Eine Umarmung für den DAX 30

Nachdem wir uns zuletzt schwerpunktmäßig der Wall Street zugewandt haben, soll heute mal wieder der DAX 30 im Fokus stehen.

Da passt es prima, dass der deutsche Leitindex gestern ein optimistisch stimmendes Chart-Signal ausgebildet hat. Doch verschaffen wir uns vorab erst einmal einen Überblick über das mittelfristige Bild.

Es ist übrigens der gleiche Chart, den ich Ihnen in meiner letzten Analyse am 13. Januar präsentiert habe – mit einer kleinen, aber wichtigen Veränderung:

dax 30 mittelfristig-27-01-2016

Das mittelfristige Bild im DAX 30: Neu justierter Abwärtstrend, aber weiterhin Abwärtstrend

Neujustierung des Abwärtstrends notwendig

Klar ist: Der DAX bewegt sich seit April des vergangenen Jahres im Abwärtsmodus. Allerdings musste der Abwärtstrend-Kanal inzwischen neu justiert werden. Warum?

In Chartanalyse-Trends ziehen wir Abwärtstrend-Linien methodisch. Das heißt: Die Linie verbindet das höchste Top mit dem Hoch, welches dem jüngsten, tiefsten Tief vorausgeht.

Die gestrichelten roten Linien zeigen den alten Abwärtstrend-Kanal. Hier waren die Tiefs vom August (9.338) und September (9.325) maßgeblich für das zweite Top der Abwärtstrend-Linie.

Am 20. Januar wurden diese Tiefpunkte mit 9.314 Zählern noch unterboten (grüner Kreis). Somit wurde ein neues Tief im Abwärtstrend generiert, welches nun wiederum maßgeblich für das vorhergehende Top (gelber Kreis) ist.

Entsprechend musste die Abwärtstrend-Linie neu justiert werden: Das Hoch vom April 2015 wurde nun mit dem Zwischenhoch von Ende November 2015 verbunden. Falls noch nicht geschehen, sollte Sie dies ab jetzt in ihren eigenen Charts berücksichtigen.

Ex-Bullenfalle integriert

Erinnern Sie sich? Dieses Top vom November erwies sich seinerzeit im Nachhinein als Bullenfalle, die aus einem Fehlausbruch aus dem alten Abwärtstrend resultierte. So kommt am Ende alles wieder ins Lot.

Der guten Ordnung halber sei noch angefügt: Das Momentum zeigt ebenfalls weiter abwärts. Der Trend-Kanal macht deutlich, dass der DAX 30 zuletzt überverkauft war. Von einem Kaufsignal – Ausbruch nach oben – sind wir allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Erfreuliches Chart-Signal im DAX

Halten wir also fest: Der Abwärtstrend seit April musste zwar neu justiert werden. An der Tatsache eines in Richtung Süden tendierenden DAX 30 ändert das indes nichts.

Schauen wir nun auf den kurzfristigen Chart und das von mir eingangs erwähnte optimistisch stimmende Chart-Signal:

dax 30 kurzfristig-27-01-2016

Erfreuliches Chart-Signal im DAX 30: Bullish Engulfing Pattern

Achten Sie einmal auf die beiden letzten Kerzen (blaue Pfeile): Sie zeigen ein sogenannten Bullish Engulfing Pattern (engulfing = umhüllend). Worum geht es dabei?

Die Kerzen- (Candlestick-) Charttechnik kennt zahlreiche Kursmuster, die sich aus unterschiedlichen Konstellationen ergeben. Im konkreten Fall umhüllt in einem Bärenmarkt eine lange weiße Kerze eine kleine schwarze Kerze vom Vortag. Wichtig dabei ist:

Tageshoch und Tagestief der kleinen schwarzen Kerze liegen vollständig innerhalb der Abmessungen der großen weißen Kerze. Übrigens, was viele nicht wissen:

Dieses Kerzenchart-Muster trägt auch den Spitznamen „Hugging Line“. Warum, wird bei der Übersetzung klar: Hugging bedeutet umarmen.

Doch was steckt hinter diesem Kursmuster?

Wie Sie wissen, dokumentieren schwarze Kerzen eine bearishe Entwicklung: Der Markt schloss unter der Eröffnung. Eine kleine schwarze Kerze zeigt, dass die bearishen Kräfte eher gering waren.

Weiße Kerzen sind hingegen bullish zu interpretieren: Der Markt schloss über dem Eröffnungskurs. Eine lange weiße Kerze zeigt also starke Nachfrage, da der Markt im Handelsverlauf weit über die Eröffnung hinaus getrieben wurde.

Dieser Weg wird kein leichter sein

Das genannte Kerzenchart-Muster erhöht mithin die Wahrscheinlichkeit, dass der DAX in den nächsten Tagen nach oben ausbricht. Das wird kein leichtes Unterfangen:

Denn da wäre zunächst ein massiver Widerstand im Bereich 9.825 /9.835 (pinkfarbene Linie). Nur 50 bis 60 Punkte höher wartet bereits die jüngste Abwärts-Kurslücke, hier durch das schmale rote Rechteck gekennzeichnet.

Gelingt dem deutschen Leitindex, diese Hürden zu überwinden, wartet bei 10.150 der nächste Widerstand und vermutlich zugleich der Abwärtstrend seit Anfang Dezember.

Schafft der DAX das, dann können Sie ihn zum Dank ja mal umarmen!?

27. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt