Einen Gewinner gibt es doch: Ryanair

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Kaum eine Branche ist von COVID-19 so belastet wie Fluglinien. Hier gibt es kaum Gewinner, nur Verlierer. Wirklich? (Foto: JJFarq / Shutterstock.com)

Wenn Sie ein Unternehmen leiten und Sie von einem Tag auf den anderen auf mehr als 99% ihrer Umsätze verlieren, dann sollten Sie sich nicht wundern, wenn Sie nicht länger profitabel sind und früher oder später auch Ihre Liquiditätsreserven zur Neige gehen.

Im Kampf um die künftige Positionierung

In diesem bedauernswerten Zustand befindet sich seit Beginn der nationalen wie internationalen Bewegungseinschränkungen Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa. Statt 350.000 Passagiere wie vor der COVID-19-Krise befördert Lufthansa derzeit nur noch 3. 000 Fluggäste pro Tag. Damit lösen sich bei der Airline jede Stunde Liquiditätsreserven von rund 1 Millionen Euro in Luft auf. „Tag und Nacht, Woche für Woche und wohl auch noch Monat für Monat“, so Spohr in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter, die in den vergangenen Tagen viral ging.

Seiner Meinung nach bedeutet die Pandemie für den Konzern „die größte Herausforderung der 65-jährigen Geschichte“. Zwar verfüge der Konzern über finanzielle Reserven von mehr als 4 Milliarden Euro, doch sieht es Spohr als ausgemacht an, dass die Airline mit dem Kranich im Logo die Krise nur mit staatlicher Unterstützung überstehen könne.

Anderen geht es auch nicht besser

Damit steht die Lufthansa nicht allein. So ließ der französische Finanzminister Bruno Le Maire – obwohl er dafür gar nicht so recht zuständig ist – verlautbaren, dass die französische Luftfahrtgesellschaft Air France jeden Monat mehrere Milliarden Euro verliert. Um sogleich nach massiver staatlicher Unterstützung zu rufen – wofür er als Minister ja wiederum zuständig ist.

Auch der in Bedrängnis geratene Billigflieger Norwegian Air muss seine Gläubiger um Mithilfe bitten. Statt Staatshilfe will Norwegian Air einen sogenannten Debt-to-Equity-Swap vorschlagen, die Umwandlung von Krediten in Eigenkapital also, mit dem das gebeutelte Unternehmen zwar entschuldet wird, die Eigentümer jedoch auch verwässert werden. Doch besser verwässert als enteignet, denkt man sich in Oslo. Zumal die Entschuldung den Weg frei macht für weitere Staatshilfen, etwa aus dem norwegischen Staatsgarantieprogramm.

Und nach der Krise?

Wenn Regierungen auf der ganzen Welt ihre Grenzen schließen und von Reisen abraten, hat dies, wenn wundert’s, erhebliche Folge auf die Fluggesellschaften. Und nicht nur auf sie, sondern auch auf ihre Zulieferer: Den Flugzeugbauern Airbus und Boeing. Denn wer braucht schon neue Flugzeuge, wenn die bestehende Flotte gerade auf der Startbahn vor sich hin modert?

So steht zu befürchten, dass wenn die Nachfrage zurückkehrt, nichts in der Branche mehr so sein wie davor. Nicht nur, dass Unklarheit darüber herrscht, welche Airline überleben wird oder welche neue Vorsichtsmaßnahmen die Fluggesellschaften in Zukunft treffen könnten. Sondern auch, weil der Flugreisemarkt insgesamt kleiner sein wird. Und teurer, vor allem in Europa, wo Flugtickets häufig schon für wenige Euro zu haben sind.

Profitieren wird in diesem Marktumfeld zweifellos Ryanair, die bezogen auf die Anzahl an Routen größte Fluggesellschaft der Welt. Schon allein, weil der Billigflieger über eine Bargeldvorrat von mehr als 4 Milliarden Euro verfügt – genug, um noch bis Ende des nächsten Jahres durchzuhalten. Viel länger also als Lufthansa, Air France oder der direkte Wettbewerber EasyJet, der noch aus Kaufverträgen der Vor-Corona-Zeit verpflichtet ist, Teile des Bargeldbestands für nun unnötige Flugzeugkäufe zu aufzuwenden.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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