Einstiegschance: Chinas Interesse am deutschen Mittelstand

Erneut sorgten heute Nachrichten aus China für schlechte Börsenstimmung, die bis in den Nachmittag hinein andauerte. Der offizielle Einkaufsmanagerindex der chinesischen Industrie sank im Januar überraschend stark auf 49,4 Punkte – Werte unterhalb der sogenannten Expansionsschwelle von 50 Zählern weisen auf einen Rückgang der Industrieproduktion hin.

Auch der Index der Mediengruppe Caixin, der als weiterer wichtiger Konjunkturindikator vor allem die Privatwirtschaft sowie kleine und mittlere Unternehmen berücksichtigt, zeigt ein Schrumpfen an. Er liegt aber immerhin mit nun 48,4 Punkten höher als im Vormonat.

Auf der anderen Seite gibt es heute aber auch Nachrichten, die die besondere Stärke Chinas unterstreichen. Laut einer Studie des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young (EY) stehen deutsche Unternehmen auf dem Einkaufszettel chinesischer Investoren weiterhin ganz oben. Im vergangenen Jahr kauften Chinesen 36 deutsche Unternehmen und damit genauso viele wie 2014.

Deutscher Mittelstand bleibt im Fokus

Zudem teilte EY mit, dass die Investoren aus dem Reich der Mitte in keinem anderen EU-Staat so stark investieren wie in Deutschland. Zwei der populärsten Übernahmen waren die Hamburger Privatbank Hauck & Aufhäuser für rund 200 Mio. Euro sowie der Münchner Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Mio. Euro.

Nach Angaben der EY-Expertin Yi Sun werde das Interesse der Asiaten an deutschen „Hidden Champions“ – Weltmarktführer in Nischenmärkten, die einer breiteren Öffentlichkeit eher unbekannt sind – weiterhin hoch bleiben. „Deutsche Industrie- und Technologieunternehmen genießen in China höchsten Respekt.“

Auf der anderen Seite sei die Begeisterung jedoch noch nicht so ausgeprägt. Die Bereitschaft im deutschen Mittelstand, ausländische Investoren mit ins Boot zu holen, sei eher gering. Doch Yi Sun ist optimistisch: „Positive Erfahrungen mit Geschäftspartnern aus Fernost sprechen sich schnell herum. Daher werden wir ganz sicher künftig mehr Transaktionen in diesem Bereich sehen.“

Ausländische Investoren übernehmen 652 Unternehmen

Mittlerweile gehört China zu den größten Investoren in Deutschland. Spitzenreiter sind die USA mit 159 Firmenübernahmen vor Großbritannien mit 77. China steht nun bereits auf Platz 5. Insgesamt bekamen laut EY im vergangenen Jahr 652 deutsche Firmen einen neuen Besitzer aus dem Ausland.

Sie sehen: Der deutsche Mittelstand ist gefragt, das gilt gerade auch für börsennotierte Unternehmen. Hier können Sie angesichts der jüngsten Kursrücksetzer so manches Schnäppchen machen – und im Übernahmefall eine satte Rendite einfahren.

1. Februar 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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