Eine DAX-30-Rallye, die sich gewaschen hat

„Die Unsicherheit ist so hoch wie nie und Unsicherheit ist der Feind für langfristige Investments.“

Dieser Satz stammt von George Soros und wurde während des jährlich im Januar im schweizerischen Davos stattfindenden Weltwirtschaftsforums geäußert.

Falls Ihnen der Name dieses Protagonisten nichts sagt: Laut Wikipedia ist George Soros

„ein US-amerikanischer Investor ungarischer Herkunft und Betreuer vieler Fonds, u. a. des Quantum Funds. Bekannt wurde er, als er im September 1992 auf die Abwertung des britischen Pfunds wettete und dadurch rund 1 Mrd. US-Dollar verdiente.“

Ist Soros noch immer ein Guru?

Die eingangs zitierte Aussage und weitere des Herrn Soros waren v. a. gegen den US-Präsidenten Trump gerichtet:

Aus seiner Abneigung machte Soros mit Bezeichnungen wie „Blender“, „Hochstapler“ oder „Möchtegern-Diktator“ schon vorher keinen Hehl.

Entsprechend sollten Sie den Soros-Aussagen auch ein Gutteil Wut über den für ihn völlig falschen Wahlausgang unterstellen. Davon abgesehen:

Mit seinen Prognosen, etwa zum Goldpreis, lag Soros in den letzten Jahren auch eher daneben. Insofern ist der ihm von vielen zugeordnete „Guru-Status“ für mich fragwürdig.

Wie auch immer:

Ja: Unsicherheit ist schlecht!

Dem 2. Teil seiner Aussage stimme ich zu: Wenn die Investoren bzgl. der Zukunft der Aktienmärkte verunsichert sind, ist das schlecht für Investments.

Denn: Wenn Sie für sich selbst Risiken in den Finanzmärkten erkennen, werden Sie wohl kaum langfristige Aktien-Investments tätigen.

Vielmehr sind Sie geneigt, schneller auf den Verkaufsknopf zu drücken (wenn Sie denn noch investiert sind), sobald sich die Anzeichen für Ihre Einschätzung verstärken.

Daher geht Unsicherheit unter den Anlegern stets auch mit sinkenden Aktienmärkten einher. Das konnten Sie im vergangenen Jahr gleich 2x sehr schön beobachten:

Vor dem BrExit-Votum waren die Marktteilnehmer stark verunsichert – die Kurse gaben spürbar nach.

Ebenso ging es im September / Oktober 2016 mit den Aktienkursen bergab, als der Wahltermin für den künftigen US-Präsidenten immer näher rückte.

Ja: Sicherheit ist gut

Wenn Herr Soros also mit seiner Aussage recht hätte, sollten wir das bereits in den Indizes sehen. Schauen wir dazu also einmal auf den DAX 30, ob wir seine Sicht bestätigt finden:

dax_07-02-2017

DAX 30: Von Unsicherheit der Anleger ist derzeit nichts zu spüren.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht: Aber von Unsicherheit kann ich beim DAX absolut nichts erkennen.

Tatsächlich hat der deutsche Leitindex seit Dezember (und da war die Wahl Trumps bereits 1 Monat bekannt) „schlappe“ +14,3% zugelegt.

Das Gegenteil von Unsicherheit ist bekanntlich Sicherheit: Offensichtlich waren sich die Anleger bis dato also sehr „sicher“, was die Zukunft der Aktienmärkte angeht.

Wer schnell rennt, muss auch mal durchschnaufen!

Sie sollten sich auch nicht von der Seitwärts-Bewegung seit Jahresbeginn täuschen lassen! Denn ich sage bei solchen Gelegenheiten immer:

„Wer schnell rennt, muss auch mal durchschnaufen!“ – Oder kennen Sie Marathonläufer, die die 42,195 km mit dem Tempo eines 400-m-Läufers absolvieren? – Also, ich nicht!

Die Seitwärts-Bewegung seit Jahresbeginn ist nichts anderes als eine Konsolidierung – und die fällt obendrein mit gerade einmal 384 Punkten vom Top auch noch bescheiden aus:

Damit wurden bis dato lediglich 25,8% der 1.491-Punkte-Rallye korrigiert.

Eine derart geringe Gegenbewegung ist vielmehr äußeres Anzeichen für anhaltendes Kaufinteresse der Anleger. Und auch das ist wohl kaum verwunderlich:

Die Privat-Anleger waren von der Trump-Wahl wie gelähmt und von der daran anknüpfenden Rallye komplett überrascht.

Schließlich hatten die Experten ihnen doch für diesen Fall genau das Gegenteil angekündigt: einen Crash.

Fazit und Empfehlung

Es wird wohl noch viel Zeit ins Land gehen, bis George Soros recht bekommt.

Das wird er gewiss: Denn alle Crash-Propheten liegen irgendwann einmal richtig – sie müssen nur lange genug zu ihren Untergangs-Szenarien stehen.

Der DAX-Chart zeigt Ihnen genau das Gegenteil der Soros-Prognose:

Die Anleger verströmen seit Dezember ein hohes Vertrauen in die Zukunft der Aktien. An der Wall Street ist das übrigens schon seit November der Fall.

Die jüngste Konsolidierung dokumentiert ebenfalls Stärke:

Es wurden gerade einmal 25,8% der vorhergehenden Rallye „korrigiert“. Üblich sind Korrekturen, die 1/3 oder die Hälfte der Aufwärts-Bewegung ausmachen.

Last not least: Das im Chart unten abgebildete 50-Tage-Momentum zeigt Ihnen, welch „explosives Potenzial“ dem DAX innewohnt:

Gelingt dem Schwungkraft-Indikator der Sprung über den 15-monatigen (!) Widerstand, dann werden Sie eine DAX-Rallye erleben, die sich „gewaschen hat“.

7. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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