BayWa: Ein Unternehmen, das sich grundlegend wandeln muss

BayWa kommt nicht von der Stelle. Wieder einmal musste der Agrar- und Bauhandelskonzern hohe Verluste veröffentlichen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Es gibt zwei untrügliche Anzeichen für Unternehmen, deren Aktien an der Börse in die Schublade der Dauerverlierer gehören: Unternehmen, die in einer unüberschaubaren Anzahl unterschiedlicher Geschäftsbereichen tätig sind und Unternehmen, dies es für notwendig halten, in regelmäßigem Abstand sich oder einzelne Geschäftsbereiche umzubenennen.

Ein undurchschaubares Konglomerat

Die im Prime Standard notierte BayWa vereint mühelos beide Kategorien auf sich. Das Münchener Unternehmen handelt mit Agrarprodukten wie Obst, Gemüse und Tierfuttermittel, mit Landmaschinen, Baustoffen, Brenn-, Kraft- und Schmierstoffen, bietet ergänzende Service-, Wartungs- und Reparaturdienstleistungen für diese Produkte an und ist überdies in der Entwicklung und dem Vertrieb digitaler Lösungen für die Agrarwirtschaft tätig.

Nebenbei werden betriebsfertige Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien entwickelt und realisiert und auch im Energiehandel mit Strom, Gas und Wärme aus erneuerbarer Erzeugung sieht sich das Unternehmen gut positioniert.

Diversifikation einmal anders

Wenn sich ein Unternehmen derart breit aufstellt – man könnte es auch „verzettelt“ nennen – geht das selten gut aus. Dies hat sich einmal mehr in der vergangenen Woche bewahrheitet, als BayWa die Zahlen für das erste Quartal veröffentlichte. So rutschte der Münchner Agrar- und Bauhandelskonzern im operativen Geschäft tief in die roten Zahlen zurück.

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Bei nahezu unveränderten Umsätzen musste BayWa beim Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen einen Verlust von 41 Millionen Euro vermelden. Das erste Quartal fällt bei BayWa zwar saisontypisch eher schwach aus und auch Verluste sind in der Vergangenheit schon angefallen. Doch im Vorjahr hatte der Konzern die ersten drei Monate bei unveränderten Umsätzen noch mit einem Plus von 8 Millionen Euro abgeschlossen.

Als Ursache wurden die tiefen Temperaturen bis in den März hinein genannt, die das Geschäft mit Kunden aus der Landwirtschaft wie auch im Bau belasteten. Der Vorstand ist aber zuversichtlich, den “Ergebnisrückstand” im Laufe des Jahres aufholen zu können. Die geplanten Jahresziele sollten also erreichbar sein. Danach erwartet der Vorstand einen spürbaren Anstieg der Umsätze und ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern mindestens auf, gegebenenfalls leicht über Vorjahresniveau. Ein weiterer Margenrückgang ist also bereits vorprogrammiert.

Fremdbild-Selbstbild: Bei BayWa klaffen sie gehörig auseinander

Dass sich im Anhang des letzten Jahresabschlusses mehrere Hundert Gesellschaften finden, die in den Abschluss einbezogen (oder auch mangels Größe nicht berücksichtigt wurden), ficht das Management nicht an, sich selbst als visionären Portfoliomanager anzusehen. Ungeachtet dessen hat die Aktie in den vergangenen fünf Jahren knapp ein Viertel ihres Wertes eingebüßt; im gleichen Zeitraum hat der DAX übrigens mehr als 56 % hinzugewonnen. Egal, welchen Zeitraum man anlegt, BayWa zählt zu den deutschen Underperformen.

Statt „neues zu wagen und mehr zu bewegen“, so der Slogan des Unternehmens, sollte sich der Vorstand besser auf die kaufmännischen Ideale besinnen: Werte für seine Aktionäre zu schaffen. Ansonsten bleibt der „sichtbare Erfolg“, wie ihn das Unternehmen auf ihrer Homepage ausgemacht haben will, eine exklusive Sichtweise des Vorstands.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.