Eine hochinteressante Entwicklung aus einer ungewohnten Perspektive

Es kann hilfreich sein die eingetretenen Pfade zu verlassen und deutsche Aktien einmal anders zu betrachten. Hier mehr zum F.A.Z. Index: (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Wenn wir über den deutschen Aktienmarkt sprechen, dann haben wir zumeist den DAX 30 dabei im Sinn.

Doch natürlich gibt es noch andere Indizes, die durchaus vergleichbar mit dem Leitindex sind.

Damit meine ich indes nicht Indizes wie den MDAX, den SDAX oder den TecDAX:

Diese decken ja ganz spezielle Marktsegmente ab wie:

  • den MidCap- (Aktiengesellschaften mit mittelgroßer Marktkapitalisierung),
  • den SmallCap- (geringe Marktkapitalisierung)
  • oder den Technologie-Sektor.

Vergleichbar mit dem DAX 30 ist z. B. der F.A.Z. Index, der von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seit dem 4. September 1961 börsentäglich ermittelt wird.

Hier gibt es eine sehr interessante Entwicklung, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Unterschiede zwischen DAX und F.A.Z. Index

Dazu muss man allerdings wissen, dass sich der F.A.Z. Index vom DAX 30 in 3 wichtigen Punkten unterscheidet:

  1. Der DAX spiegelt die Kurs-Entwicklung von 30, der F.A.Z. Index von 100 deutschen Aktien wider.
  2. Beim DAX richtet sich die Gewichtung an der Streubesitz-Marktkapitalisierung aus. Die beim F.A.Z. Index benutzte Ermittlung der Gewichtung bezieht sich hingegen auf das aktuelle Berichtsjahr.
  3. Der wohl wichtigste Unterschied ist jedoch: Der DAX ist ein Performance-Index, in den auch ausgeschüttete Dividenden einfließen. Diese bleiben bei einem Kursindex wie dem F.A.Z. Index unberücksichtigt.

Unterschiedliche Berechnung, identische Analyse

Was jedoch beim F.A.Z. Index nicht anders ist als bei jedem anderen Marktbarometer, ist die Charttechnik, mit der wir die Kursverläufe analysieren.

Und das wollen wir jetzt einmal angehen:

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F.A.Z. Index: Noch nicht aus ansteigendem Dreieck ausgebrochen

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DAX 30: Schon seit 2013 aus dem Dreieck ausgeschert

Sie sehen hier den F.A.Z. Index mit der längsten Historie, die mir in meiner Chartsoftware zur Verfügung steht.

Überraschung: DAX generiert plötzlich KaufsignalDer MACD-Indikator generiert ein Kaufsignal. Doch die nächsten Hindernisse warten schon auf den DAX. Noch sind wir nicht auf der sicheren Seite. › mehr lesen

Den DAX habe ich zur besseren Vergleichbarkeit entsprechend angepasst.

Der DAX ist schon dort, wo der F.A.Z. Index noch hin möchte

Wie der DAX auch, erreichte der F.A.Z. Index im Jahr 2000 einen wichtigen Hochpunkt.

Allerdings blieb dieser bis zum April 2015 gültig, während der DAX schon im Jahr 2007 eine marginal höhere Bestmarke schaffte.

Wie Sie der Legende am linken Chartrand entnehmen können, hat das Top aus dem Jahr 2015 beim F.A.Z. Index noch immer Bestand.

Dagegen hat der DAX seinen Rekordwert vom April desselben Jahres zuletzt ausgebaut.

Beide Indizes zeigen die Chart-Formation eines ansteigenden Dreiecks:

Dieses Kursmuster besitzt in der Charttechnik eine positive Prognose-Kraft, was sich im DAX auch schon mit dem Ausbruch im Herbst 2013 (gelber Kreis) bestätigt hat.

Für den F.A.Z. Index steht ein solcher Ausbruch also noch aus.

Und wie Sie im Chart unschwer erkennen, könnte ein solcher Aufbruch in völlig neue Kursdimensionen durchaus unmittelbar bevorstehen:

Fazit

Mit 2.501 Punkten kam der F.A.Z. Index am 9. Mai bis auf 21 Zähler an die bisherige Bestmarke heran. Aktuell notiert der Zeitungs-Index mit 2.463 etwa 38 Punkte niedriger.

Allerdings lässt der sehr steile Anstieg seit Anfang Dezember 2016 beim F.A.Z. Index darauf schließen, dass dieser erst noch einmal zurücksetzt, bevor er in neue Kursdimensionen aufbricht.

Beide Indizes tendieren gleich, der F.A.Z. Index schwankt aufgrund seiner Berechnung und Zusammensetzung nur wesentlich verhaltener.

Entsprechend ist derzeit auch ein Rücksetzer im DAX wahrscheinlicher als ein direkt fortgesetzter steiler Anstieg.

Die positive Konsequenz aus der Betrachtung des F.A.Z. Index ist indes:

Gelingt es dem Zeitungs-Index, das Top aus dem Jahr 2015 nachhaltig hinter sich zu lassen, dann dürfen Sie für den deutschen Aktienmarkt mit einem mehrjährigen Aufwärtstrend rechnen.

Was wiederum auch eine Bestätigung für den DAX wäre. Und das ist, wie ich meine, eine sehr interessante Entwicklung, die es wert ist sie im Auge zu behalten.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.