Einstiegschancen bei Norwegens Öl-Riesen?

Der Fall Hoeneß hat das Steuerthema kurz vor der deutschen Bundestagswahl ganz nach oben auf die Titelblätter gebracht.

Seit Wochen diskutieren viele Menschen darüber, ob eine Selbstanzeige künftig strafbefreiend sein soll oder ob Hoeneß nach seiner Selbstanzeige noch Präsident des FC Bayern München sein kann.

Während sich die hiesige Steuerdiskussion auf dem Boulevard abspielt, ist man in Norwegen schon weiter. Diese Steuerdiskussion ist für Anleger die eigentlich viel interessantere.

Norwegen macht für Ölkonzerne ernst

Anders als in Deutschland geht es in Norwegen nicht um einen Einzelfall und auch nicht um nur ein paar Millionen. In Norwegen geht es um Milliarden.

In Norwegen spricht man nicht über einen erfolgreichen und streitbaren Fußball-Manager, sondern um die Schlüsselindustrie des Landes. Vor kurzem hat der norwegische Ministerpräsident angekündigt, Ölkonzerne künftig stärker besteuern zu wollen.

Das Ziel sei es, andere Industrien in Norwegen attraktiver zu machen. Dazu soll künftig Steuern gesenkt werden – nur die Ölindustrie ist von den Steuersenkungen ausgenommen.

Im Gegenteil wird die ohnehin schon bestehende Sondersteuer auf Ölgewinne von 50 auf 51 % erhöht.

Höhere Steuern so gut wie beschlossen

Für den norwegischen Ölkonzern Statoil kommt dieser Vorschlag zu Unzeit. Die letzten Zahlen sind schon nicht so gut ausgefallen.

Der Grund lag zwar in erster Linie in dem vor einigen Monaten blutig beendeten Terroranschlag auf ein Gasfeld in Algerien, doch erlitt die Statoil-Aktie an der Börse einen Dämpfer. Jetzt kommen auch noch die Steuerpläne hinzu.

Wir als Investoren müssen in so einer Situation einen kühlen Kopf bewahren und nachdenken. Schließlich können Kursverluste auch wunderbare Einstiegschancen sein.

Dass der Gesetzesvorschlag des norwegischen Regierungschefs nicht durchkommt, ist unwahrscheinlich.

Es ist also nicht damit zu rechnen, dass die Kurse schon bald wieder steigen und alles nur ein böser Traum für Investoren in norwegische Öl-Unternehmen war.

Der Teufel steckt im Detail

Andererseits ist nach den jüngsten Kursverlusten das Schlimmste höchstwahrscheinlich bereits eingepreist, da Investoren damit rechnen konnten, dass Ölkonzerne in Norwegen künftig stärker besteuert werden.

Anleger müssen sich vor Augen führen, ob Steuern die Rentabilität eines Unternehmens wirklich schmälern können.

Bei manchen knapp kalkulierten Öl-Projekten könnte dies durchaus möglich sein. Doch sieht dies auch beispielsweise bei Statoil so aus?

Die Antwort kann nur ein Blick in das Zahlenwerk des Unternehmens sowie eine Analyse der bisherigen Projekte geben.

Da Statoil weltweit agiert, dürften die rein norwegischen Steuerpläne auch nicht uneingeschränkt alle Geschäfte des Ölriesen betreffen. Anleger tun gut daran, die Situation nüchtern zu analysieren.

16. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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