Ein Rekordaktienrückkauf und Gründe für Aktienrückkäufe

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Die wichtigsten Gründe für Aktienrückkäufe. Außerdem erfahren Sie, welches Unternehmen zuletzt 9 Mrd. US-Dollar dafür ausgegeben hat. (Foto: Gitanna)

Gestern habe ich hier im Schlussgong von dem neuen Aktienrückkaufprogramm von Qiagen berichtet und Ihnen geschrieben, wie sich Aktienrückkäufe auswirken. Heute möchte ich Ihnen noch die wichtigsten Gründe nennen, warum Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen.

Zuvor blicken wir jedoch noch auf einen Investor, den die allermeisten von Ihnen kennen dürften, und der im zurückliegenden Quartal mit seinem Unternehmen so viele Aktien zurückgekauft hat wie nie zuvor. Die Rede ist von Warren Buffett.

Buffett kauft für 9 Mrd. US-Dollar Aktien zurück

Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway kaufte in den Monaten Juli bis September für satte 9 Mrd. US-Dollar (rund 7,6 Mrd. Euro) eigene Aktien zurück. Damit hat Buffett allein im 3. Quartal dieses Jahres mehr für Aktienrückkäufe ausgegeben als je zuvor in einem vollen Kalenderjahr.

Im Jahresverlauf summiert sich der Betrag bereits auf etwa 16 Mrd. US-Dollar. Über die jüngsten Zahlen von Berkshire Hathaway und die Perspektiven des Unternehmens berichte ich in der kommenden Woche an dieser Stelle.

Welche Gründe für ein Aktienrückkaufprogramm sprechen

Wenn ein Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm ankündigt, wird das oft als „phantasielos“ kritisiert. Der Vorwurf lautet: Ein Unternehmen hat keine Investitions- und Geschäftsideen mehr, daher kauft es als Notlösung eigene Aktien zurück.

Der Vorwurf kann sogar stimmen. Doch die Gründe, die für ein Aktienrückkaufprogramm sprechen, sind sehr vielfältig. Hier eine Auswahl der Motive:

a) Die zusätzliche Aktien-Nachfrage soll einen kurzfristigen Abwärtstrend stoppen.

b) Der Vorstand signalisiert mit den Rückkäufen, dass er die eigene Aktie für unterbewertet hält.

c) Da Übernahmen aktuell oft zu teuer sind, kann das Geld in eigene Aktien investiert werden (dann entfällt die Übernahme-Prämie von rund 30%, die oft bei einer Übernahme gezahlt wird).

d) Der Großaktionär kann mit einem Aktienrückkaufprogramm seine eigene Machtstellung ausbauen, wenn Privatanleger das Angebot annehmen, der Großaktionär aber keine Aktien abgibt.

e) In extremen Niedrig-Zins-Phasen (wie aktuell) kann es sich für ein Unternehmen sogar lohnen, für einen Aktienrückkauf Fremdkapital aufzunehmen, wenn die Zinsen niedriger sind als die eingesparten Dividenden.

f) Das Geld in der Unternehmenskasse wirft keine Zinsen mehr ab. Durch Aktienrückkäufe kann das „tote“ Kapital wieder arbeiten.

g) Aktienrückkäufe können Aktionäre bei Laune halten, wenn das Unternehmen in einer Umbruchphase steckt und Umsatz und Gewinn kurzfristig nicht steigen.

h) In einigen Ländern werden Kursgewinne nicht so hoch besteuert wie Dividenden. In diesen Fällen kann es sich lohnen, die Dividende niedrig zu halten und den Kurs mit Aktienrückkäufen zu steigern.

i) Ein „reifes“ Unternehmen kann mit Aktienrückkäufen dafür sorgen, dass trotz Gewinnstagnation der Gewinn je Aktie steigt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sinkt. So wird die Aktie wieder attraktiver.

Abschließend noch einmal meine Einschätzung zu Aktienrückkäufen: Sie wirken sich generell positiv für Sie als Aktionär aus. Sie sollten aber darauf achten, dass Unternehmen nicht zu viel Geld in Aktienrückkäufe stecken, damit noch genügend Geld zur Finanzierung des weiteren Wachstums und für schlechte Zeiten in der Kasse bleibt. Berkshire Hathaway hat zum Beispiel trotz der Aktienrückkäufe noch immer über 100 Mrd. US-Dollar in der Kasse.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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