ElringKlinger schockt mit Gewinnwarnung

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

Die Aktie des Autozulieferers ElringKlinger ist nach einer Gewinnwarnung abgestürzt. Skurril ist dabei vor allem die Begründung. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die negativen Meldungen beim Autozulieferer ElringKlinger reißen nicht ab: Wegen unerwartet hoher Kosten für Sonderfertigungen in Nordamerika und infolge gestiegener Rohstoffpreise für Stahl, Aluminium und dem Kunststoff Polyamid muss das im SDAX gelistete Unternehmen seine Gewinnerwartungen kürzen. Anstelle einer Umsatzrendite vor Steuern, Zinsen und Kaufpreisallokationen von 9 % werde wohl nur noch 7 % erreicht.

Nicht das erste Mal

Die Umsatzerwartung für 2018, nach der das Wachstum der globalen Automobilproduktion von 2 % bis 3 % um zwei bis vier Prozentpunkte übertroffen werden soll, will das Unternehmen indes erreichen.

Schon mit den Zahlen zum ersten Quartal hatte der Spezialist für Hitzeschilde und Dichtungen auf Risiken wegen höherer Stahlpreise und Sonderkosten in Nordamerika verwiesen. Nun zieht der Vorstand auf Basis der internen Absatz- und Ertragskennzahlen für April und Mai die Reißleine und kappt endgültig seine Gewinnprognose.

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

Wachstumswert aus der Auto-IndustrieElringKlinger ist ein interessantes Unternehmen. Der Autozulieferer hat in der Vergangenheit vieles richtig gemacht. Hält die Entwicklung an? › mehr lesen

Skurrile Begründung

Dass bei ElringKlinger die hohe Nachfrage in Nordamerika als Grund für die Gewinnwarnung angeführt wird, mag auf den ersten Blick skurril klingen. Üblicherweise werden eher Nachfragerückgänge als Begründung für Gewinnwarnungen herangezogen. Doch um die stark nachgefragte Teile überhaupt liefern zu können, muss ElringKlinger übertarifliche Sonderschichten fahren und teure zusätzliche Frachten in Kauf nehmen. Selten zuvor wurden Managementprobleme und Planungsdefizite weniger verklausuliert.

Bislang haben die Maßnahmen nicht gegriffen

Dabei hat ElringKlinger bereits im letzten Jahr mitgeteilt, die notwendigen Voraussetzungen für Kapazitätserweiterungen schaffen zu wolle und, die Probleme in Nordamerika ein für alle Mal in den Griff zu bekommen. Damals hat man angeführt, die Rohstoffpreisentwicklung mit Hilfe einer „konsequenten Lieferantenauswahl sowie einer ausgewogenen Laufzeitstruktur“ beherrschbar zu machen. Die erhoffte Wirkung lässt ganz offensichtlich auf sich warten.

Dass die Aktie von ElringKlinger ihre Talfahrt nach der Meldung fortsetzte, war absehbar. Reihenweise wurde die Aktie von Analysten heruntergestuft. Inzwischen notieren die Papiere auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzmarktkrise 2009. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit über die Folgen des Handelsstreits mit den USA brauchen Anleger nicht auf eine rasche Erholung zu spekulieren.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.