Elektroautos sind kaum gefragt

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Trotz staatlicher Förderung und drohender Fahrverbote kaufen die Deutschen kaum neue Autos mit alternativen Antrieben. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Laut Kraftfahrtbundesamt wurden im April insgesamt 310.715 neue Pkws zugelassen, doch nur 4.768 davon waren reine Stromer.

Spitzenreiter war der ZOE von Renault mit 939 Stück, gefolgt vom Model 3 von Tesla mit 514 Fahrzeugen und dem Audi E-Tron mit 174 Fahrzeugen. Von VW wurden 643 Elektroautos zugelassen, rechnet man alle Modelle zusammen. Besser sieht es bei den Hybrid-Fahrzeugen aus, von denen 16.814 zugelassen wurden.

Trotz staatlicher Förderung und drohender Fahrverbote kaufen die Deutschen kaum neue Autos mit alternativen Antrieben. Der Marktanteil von Elektroautos und Hybriden liegt gerade mal bei 7%. Gründe für die Kaufzurückhaltung sind nach wie vor die zu geringen Reichweiten, lange Ladezeiten, die unzureichende Ladeinfrastruktur sowie hohe Preise. Dennoch müssen die Autokonzerne die Produktion von Elektrofahrzeugen forcieren, um die strengen CO2-Vorgaben der EU-Kommission für die gesamte Fahrzeugflotte zu erfüllen.

Andernfalls drohen Geldstrafen in Milliardenhöhe. Den Kunden ist das aber egal. Sie gehen zwar davon aus, dass die Bedeutung der E-Mobilität in den kommenden Jahren zunehmen wird, sind aber selbst nicht bereit, in absehbarer Zeit ein elektrifiziertes Fahrzeug zu kaufen.

Ähnlich sieht es bei autonom fahrenden Autos aus. Nur 28% der Deutschen haben Vertrauen in die Technologie und würden ein solches Auto kaufen.

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Handelsstreit belastet zusätzlich

Aber nicht nur die schwache Nachfrage nach Elektroautos macht der Branche zu schaffen. Hinzu kommen der neue Abgastest WLTP und deutlich weniger Dieselverkäufe. Ein weiterer Belastungsfaktor ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. Sollte die chinesische Regierung die Sonderzölle für Autos wiederaufleben lassen, träfe das Hersteller wie Daimler und BMW besonders hart. Beide Konzerne produzieren in den USA und exportieren die Autos dann nach China. Die US-Regierung droht aber auch den Europäern, Autoimporte mit höheren Zöllen zu belegen.

Einen Favoriten gibt es nicht

Die meisten Autokonzerne haben schon im vergangenen Jahr schlecht abgeschnitten. Aber auch die Ergebnisse des 1. Quartals respektive des 4. Quartals, soweit es die Japaner betrifft, sind überwiegend schwach ausgefallen. Mehr umgesetzt haben nur VW und Tesla sowie Honda und Toyota. Mehr verdient hat aber nur General Motors aufgrund von Sondereffekten. Tesla hat seinen Verlust zumindest etwas verringert.

Aufgrund der großen Herausforderungen fielen die Prognosen auf breiter Front ebenfalls nicht gerade rosig aus. Die Milliarden-Investitionen in E-Mobilität, Digitalisierung, autonomes Fahren oder Carsharing-Modelle drücken auf die Margen. Und dabei ist überhaupt noch nicht sicher, ob die Kunden die vielen geplanten Elektromodelle überhaupt kaufen und die neuen Mobilitätsdienste in Anspruch nehmen werden.

Zudem verursachen die Handelsstreitigkeiten Kosten, die nicht vollständig über Preiserhöhungen und Effizienzsteigerungen kompensiert werden können. Obendrein müssen Konzerne wie BMW und VW hohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten bilden.

Vor diesem Hintergrund sehe ich noch keinen Branchenfavoriten. Keine der hier besprochenen Autoaktien hat ihren Vergleichsindex auf Jahressicht geschlagen. Und für eine nachhaltige Trendwende gibt es keine Anzeichen. Aktuell sind Autokonzerne allenfalls wegen der attraktiven Dividendenrenditen interessant. Die Fiat- Aktionäre erhielten am 30. Mai sogar eine Sonderdividende in Höhe von 1,30 € pro Aktie. Sie werden damit an den 5,8 Mrd. € beteiligt, die der Verkauf der Tochter Magneti Marelli in die Kasse spülte.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.