Eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt

Deutschland bleibt weltweit eine der wichtigsten Industrienationen und erzielte 2016 ein solides Wachstum. Hier erfahren Sie Näheres: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Als Exportweltmeister und globaler Innovations-Führer zählt Deutschland zu den erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt.

Das konnte die deutsche Wirtschaft auch 2016 unter Beweis stellen; es wurde in allen wesentlichen Bereichen Wachstum erzielt.

Der private Konsum, der vom gesättigten Arbeitsmarkt angetrieben wurde, gilt als Hauptinitiator der positiven Entwicklung.

Rückblick 2016: Ein Jahr des Wachstums

Insgesamt konsumierten die Deutschen 2% mehr als im Vorjahres-Zeitraum. Die staatlichen Konsum-Ausgaben fielen mit +4,2% sogar noch deutlich stärker aus.

Investitionen zur Wohnraum-Schaffung waren der primäre Wachstumstreiber der Staatsausgaben.

Dieser kräftige Anstieg ist unter anderem auf die Flüchtlingswelle und der damit einhergehenden Notwendigkeit an Wohnraum zurückzuführen.

Investitionen in Ausrüstung, also in kommerzielle Geräte und Maschinen, stiegen um 1,7% und entwickelten sich im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) verhalten.

Unterm Strich wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,9% und liegt damit über dem Durchschnitt der Euro-Zone.

Darüber hinaus hat die Bundesrepublik zum 3. Mal in Folge mehr eingenommen als ausgegeben; mit 23,7 Mrd. € wurde der höchste Überschuss seit der Wiedervereinigung erzielt.

Damit zählt Deutschland zu den wenigen EU-Ländern mit einer positiven Maastricht-Quote.

Ausblick 2017: Schwächeres, aber intaktes Wachstum

Die positive Entwicklung wird auch 2017 nicht abklingen.

Während die OECD ein preisbereinigtes Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,3% prognostiziert, geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) von 1,4% aus.

Es wird also mit einem schwächeren, aber dennoch intakten Wachstum gerechnet.

Wachstumstreiber im Jahr 2017 werden erneut das hohe Beschäftigungs-Niveau, wie auch die staatlichen Konsum-Ausgaben sein.

Der BrExit, die Ernennung Trumps zum Präsidenten der USA, aber auch die zahlreichen Wahlen im EU-Raum – v. a. in Frankreich – sind Unsicherheits-Faktoren.

Diese Unsicherheit spiegelt sich in der schwachen Investitions-Tätigkeit der Unternehmen wider.

Beschäftigungs-Niveau auf historischem Hoch

Die dynamische Entwicklung des Arbeitsmarkts schreitet voran. Das Beschäftigungs-Niveau verzeichnet mit mehr als 43,5 Mio. Erwerbstätigen einen neuen Rekord.

Obwohl immer mehr Asylbewerber eine Arbeits-Erlaubnis erhalten und auf Jobsuche sind, ist die Arbeitslosen-Quote in Deutschland auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren.

Laut DIW dürfte es so weitergehen; das Forschungs-Institut rechnet mit 600.000 neu geschaffenen Jobs in diesem und weiteren 440.000 im nächsten Jahr.

Für den größten Teil der Zuwächse werden Unternehmen aus der Dienstleistungs-Branche verantwortlich sein.

Personal-Dienstleister wie Amadeus FiRe sind gefragt. Eine steigende Anzahl von Mitarbeitern führt zu erhöhtem Koordinations-Aufwand für die Firmen.

Intelligente Software-Lösungen, die den optimalen Einsatz des Fachpersonals ermöglichen, gewinnen an Bedeutung.

Von dieser Entwicklung könnten vor allem IT-Dienstleister wie ATOSS profitieren.

Des einen Glück…

Auf das Konsum-Verhalten der deutschen Privatpersonen war jahrelang Verlass:

Bei einem Netto-Haushalts-Einkommen von durchschnittlich 38.828 € werden rund 36.000 € ausgegeben. Der Großteil fließt davon in den privaten Konsum.

Im vergangenen Jahr führten die sinkenden Ölpreise zu einer verhaltenen Inflationsrate von 0,5%. Die Folge war ein Anstieg der Reallöhne.

Den Deutschen blieb unterm Strich mehr Geld für den Konsum über. Dieser Effekt ist jedoch ausgelaufen.

Während die EZB den ersehnten Preis-Anstieg begrüßt, müssen Privatpersonen ihr Konsum-Verhalten zurückschrauben.

…ist des anderen Leid

Seit Dezember 2016 sehen wir einen kräftigen Anstieg der Verbraucher-Preise.

Die Inflationsrate lag in den vergangenen 3 Monaten mit 1,7, 1,9 und 2,2% deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Ein wesentlicher Grund für den Preis-Anstieg sind die Energiepreise, die allein im Februar um 7,2% in die Höhe schossen.

Einen weiteren Grund lieferten Nahrungsmittel, die sich im Vorjahres-Vergleich um 4,4% verteuerten.

Diese Entwicklung wird den Konsum privater Haushalte vorübergehend bremsen.

Besonders sensibel dürften Konzerne der Modebranche, wie Adler Modemärkte oder die TOM TAILOR Holding auf den Rückgang reagieren.

Export-Weltmeisterschaft birgt Konflikt-Potenzial

Deutschland schloss das Jahr 2016 zum 3. Mal in Folge als Export-Weltmeister ab und ließ Länder wie China und Japan hinter sich.

Die Leistungsbilanz wies ein Plus von 297 Mrd. € aus. Absatztreiber Nr. 1 ist die Auto- und Anlagen-Branche.

Auch für das laufende Jahr rechnet das DIW mit einem Leistungsbilanz-Überschuss von 7,8%, gefolgt von 7,5% im nächsten Jahr.

Dieser Erfolg ruft allerdings auch Kritiker herbei: Deutschland wurde immer wieder beschuldigt die Exportländer mittels unterbewerteter Währung auszubeuten.

Zusätzliche Wettbewerbs-Vorteile im Euro-Raum soll sich Deutschland durch jahrelange Stagnation der Reallöhne verschafft haben.

Insbesondere spitzt sich die Situation mit dem wichtigsten Absatzland USA zu:

Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro verlautbarte, dass Deutschland das Haupthindernis für ein Handels-Abkommen mit der EU sei.

Bisher sind nur Worte gefallen. Ob darauf auch Taten folgen werden, bleibt abzuwarten.

Deutsche Wirtschaft wird 2017 weiter wachsen

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass es der deutschen Wirtschaft gut geht.

Wir rechnen nicht mit einem anhaltenden Preisdruck auf private Konsumenten, sondern mit einer baldigen Stabilisierung der Preis-Entwicklung.

Die fundamentalen Wirtschaftsdaten wie das Beschäftigungs-Niveau und die Binnen-Nachfrage sind intakt.

Die internationale Nachfrage nach Produkten der Marke „Made in Germany“ wird auch 2017 ungebremst hoch sein.

Hieraus ergibt sich ein attraktives Wachstums-Potenzial, das sich auf die gesamte Wirtschaftslage positiv auswirken wird.

Im weltweiten Vergleich bleiben deutsche Unternehmen deshalb besonders attraktiv.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.