Eine Kur gegen die Finanzkrise: Die Vollgeldreform

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Drei Autoren erläutern in diesem Fachbuch ihr Modell für eine Vollgeldreform, die alle Schwächen der bisherigen Finanzkrise beheben soll. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Hans Christoph Binswanger, Joseph Huber und Philippe Mastronadi plädieren in “Die Vollgeld-Reform” für sogenanntes Vollgeld und die “Monetative” als vierte Staatsgewalt. Ohne Reform der Geldordnung kein Ausweg aus der Krise, so ihre Devise.

Die Vernachlässigung monetärer Faktoren in der Finanzanalyse ist heutzutage fast schon üblich geworden.

Fragen, die nach Meinung der Autoren heutzutage zu kurz kommen, sind daher folgende: Woher kommt das viele anlagesuchende Geld? Warum ist im globalen Finanzkasino so leicht so viel billiges Geld verfügbar?

Und warum ist es so mühsam, ausreichend Mittel zu mobilisieren für realwirtschaftliche Investitionen in Güter, Dienste und somit Arbeitsplätze, die für Produktivität und Wohlstand sorgen?

Ursachen für die Krise

Die finanziellen Krisenursachen haben nach Binswanger, Huber und Mastronardi einen gemeinsamen Ursprung: Das fraktionale Reservesystem.

Dieses ermöglicht es den Banken, Buchgeld in Umlauf zu bringen und dabei nur einen Bruchteil der bei ihnen liegenden Sichtguthaben als Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen zu müssen.

So benötigen Banken im Durchschnitt nur zwei Einheiten Bargeld und sechs Einheiten unbares Zentralbankgeld, um 100 Einheiten Giralgeld in Umlauf bringen zu können.

So wird eine multiple Giralgeldschöpfung möglich, die den Kredithebel zum Zweck bloßer Finanzanlagen überproportional unterstützen.

Prof. Huber führt im GeVestor-Interview aus:

“Das vorhandene Giralgeldsystem, auch fraktionales Reservebanking genannt, ist unnötig kompliziert, und es ist instabil und verursacht Krisen, weil es immer wieder überschießende Geldmengen erzeugt.”

Dabei werden normal rentable realwirtschaftliche Investitionen vernachlässigt, wobei vor allem die international agierenden Großbanken ihren Geschäftsschwerpunkt verstärkt in Richtung Investmentbanking und weg vom normalen Kundengeschäft verschoben haben.

Folge: Einkommensverschiebung

Da der finanzwirtschaftliche Anteil am Geldverbrauch sich zuungunsten des realwirtschaftlichen Teils erheblich verschoben hat und alle Geldanlagen zu verzinsen sind, hat sich auch die Primärverteilung der Einkommen verschoben zugunsten von Kapitaleinkünften und zum Nachteil von Arbeitseinkommen.

Als Ursache und Konsequenz gleichermaßen wächst die Geldmenge seit Jahrzehnten deutlich stärker als die Wirtschaft selbst.

Ein dadurch zustande kommender Geldüberhang führt zu einer Inflation der Verbraucher- und Erzeugerpreise.

Und täglich wächst der Schuldenberg

Weitere Gründe, die die Autoren für die überschießende Giralgeldschöpfung sehen, sind nicht nur die kreditgehebelte Finanzspekulation, sondern auch die chronischen Defizite der öffentlichen Haushalte und die sich immer weiter auftürmenden öffentlichen Gesamtschulden.

Bereits vor der Bankenkrise hatte diese Verschuldung die kritische Grenze überschritten, doch die Banken finanzierten die öffentliche Schuldenaufnahme gedankenlos mit.

Diese Kreditinstitute, die an der jüngsten Finanzkrise schuld waren, mussten durch Subventionen vor dem Bankrott gerettet werden und verlangen nun Wucherzinsen von den bereits völlig überlasteten Staaten.

Lösung: Die Vollgeldreform

Binswanger, Huber und Mastronardi schlagen als Möglichkeit, diese Schieflage zu beheben, die Vollgeldreform vor. Vollgeld steht dabei für vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel, das als allgemeines reguläres Zahlungsmittel zu verwenden und zu akzeptieren ist.

Weltkugel Handel Rechner – cybrain – shutterstock_417294322

Exportrekord in Deutschland: Gefahr oder Segen?Es besteht die Gefahr, dass Deutschland durch die hohe Exportquote im nächsten Crash deutlich tiefer abstürzen wird als andere Industrieländer. › mehr lesen

Der Unterschied zum Giralgeld ist, dass Vollgeld nicht nur einen Anspruch auf Zentralbankgeld darstellt, auch keine anders geartete Verbindlichkeit, sondern es selbst voll gültiges Geld in eigenem Recht ist.

Ihrer Meinung nach ist zusätzlich zu den drei Staatsgewalten der Legislative, Exekutive und Judikative eine weitere Vierte notwendig: Die Monetative, die die staatliche Geld- und Währungshoheit ausübt und von den anderen Staatsgewalten unabhängig ist.

Sie ist verantwortlich für die Bereitstellung der gesetzlichen Zahlungsmittel, die Kontrolle des Mengenumlaufs, das nationale Devisenmanagement und gegebenenfalls auch für Aspekte der Bankenaufsicht.

Somit soll der Staat in den Genuss einer monetären Souveränität kommen und nicht mehr von kommerziellen Kredit- und Investmentbanken abhängig sein.

Im Gespräch mit GeVestor erklärt Prof. Huber:

“Letztlich werden alle Finanzreformen kaum etwas nützen, solange nicht die Geldordnung reformiert wird und der Staat das von den Banken usurpierte Geldregal, die Prärogative der Geldschöpfung und des Geldschöpfungsgewinns, der Seigniorage, wieder seiner Hoheit unterstellt.”

Ziel: Monetäre Unabhängigkeit des Staates

Die Autoren untermauern die vorgeschlagene Reform, indem sie dem Leser ihre potentiellen Konsequenzen fundiert näherbringen und detailliert die Vorteile ihrer Idee erläutern.

Zudem widmet sich der letzte Teil des Buches der rechtlichen Umsetzung einer solchen Reform. Hier werden – bezogen auf die Schweiz – konkret die zentralen Elemente der vorgeschlagenen Geld- und Finanzmarkt-Verfassung erklärt.

Dabei werden die entsprechenden Artikel durch den bis 2011 als Professor für öffentliches Recht tätigen Autor Phillipe Mastronardi analysiert und die erforderlichen Änderungen ausformuliert.

Fazit

Alles in Allem ist den Autoren mit ihrem Werk „Die Vollgeld-Reform“ ein Buch gelungen, das die Schwächen des heutigen Finanzsystems kritisch aufdeckt und dabei den Schwerpunkt auf die Möglichkeiten zur Lösung der vorhandenen Probleme legt.

Es dürfte daher insbesondere Leser ansprechen, die dem aktuellen Zustand des Finanzwesens mit der immensen Verschuldung der Nationalstaaten und der noch nicht ausgeklungenen Finanzkrise kritisch gegenüber stehen und Alternativen zur derzeitigen Handhabung der bestehenden Probleme suchen.

Über die Autoren:

Hans Christoph Binswanger war von 1969 bis 1994 als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen tätig. Von 1967-1992 war er zudem Direktor der Forschungsgemeinschaft für Nationalökonomie, seit 1980 geschäftsführend.

Des Weiteren wirkte er zwischen 1992 und 1995 als Direktor des neu gegründeten Instituts für Wirtschaft und Ökologie. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Umwelt- und Ressourcenökonomie, Geldtheorie, Europäische Integration und ökonomische Theoriegeschichte.

Joseph Huber ist seit 1992 Professor für Wirtschafts- und Umweltsoziologie an der Martin-Luther-Universität in Halle. Davor war er als freier Publizist und Politikberater tätig. Er entwickelte in den 1990er Jahren den Vollgeldansatz, um das fraktionale Reservesystem aufzuheben. Außerdem ist er Mitbegründer des Geldreformnetzwerkes „Monetative“.

Phillipe Mastronardi war bis 2011 ordentlicher Professor für öffentliches Recht an der Hochschule Sankt Gallen und wirkte bis 1994 als Sekretär der Geschäftsprüfungskommission der eidgenössischen Räte. Er hat bereits mehrere Publikationen zu Themen im Bereich des Staatsrecht, der Demokratietheorie und der Rechtstheorie herausgebracht.

Alle der Autoren sind im wissenschaftlichen Beirat des 2011 gegründeten Vereins „Monetäre Modernisierung“ aktiv. Dieser hat das Ziel, das Geldsystem in den Dienst der Realwirtschaft und diese wiederum in den Dienst der Menschen zu stellen.

Das Buch ist im Zeitpunkt Verlag erschienen und kostet 9,50€.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.