Ende des Booms der Biotechnologie-Aktien?

Viele Kommentatoren rufen bereits das Ende des Biotech-Booms aus.

Die Aktienkurse einiger Unternehmen gaben deshalb in den vergangenen Monaten bereits deutlich nach. Doch die Biotechnologie bleibt ein unverzichtbarer Teil der medizinischen Forschungslandschaft. Herausforderungen gibt es zuhauf.

Von der Bekämpfung multiresistenter Keime bis zur zunehmenden Verbreitung von Wohlstandskrankheiten wie beispielsweise Diabetes reichen die Anwendungsgebiete neuer Medikamente.

Aber auch Infektionskrankheiten wie Ebola oder das neuartige Zika-Virus erfordern schnelle Lösungen der Medikamentenhersteller. Bis 2018 werden die Ausgaben für Arzneimittel weltweit auf 1,8 Bio $ pro Jahr ansteigen. Für die Biotech- Branche ergeben sich daraus glänzende Zukunftsperspektiven.

Die steigende Lebenserwartung wird das Wachstum weiterhin hoch halten. In einigen Jahrzehnten werden zudem die heute noch recht jungen wohlhabenden Schichten in den Schwellenländern ebenfalls Zugang zu einer hervorragend ausgebauten Gesundheitsversorgung benötigen.

Hieraus ergibt sich weiteres Wachstumspotenzial. Somit bleibt die Biotechnologie eine Wachstumsbranche. Diesen Schluss legen auch die Geschäftszahlen der von uns beobachteten Unternehmen nahe. Es wird jetzt aber immer wichtiger, gute von schlechten Unternehmen zu unterscheiden.

Die erfolgreichen Firmen wie Branchenführer Gilead werden weiterhin hohe Gewinne erzielen, während andere Unternehmen den Anschluss verlieren. Nachdem seit Jahren die gesamte Branche an der Börse hochgejubelt wurde, dürfte sich jetzt die Spreu vom Weizen trennen.

Übernahmen prägen das Bild

Die Biotechnologie-Branche ist noch recht jung und definiert sich immer wieder neu. Folglich gehören Zusammenschlüsse zum Tagesgeschäft. Die größte Übernahme im Jahr 2015 schulterte Celgene mit dem Kauf von Receptos für 7,2 Mrd $.

Die Schweizer Gesellschaft BB Biotech hat sich auf das Feld der Beteiligungen an Biotech-Unternehmen spezialisiert und beteiligte sich ebenfalls wieder am Übernahmekarussell. Noch immer werden hohe Prämien für Fusionen gezahlt, die auch ein Treiber für höhere Aktienkurse sind.

Forschungserfolge befeuern das Wachstum

Der Biotechnologie-Sektor ist extrem forschungsintensiv. Von der Entdeckung eines neuen Wirkstoffs bis zur Marktreife vergehen zudem mehrere Jahre. Dabei besteht immer die Unsicherheit, ob ein Medikament am Ende durch die Gesundheitsbehörden zugelassen wird. Viele Unternehmen geben bis zu 20% vom Umsatz für die Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe aus.

Der deutsche Auftragsforscher MorphoSys wendet sogar mehr als 50% des Umsatzes dafür auf. Wegen der hohen Ausgaben verzichten die meisten Unternehmen auf die Auszahlung einer Dividende.

Lediglich die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech und der auch in der Chemiebranche tätige Spezialist Lonza schütteten bisher Geld an die Aktionäre aus. 2015 wurde jedoch erstmals auch von Gilead und damit einem reinen Biotech-Unternehmen eine Dividende gezahlt.

Das größte Unternehmen der Branche geht damit einen weiteren Schritt hin zu einem reifen Unternehmen.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass sich die Branche insgesamt verändert und die etablierten Firmen immer planbarere Geschäftsverläufe aufweisen. Für Investoren ist das ein gutes Zeichen.

9. März 2016

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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