Einen niedrigen VDAX richtig einschätzen und für Anlagen nutzen

Da der VDAX auf einen Kurssturz wesentlich stärker reagiert als auf hohe Zugewinne, ist ein niedriger VDAX tendenziell ein gutes Zeichen:An den Terminmärkten wird ein massiver Einbruch des DAX nicht für sehr wahrscheinlich gehalten.
Im Gegenteil:In Phasen einer leichten Konjunkturerholung geht das Prognoserisiko bezogen auf die Wachstums- und Gewinnerwartungen zurück und löst dadurch einen sinkenden VDAX aus.An den Terminmärkten wird – falls die historischen Erfahrungen stimmen – eine leichte Konjunkturbelebung erwartet.
Da der VDAX zukünftige Erwartungen misst (die sich in gehandelten Optionen widerspiegeln), gibt es unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten.Die gängige Variante, dass typische Konjunkturentwicklungen den VDAX beeinflussen, wurde soeben beschrieben.
Eine weitere Interpretationsvariante geht direkt auf die Aktienmärkte ein. Die These:Ein kontinuierlich sinkender VDAX könnte auf eine langanhaltende Stagnationsphase hinweisen. Die Händler von Optionen erwarten weder fallende noch steigende Kurse und lösen so den VDAX-Verfall aus.
Da der VDAX erst in den 90er-Jahren eingeführt wurde, gibt es keine empirischen Daten, die diese Stagnations-These be- oder widerlegen könnten. Sollte der DAX tatsächlich stagnieren, muss man sich auf bescheidene Kursgewinne einstellen.Favorisieren Sie dann dividendenstarke Werte, die Ihnen über konstant hohe Ausschüttungen die nötige Performance bringen.

Direkte Investition in den VDAX noch nicht möglich: Neue Zertifikate mit VDAX-Bezug nicht empfehlenswert

Das perfekte Anlageinstrument wäre für Sie bei einem Rekordtief des VDAX ein Index-Zertifikat auf den VDAX ohne Laufzeitbeschränkung. Egal wie lange die Stagnation in Deutschland anhalten würde:Ein Ölpreis-Schock würde beispielsweise den VDAX schnell über 30 katapultieren. Sie müssten nur abwarten.Leider wird Ihnen diese aussichtsreiche Investitionsmöglichkeit von den Emissionsbanken noch vorenthalten.
Obwohl in Deutschland rund 26.000 Zertifikate und fast 600 Index-Zertifikate gehandelt werden können, fehlt ein solches Produkt für den VDAX. Die Begründung der Emissionsbanken:Da es keine Optionen auf den VDAX am Terminmarkt gibt, ist eine Absicherung der eigenen Risiken nicht möglich. Abhilfe ist aber in Sicht. An den Terminmärkten und in den Emissionshäusern wird an passenden Optionen und Index-Produkten gebastelt.In der Übergangszeit wollen Ihnen die Banken Zertifikate mit einem direkten oder indirekten VDAX-Bezug verkaufen.

Greifen Sie bei Übergangslösungen nicht zu

Der „Geldanlage-Berater“ empfiehlt: Greifen Sie bei diesen Übergangslösungen nicht zu. Warten Sie auf ein Index-Zertifikat, das den VDAX 1:1 nachbildet.
Einige Emissionsbanken bieten bereits Zertifikate auf VDAX-Basis an. Diese Papiere weisen aber zwei gravierende Nachteile auf:
  • Die Laufzeiten sind viel zu kurz (oft nur wenige Monate).
  • Die Zertifikate bilden am Tag der Fälligkeit den VDAX 1:1 ab, im Vorfeld notieren sie aber deutlich höher. Sie müssen mit einem Aufschlag von 20 bis 30% rechnen. Der VDAX müsste bis zum Laufzeitende also erst um diese 20 bis 30% steigen, damit Sie überhaupt die Gewinnschwelle erreichen. Gehen Sie dieses Risiko nicht ein.
Andere Zertifikate sind noch komplizierter aufgebaut. Bei den „Vola-Protect-Zertifikaten“ der Citigroup wird die erwartete Schwankungsstärke mit einem Zinskupon kombiniert.Je höher die Schwankungen, desto höher die Zinsen. Die Partizipationsrate ist aber zu gering. Der Einstieg lohnt sich für Sie nur, wenn die Volatilität deutlich anzieht. Bei einem solchen Szenario würden Sie mit einem reinen Index-Zertifikat noch besser abschneiden.Und auch unter steuerlichen Aspekten wäre ein Index-Zertifikat Punktsieger: Die Zinseinnahmen der Vola-Protect-Zertifikate müssen Sie voll versteuern, Kursgewinne des Index-Zertifikats wären nach zwölf Monaten steuerfrei.
Fazit :Die Vola-Zertifikate, die aktuell auf dem deutschen Markt angeboten werden, sind nur zweite Wahl. Warten Sie auf ein echtes Index-Zertifikat, oder nutzen Sie die indirekten Investitionsmöglichkeiten, die im folgenden Kapitel beschrieben werden.

Implizite Volatilität: wichtiges Kriterium bei Ihrer Optionsschein- und Zertifikate-Auswahl

Die implizite Volatilität, also die erwartete Schwankungsstärke, beeinflusst nicht nur die Zertifikate, die sich direkt oder indirekt auf den VDAX beziehen. Viele Optionsscheine und Zertifikate sind von der Volatilität abhängig. Denn: Die erwartete Schwankungsstärke beeinflusst maßgeblich die Preisfeststellung.
So hängt die Kursentwicklung eines Optionsscheins nicht nur von der Entwicklung des Basiswerts ab. Der Kurs eines Kauf-Optionsscheins (Call) auf BASF kann sich zum Beispiel deutlich verändern, obwohl sich die BASF-Aktie um keinen einzigen Cent bewegt.
Kurs beeinflussende Größen sind auch das Zinsniveau, die Dividendenausschüttung und vor allem: Die erwartete Schwankungsstärke.
Das ist aus Sicht der Emissionsbanken auch verständlich: Wenn der VDAX extrem hohe Schwankungen signalisiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Basiswert (zum Beispiel die BASF-Aktie) deutlich steigt oder fällt.Für die Emissionsbank könnten sich ungünstige Szenarien ergeben. Daher wird durch eine bestimmte Formel der Preis eines Optionsscheins nach oben gehebelt, wenn die Volatilität ansteigt.Der Einstieg in den Optionsschein wird für den Anleger teurer. Die Banken kassieren eine Art „Risikoprämie“.
Umgekehrt ist das Risikoprofil bei einem Discount-Zertifikat. Wenn die Volatilität steigt und es an der Börse richtig stürmisch wird, können Ihnen die Banken bei den Discount-Zertifikaten höhere Rabatte und einen größeren maximalen Ertrag anbieten.Der Grund: In den Discount-Zertifikaten versteckt sich eine Option, die wiederum von der Volatilität abhängig ist. Die Faustformel lautet: Je stärker die erwarteten Börsenschwankungen, desto besser die Konditionen für Discount-Zertifikate.

20. August 2012

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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