangenen Jahren mit teils konkurrenzlos günstigen Waren zu überfluten.

Zum Vorteil des „Landes der Mitte“ und zum Nachteil vieler Branchen weltweit. Beispielsweise fielen mehrere deutsche Solar-Unternehmen dieser Handelspraxis zum Opfer.

Trump wehrt sich zum Wohle der USA gegen diese Vorgehensweise. Sein Ton ist dabei rau und für europäische Ohren nicht immer angenehm. Überdies sind wir es gewohnt, dass derartige Drohungen eher hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Trump macht dafür zudem gerne und reichlich Gebrauch von modernen Kommunikationsplattformen wie Twitter. Auch das sind wir von Staatsmännern / -frauen nicht gewohnt.

Was indes auf Außenstehende wirkt, als wäre keine vernünftige Kommunikation mehr denkbar und uns eher moderate Tonarten gewohnte Europäer verschreckt, ist pure Verhandlungsstrategie:

China Mauer – shutterstock_439146580 aphotostory

Die EU wird in der Versenkung verschwindenDie EU verliert immer mehr an Bedeutung. Neue Player bestimmen neben den USA und China die Weltpolitik.  › mehr lesen

China soll klein beigeben und den USA umfangreiche Zugeständnisse machen.

Trump hat im Handelsstreit die besseren Karten …

Dabei sitzt der US-Präsident „am längeren Hebel“, wie der Volksmund sagt: Die USA-Exporte nach China haben ein Volumen von gerade einmal 130 Mrd. USD.

Vor 2 Monaten hatte Trump bereits Strafzölle in Höhe von 25% auf chinesische Importwaren verhängt. Das Volumen der betroffenen Produkte machte damals etwa 50 Mrd. USD aus.

Soll heißen: Der durch Strafzölle verursachte Schaden ist für die chinesische Wirtschaft ungleich größer als umgekehrt der durch die von China erhobenen Gegenmaßnahmen letztlich sein kann.

… und die Wall Street auch

Und das zeigt sich auch genauso in der Charttechnik: Schauen wir einmal gemeinsam auf den nachfolgenden Vergleich von S&P 500 und dem Shanghai Composite Index:

Der Handelsstreit zwischen den USA und China schadet bislang nur einem

Auch wenn es gestern Abend in New York und heute früh in Shanghai genau umgekehrt ausging: Seit Anfang April dieses Jahres driften die beiden Indizes signifikant auseinander!

Während der Shanghai Composite seither rund -15% verloren hat, gewann der S&P 500 im selben Zeitraum rund +12%.

Bleiben Sie also gelassen, auch wenn die Tonart zwischen beiden Ländern – mal wieder – rauer wird.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.