Ende des Bitcoin-Booms belastet Nvidia

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Das Platzen der Krypto-Blase fordert ein weiteres Opfer: Diesmal hat es den größten Grafikkartenhersteller der Welt erwischt: Nvidia (Foto: michelmond / shutterstock.com)

Eigentlich wäre es nur fair, die Abkürzung FANGA, die für die Internet-Giganten Facebook, Amazon, Netflix, Google und Amazon steht, um ein weiteres „N“ zu FANGAN zu verlängern. Das zweite „N“ würde dann der Grafikchipproduzenten Nvidia erhalten, dessen Aktienkurs sich – im Einklang mit den FANGA-Werten – zwischen Oktober 2008 und 2018 verfünfzigfacht hat.

Trotz dieser steilen Aktienkursentwicklung ist das US-amerikanische Technologieunternehmen nur wenigen Menschen ein Begriff´, bevorzugt den Computerspielern unter Ihnen. Denn Nvidia entwickelt Grafikprozessoren für den Computerspielemarkt und professionelle „System on a Chip“-Units, mit dem Gamer auf ihrem Smartphone spielen können

Erfolgsgeschichte wie gemalt

Mit einem Startkapital von gerade einmal 40.000 US-Dollar Anfang der 1990er-Jahre gegründet, ist Nvidia damit auf gleich zwei Mega-Wellen gesurft: Der Mobilfunk-Welle und der Gaming-Welle, und hat für beide Paradigmenwechsel die richtigen Produkte zur richtigen Zeit angeboten. Dementsprechend dynamisch verlief denn auch die Umsatz- und Ertragsentwicklung: Allein in den vergangenen fünf Jahren konnten die Erlöse auf 9,7 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppelt werden, das operative Ergebnis hat sich auf 3,2 Mrd. US-Dollar mehr als versechsfacht.

Ursächlich hierfür war nicht zuletzt eine dritte Mega-Welle, für die Nvidia ebenfalls die passenden Produkte gefunden hat: Der Boom der Kryptowährungen, allen voran der Bitcoins. Denn auch für das Schürfen – im Fachenglisch „Minen“ genannt – Bitcoins kommen moderne Grafikchips zum Einsatz. Die das kalifornische Unternehmen auch stets liefern konnte.

Opfer der Krypto-Krise

Allerdings hat man die Nachfrage nach Bitcoin-Grafikchips überschätzt. Dies lies das kalifornische Unternehmen am vergangenen Freitag die Anleger wissen. Nun sitzt Nvidia auf hohen Lagerbeständen der entsprechenden Halbleiter, die sich nur langsam abbauen lassen. Der Koreaner Jen-Hsun Huang, einer der drei Gründer des Unternehmens und seit 1993 durchgehend an der Spitze des Konzerns, erklärte sichtlich bedrückt, dass er die Dauer der Krypto-Krise falsch eingeschätzt habe.

Mit gravierenden Folgen: Während für das abgelaufene dritte Quartal noch einen 21 %iger Umsatzanstieg bei sattem Gewinnplus berichtet wurde, wird nun für das vierte Quartal ein Umsatzrückgang auf 2,7 Mrd. US-Dollar von 2,9 Mrd. US-Dollar im vergleichbaren Vorjahresquartal in Aussicht gestellt – mehr als eine halbe Milliarde Dollar unterhalb der durchschnittlichen Analystenschätzung.

Aktie schon länger unter Druck

Die Aktie des Grafikkartenherstellers stürzte daraufhin am Freitag um fast 19 % auf 164 US-Dollar ab. Zu seinen besten Zeiten – gerade einmal vier Wochen ist es her – notierte die Aktie um fast 75 % höher. Für eine Stabilisierung des Aktienkurses gibt es derzeit aber keine Anzeichen. Die meisten Analysten sind der Meinung, dass es einige Quartale dauern könnte, bis der Markt wieder Vertrauen in den Wachstumspfad des Unternehmens fassen wird. Zumal die Aktie auf Basis der Konsensschätzungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 22 (2019e) auch nicht gerade günstig bewertet ist.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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