Übernahmehammer: Eli Lilly schluckt Krebsspezialisten Loxo Oncology

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Eli Lilly legt milliardenschwere Übernahmeofferte für Krebsspezialisten auf den Tisch. Der Pharmariese hat neue Medikamente im Visier. (Foto: Alfred Sonsalla / Shutterstock.com)

Kaum hat das Börsenjahr angefangen, nimmt das Übernahmekarussell bereits ordentlich an Fahrt auf. Erst vor wenigen Tagen berichtete ich Ihnen über die 74 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers Squibb. Jetzt folgt gleich der nächste Paukenschlag. Auch der US-Konzern Eli Lilly verstärkt sich im Krebsgeschäft und legt eine Übernahmeofferte für den Bayer-Partner Loxo Oncology für 8 Milliarden Dollar auf den Tisch.

Sattes Premium von 68%

Dabei lässt sich Eli Lilly den Krebsspezialisten einiges kosten. Immerhin ist der Pharmariese bereit, 8 Milliarden Dollar in bar zu zahlen. Das entspricht einem Preis von 235 Dollar je Aktie und zugleich einem Aufpreis von 68% auf den Schlusskurs vor der Übernahmeofferte. Nach Bekanntgabe des Übernahmeangebots schnellte der Loxo Oncology-Kurs um 65% in die Höhe.

Loxo Oncology mit der ersten Zulassung in den USA

Loxo ist auf Medikamente gegen Krebs spezialisiert und arbeitet auf dem Gebiet mit dem deutschen Pharmariesen Bayer zusammen. Dabei fokussiert sich Loxo Oncology auf die Bekämpfung bestimmter Krebsarten, die auf Genmutationen zurückzuführen sind. Das erste Produkt aus der Kooperation, Vitrakvi, hatte im November vergangenen Jahres in den USA die Zulassung erhalten.

Experten rechnen damit, dass das Präparat einen Blockbuster-Status erreichen könnte, also Spitzenumsätze von über einer Milliarde Dollar einspielen könnte. Insgesamt hat der Konzern drei weitere Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung. Zwei befinden sich in der Phase 1 und eins in der Phase 2 im Entwicklungsprozess.

Größter Zukauf von Eli Lilly im Krebsbereich

Bei Loxo Oncology handelt es sich um den größten Zukauf, den Eli Lilly bislang im schnell wachsenden  Markt für Krebsmedikamente getätigt hat. Erst im Mai 2018 schluckte der Konzern Armo Biosciences für 1,6 Milliarden Dollar. Mit dem Erwerb des Bayer-Partners stärkt Eli Lilly das Produktportfolio mit Wirkstoffen, die im Kampf gegen Krebs das Immunsystem unterstützen.

Die Übernahme von Loxo will Eli Lilly aus vorhandener Liquidität und neuen Schulden finanzieren. Zugleich soll die Transaktion keine Auswirkungen auf die Dividendenpolitik haben. Lediglich die avisierten Aktienrückkäufe werden im ersten Halbjahr 2019 auf 3,5 Milliarden Dollar limitiert.

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Bislang tief in der Verlustzone

Dabei ist der Kauf von Loxo auch eine Wette auf die Zukunft. Im zurückliegenden Geschäftsjahr verharrte der Konzern tief in der Verlustzone (-148 Millionen Dollar). Den einzigen bedeutenden Umsatz hat das Unternehmen bislang aus seiner Kooperation mit Bayer erhalten. Neben 400 Millionen Euro zu Beginn können nochmals 450 Millionen Euro fließen, wenn Meilensteine bei den Zulassungen und vereinbarte Vertriebsziele erreicht werden. Für Lilly soll sich die Übernahme auf Cash-Basis ab 2022 positiv bemerkbar machen.

Eli Lilly bestätigt Jahresprognose

Erst im vergangenen Monat hatte der Pharmagigant seine langfristige Wachstumsprognose leicht nach oben revidiert. Ursprünglich war für den Zeitraum von 2015 bis 2020 ein Umsatzwachstum von 5% angepeilt worden. Jetzt sollen es mindestens 6% werden. Auch bei den Gewinnen peilt der Konzern einen deutlichen Zuwachs an. So soll das bereinigte Ergebnis je Aktie in 2019 auf 5,9 bis 6 Dollar ansteigen. Für 2018 strebt das Unternehmen einen Gewinn von 5,55 bis 5,6 Dollar je Anteilsschein an.

Warum gerade in der Pharmabranche die Übernahmeparty läuft

Vielleicht fragen Sie sich, warum wir eigentlich ausgerechnet im Pharmasektor momentan so zahlreiche Übernahmen sehen. Ganz einfach: Zum einen haben viele große Unternehmen das Problem, dass sie in ihren eigenen Labors nicht mehr genug eigene neue Medikamente entwickeln. Viele eigene Patente laufen ab – daher müssen sich die großen Konzerne neuen Produkte extern einkaufen.

Zum anderen sind die Kassen in der Pharmabranche derzeit gut gefüllt. Dies liegt unter anderem an der US-Steuerreform, die viele Konzerne veranlasst hat, ihre im Ausland geparkten Cash-Reserven ohne große Verluste in die USA zurückzuholen. Zu guter Letzt haben die Firmen auf Grund der gesenkten Unternehmenssteuern im letzten Jahr extrem gut verdient. Das Geld steht jetzt für Zukäufe bereit.

Dabei gilt vor allem der Markt für Krebsmedikamente als aussichtsreiche. Analysten taxieren das Marktvolumen dort auf über 120 Milliarden Dollar. Sie können also sicher sein, dass dies nicht der letzte Megadeal im Pharmasektor gewesen ist.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.