Eine kleine Chance auf eine Party

Der DAX-Index tendierte bisher im Börsenjahr 2017 unter Schwankungen seitwärts. Mit „Weder Fisch noch Fleisch“ konnte man den bisherigen Jahresverlauf titulieren.

Doch seit 2 Tagen probt unser deutscher Leitindex den Ausbruch aus der von Vorsicht und Unsicherheit geprägten Lustlosigkeit.

Immerhin hat er ein deutliches Nachholpotenzial verglichen mit den US-Indizes, die seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten deutlich zulegen konnten und von einem Allzeithoch zum Nächsten preschten.

Ich kann den Namen schon nicht mehr hören; es vergeht kein Tag, indem er nicht in allen Medien der Welt, in allen Tageszeitungen irgendwo erscheint und zitiert wird.

Witzig und bezeichnend zugleich: Heute hat bekanntlich an Weiberfastnacht der Straßenkarneval begonnen.

Die am meisten verkaufte Kostümierung ist die Trump-Frisur! Sie ist überall ausverkauft! Dieser Mann hat es geschafft, die Welt in seinen Bann zu ziehen!

Fakt ist: Die Versprechungen von Donald Trump sind genauso vollmundig wie die Versprecher von Donald Trump!

Deshalb ist sowohl  die Börsen- als auch die Währungslage, die politische und nicht zuletzt auch die Zinslage so unvorhersehbar, wie seit Langem nicht mehr!

Zwiespälte werden größer

Egal, wo Sie hinschauen, die Märkte werden irrationaler!

Ein Paradebeispiel dafür: Wir sehen steigende Inflation weltweit, aber der Bund Future steigt! („Normale Korrelation“: Inflation rauf – Bund Future runter).

Das widerspricht der Wirtschaftslehre in ihren Grundzügen und ist nur damit zu erklären, dass die Flucht von Kapital in „Safe Haven“-Anlagen (sicherer Hafen) massiv ansteigt.

Ein weiteres Indiz: Untermauert wird dies durch den ansteigenden Goldpreis seit Jahresbeginn. Denn auch Gold wird nur verstärkt gekauft, wenn Kapital Sicherheit sucht.

Das alles widerspricht aber wiederum den auf historisch niedrigem Niveau liegenden Volatilitäts-Indizes.

Die Volatilität ist immer nur dann niedrig, wenn eben keine Unsicherheit an den Märkten herrscht und keine Flucht in Safe-Haven-Anlagen vorliegt (Vola-Index = Angstbarometer).

Wie verhalten Sie sich als Privat-Anleger jetzt am Besten?

Es gibt an den Märkten immer zwei Meinungen. Ich kann Ihnen selbstredend nur meine Meinung ans Herz legen; aber damit lag ich 32 Jahre lang meist richtig.

Mein Rat: Die Aktienmärkte befinden sich in einer konträren Situation.

Die Allwetterlage bezüglich der peripheren Einflussfaktoren wie Politik, Währungen und Zinsen ist zurzeit sehr undurchsichtig.

Es gibt auf der anderen Seite aber viel Kapital und Liquidität, welches Anlagen sucht. Die Alternativen zur Aktie bleiben vorerst noch rar gesät.

Ergo:

Fahren Sie die Aktienmärkte nur mit guten Dividenden-Titeln mit!

Investieren Sie in geschickte Spread-Strategien, die auch bei Nichteintreffen der Prognose Gewinne abwerfen können!

Achten Sie auf eine gute Diversifizierung!

Wenn Sie das beherzigen, dann sind Sie gut vorbereitet und es kann Ihnen nichts passieren.

Diese Überlegungen vorweg, betrachten wir wie immer ganz nüchtern zunächst denkurzfristigen 1-Monats-Chart des DAX-Index:

DAX 230217 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stunden-Balken)

Kurzfristiger Aufwärtstrend nach erfolgreicher W-Boden-Formation

Im Kurzfrist-Chart des DAX-Index ist es dem Index gelungen, eine W-Boden-Formation erfolgreich abzuschließen (rotes W).

Sobald der Index über die rechte W-Schenkel-Linie ansteigt, gilt eine derartige charttechnische Boden-Formation als gelungen.

Das war nicht so klar, wie das nun im Chartbild zu sehen ist.

Denn auch vorher schon hatte der DAX-Index Gelegenheit, eine W-Boden-Formation auszubilden, doch er sank unter den vorherigen linken W-Schenkel (orangefarbene Kreise).

Trendkanal intakt, Steigung: 175 Punkte/Woche

Der DAX-Index ist im Zuge seines 2-tägigen Sprungs über die Widerstands-Linie bei 11.800/850 Punkten (mittlere blaue Linie) bis an die obere Begrenzung des Trendkanals herangelaufen.

Der neue kurzfristige aufwärts gerichtete Trendkanal ist intakt (grüner Trendkanal) und hat eine vergleichsweise starke Steigung von 175 Punkten pro Woche.

Das bedeutet für Sie, bereits im März könnten rein charttechnisch in der kurzfristigen Betrachtung die alten Allzeithochs bei 12.400 Punkten angelaufen werden.

Die Knackfrage: Ergibt diese Entwicklung auch im mittelfristigen und langfristigen Chartbild Sinn? Oder verstößt sie gegen klare charttechnische Begrenzungen?

Betrachten wir deshalb zunächst das mittelfristige 1-Jahres-Chartbild des DAX-Index:

DAX 230217 1J

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Widerstand bei 12.000/12.100!

Wir haben es aufgrund der recht langen Seitwärts-Phase im vergangen Jahr (rote Schiebezone) mit einem keilförmig zulaufenden Aufwärts-Trendkanal zu tun (grüner Trendkanal).

Wäre die Phase kürzer ausgefallen, dann würde die obere Linie parallel zur unteren Begrenzung des Aufwärtstrends verlaufen.

Dieser keilförmige Trendkanal ist bereits mehrfach an Ober- und auch Unterseite bestätigt worden (blaue Kreise) und gibt mittelfristig zunächst die Marschrichtung vor!

Innerhalb dieses Trendkanals ist der DAX-Index an der Oberseite angestoßen

Sie können deutlich erkennen, wie sich der DAX-Index an der oberen Begrenzung des Aufwärts-Trendkanals entlang hangelte (obere grüne Horizontale).

Auch aktuell sorgte dieser Widerstand für eine Pause in der jüngsten Aufwärts-Bewegung. Rein charttechnisch sollte er hier zunächst konsolidieren, was auch durchaus seitwärts erfolgen darf.

Es gibt aber auch eine winzige Chance, dass ihm eine Überwindung dieses Trend-Widerstands gelingt.

Keilförmig zulaufende Aufwärts-Trendkanäle haben Seltenheitswert; es gibt sie nicht allzu häufig.

Klar, die lange Schiebezone aufgrund des Abwartens vom Ereignis der US-Präsidentschaftswahl hat diesen schiefen Trendkanal bedingt.

Eine Überwindung könnte jetzt aber dazu führen, dass sich ein „normaler“ Paralleltrend ausbildet.

Das wird erst aus demBlick auf den langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index klar:

DAX 230217 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochen-Balken)

Keiltrend oder neuer Parallel-Trend?

Zunächst: Der langfristige 10-Jahres-Chart vom DAX-Index bleibt voll intakt.

Die Gefahr nach unten ist zunächst auf die untere Trendlinie des mittelfristige Aufwärts-Trendkanals begrenzt (grüner Trendkanal). Sie liegt bei etwa rund 11.000 Punkten.

Nach dem Abbau der aktuellen Überkauft-Situation, die im optimalen Fall auch durchaus wie erwähnt seitwärts erfolgen könnte, wäre schon in März/April das Allzeithoch von 12.400 Punkten drin.

Aber, falls der Keiltrend überwunden wird, ergibt sich eine ganz neue Situation

Ich habe Ihnen im Chartbild das mögliche Erreichen des Allzeithochs im Keiltrend bei 12.400 Punkten eingezeichnet (schwarzer Kreis).

Blicken wir längerfristig in die Zukunft, dann dürfte die Überwindung dieses Allzeithochs ein Katalysator für eine weitere Rally-Phase bis an die obere Begrenzung des längerfristigen Aufwärtstrends sein (obere blaue Begrenzungs-Linie).

Diese liegt über 13.000 Punkten.

Allerdings bedarf es rein charttechnisch dafür einer Erweiterung des zurzeit noch vorherrschenden Keiltrends in einen Paralleltrend (grüne gestrichelte Linie).

Möglich ist das, aber die Historie lehrt, dass so ein Fall massive Stimulations-Faktoren von außen benötigt. Diese sehe ich zurzeit nicht.

Fazit: Unter Schwankungen zunächst seitwärts!

Die Ränder des Keiltrends sind aktuell die Marken, an denen der DAX-Index es schwer haben wird. Dazwischen sollte der DAX-Index richtungslos schwanken.

Achten Sie also auf diese beiden Trigger-Marken.

Längerfristig sogar Potenzial bis über 13.000 Punkte, wenn die US-Aktienmärkte nicht vorher eine Blase ausbilden und in Konsequenz daraus scharf korrigieren.

23. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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