Emmanuel Macron: Der Wolf im Schafspelz

Emmanuel Macron findet warme Worte und handelt knallhart. Nicht nur in Frankreich will er seine umstrittenen Pläne umsetzen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der linksliberale Politik-Shooting-Star Emmanuel Macron hat es am vergangenen Wochenende geschafft:

Er hat die Stichwahl gegen seine Konkurrentin Marine Le Pen vom Front National haushoch gewonnen und ist Frankreichs neuer Präsident.

Der soziale und wirtschaftliche Umbau Frankreichs

Nun will Macron die verkrusteten Strukturen der französischen Wirtschaft aufbrechen.

Den Sozialstaat vor den Unbillen der Globalisierung schützen und Frankreich einer Transformation, sprich einem vollständigen und radikalen Umbau, unterziehen.

Wie Sie inzwischen wissen, steht noch mehr auf der Agenda des 39-jährigen Ex-Rothschild-Bankers:

Die unterschiedlichen Renten-Systeme sollen angeglichen werden und eine Liberalisierung des Arbeitsrechts kommen.

50 Milliarden Euro öffentliche Gelder sollen in den kommenden fünf Jahren investiert und 60 Milliarden Euro eingespart werden, um u.a. den Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt zu senken.

Jobsuchende dürfen sich warm anziehen

Die Arbeitslosen werden allerdings nicht mehr viel zu lachen haben.

Denn geht es nach Macron dürfen Jobsuchende künftig ein ihren Qualifikationen entsprechendes Angebot nur einmal ablehnen. Spätestens das zweite müssen sie annehmen.

Bedenken Sie: Diese Pläne werden gerade im streikfreudigen Frankreich nicht leicht umzusetzen sein.

Massive Kritik am politischen Kurs

Der Kurs des neuen Bonaparte ist höchst umstritten.

Beispielsweise meint Jérôme Sainte-Marie, Chef des Meinungsforschungs- und Beratungsunternehmens PollingVox, dass Macrons klar liberale und pro-europäische Linie angesichts der diesbezüglichen Skepsis vieler Franzosen auch Risiken berge.

Selbst wenn ihn andere als Retter der EU feiern.

Euphorische Bundesregierung

Die Bundesregierung macht drei Kreuze. Und das aus ureigenstem Grund: Sie will zusammen mit den Franzosen die EU und die Eurozone lenken. Mit Marine Le Pen, Macrons Konkurrentin vom Front National, wäre dies unmöglich gewesen.

Deshalb haben nun auch Merkel & Co. wieder Oberwasser, feiern euphorisch den Sieg des französischen Kennedy oder Bonaparte, wie Macron bereits in der Presse bezeichnet wird.

Tatsächlich könnte sich nun die Geldpolitik in Europa dramatisch ändern. Nachfolgend sagen wir Ihnen, wie.

Wird sich die EZB-Politik durch Macrons Wahlsieg ändern?

Schon im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl signalisierten Aktien- und Anleihenkäufer: Sollte Macron in den Élysée-Palast einziehen, würden die politischen Risiken der Eurozone kräftig schrumpfen.

Damit wäre der Weg frei, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu normalisieren – und das schon im Juni.

Was das heißt scheint jedoch noch nicht ganz klar zu sein. Vielleicht drosselt die EZB ihre Anleihekäufe. Oder aber die Zinsen werden steigen.

Wird die EZB von den Negativzinsen abrücken?

Doch mit Macron Sieg werden sich wohl die Personalien innerhalb der Europäischen Zentralbank verändern.

Denn Mario Draghis Nachfolger als Präsident der EZB, der 2019 abtritt, dürfte höchstwahrscheinlich ein Franzose werden.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.