Emmanuel Macrons umstrittene Pläne

Durch Macrons Wahlsieg könnte sich nun auch die EZB-Politik ändern. Aber ziehen die Deutschen und Franzosen tatsächlich am selben Strang? (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Emmanuel Macron ist der neue französische Staatschef. Er will das Land komplett verändern, sprich transformieren.

Also einem vollständigen und radikalen Umbau unterziehen.

Dazu will der ehemalige Investment- und Rothschild-Banker die unterschiedlichen Renten-Systeme angleichen, das Arbeitsrecht liberalisieren, 50 Milliarden Euro öffentliche Gelder investieren und 60 Milliarden Euro einsparen.

Emmanuel Macrons umstrittene Pläne

Macrons Pläne sind höchst umstritten und könnten das Land noch weiter spalten.

Auch die europäische Geldpolitik könnte sich drastisch ändern. So steht in Aussicht, dass sich die Geldpolitik der EZB normalisieren könnte, sie ihre Anleihekäufe drosselt und die Zinsen steigen.

2019 tritt der jetzige EZB-Präsident Mario Draghis ab. Sein Nachfolger dürfte höchstwahrscheinlich ein Franzose werden.

Änderung der EZB-Geldpolitik?

Und wissen Sie wer das sein soll? Wir verraten es Ihnen: François Villeroy de Galhau, der Chef der Zentralbank von Frankreich. Das ist längst ein offenes Geheimnis, wurde doch bereits schon vor der Wahl darüber spekuliert.

De Galhau lehnt Negativzinsen ab, weil sie den französischen Banken – natürlich nicht nur denen – schaden.

Damit bläst er ins selbe Horn wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Bekanntlich sprach dieser sich beim Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington ebenfalls für eine Zinssteigerung aus.

Die Bundesregierung favorisiert einen Franzosen als EZB-Nachfolger

Natürlich aus gutem Grund. Sie wissen, dass im September 2017 die Bundestagswahlen anstehen.

Da die extrem niedrigen Zinsen nicht nur die EZB, sondern auch den Euro bei den Sparern und Bürger unbeliebt gemacht haben, muss nun rechtzeitig gegengelenkt werden.

Ein Versprechen von der Abkehr von Negativzinsen könnte sich, so wird hinter den Kulissen prognostiziert, positiv für die CDU an den Wahlurnen auswirken.

Das ist der einzige Grund. Denn vorher juckte es – salopp gesagt – Merkel & Co. überhaupt nicht, dass die Sparer aufgrund des Zinsdebakels (Mini-, Null- und dann Negativzinsen) hunderte Milliarden Euro verloren haben.

Ein erster Affront zwischen Berlin und Paris?

Doch zurück zu den Franzosen: Selbst wenn diese in punkto Negativzinsen die gleiche Meinung vertreten wie die Deutschen, sieht das bei den monatlichen Wertpapierkäufe der EZB anders aus.

Während die Bundesregierung solche bis zum Ablauf der Frist am 1. Januar 2018 vollends beenden will, wollen die Franzosen sie bis zu den Wahlen in Italien im nächsten Frühjahr weiterlaufen lassen.

Doch sehr wahrscheinlich wird sich die französische Haltung durchsetzen. Das dürfte vielleicht schon zum ersten Affront zwischen Berlin und Paris führen.

Macron betonte schon vor seinem Wahlsieg, das die Drähte zur Bundeskanzlerin sehr herzlich seien. Und auch zu Martin Schulz, dem SPD-Kanzlerkandidaten, würde er sehr gute Beziehungen unterhalten.

Doch sein Kalkül ist alles andere als weichherzig. Es ist knallhart.

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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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