Ende gut – alles gut: Creat schließt Biotest-Übernahme ab

Creat bringt die Biotest-Übernahme unter Dach und Fach. Gewonnen haben am Ende alle. (Foto: Romaset / shutterstock.com)

Die Übernahme des Pharma- und Biotherapeutika-Unternehmens Biotest ist endlich unter Dach und Fach. Gestern Abend teilte der Übernahme-Kandidat mit, dass die letzte noch bestehende Bedingung für das Übernahme-Angebot von Creat erfüllt wurde.

Creat hält jetzt ca. 90% der stimmberechtigten Biotest-Stammaktien und Aktionäre die das Übernahme-Angebot angenommen haben, erhalten unverzüglich den Kaufpreis auf ihr Konto überwiesen.

Aus sicher geglaubter Übernahme wurde Zitterpartie

Rückblick: Im Mai 2017 einigten sich Creat und Biotest auf eine Übernahme im Volumen von 1,3 Mrd. Euro inklusive Schulden.

Da der größte Biotest-Einzelaktionär, die Eigentümerfamilie Schleussner, ihren 51% Anteil an stimmberechtigten Aktien ebenso einbringen wollte wie der zweitgrößte stimmberechtigte Aktionär, die Kreissparkasse Bieberach (15%), war das Erreichen der Mindestannahme-Schwelle von 75% fast nur Formsache.

Kurz vor Ende der Annahmefrist war dann auch die 75%-Grenze gefallen und die beiden Parteien konnten weiter an dem Übernahme-Abschluss feilen.

Alles sah zunächst nach einer reibungslosen Transaktion aus, bis sich die CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States), ein Ausschuss der sich bei Übernahmen mit Sicherheitsfragen und US-Interessen beschäftigt, einschaltete und das deutsche Pharma-Unternehmen darüber informierte, dass sie Sicherheitsbedenken bei der Übernahme durch Creat hat.

Creat verkauft US-Geschäft und bringt Biotest-Übernahme über die Ziellinie

Die CFIUS musste dem Deal zustimmen, da Biotest seit 10 Jahren in Florida ein Tochterunternehmen unterhält und Plasma-Zentren in verschiedenen US-Bundesstaaten betreibt. Ohne das OK der CFIUS konnte der Deal nicht abgeschlossen werden, sodass sich die beiden Parteien eine Lösung einfallen lassen mussten.

Für die Übernahme-Freigabe musste sich Creat letztendlich dazu verpflichten, dass komplette US-Geschäft von Biotest zu verkaufen. Mit rund 20% Umsatzbeitrag ist die Wichtigkeit des US-Geschäfts alles andere als unwesentlich.

Die Biotest-Ertragskraft – und somit der Wert für den Käufer – verringerte sich also deutlich, war für Creat allerdings offenbar kein Grund war, um den Deal abzublasen.

Stammaktionäre des Übernahme-Kandidaten erhalten 43% Prämie

Nun heißt es: Ende gut, alles gut. Anleger, die das Übernahme-Angebot in Höhe von 28,50 Euro je Anteilsschein annahmen, bekommen jetzt ihr Geld. Die Offerte enthält eine hohe Prämie von 43% auf den Preis vor Bekanntwerden der Übernahme-Pläne.

Anleger, die die im SDAX gelistete, liquidere Biotest-Vorzugsaktie besaßen, und das  Übernahme-Angebot annahmen, erhalten 19,- Euro je Anteilsschein. Der große Preisunterschied ist dem Stimmrecht geschuldet, das zu Beginn des Übernahme-Prozesses wichtiger ist.

Vorzugsaktionäre die Übernahme-Angebot ausschlugen liegen weit im Plus und können auf weitere Gewinne hoffen

Inzwischen zeigt sich, dass auch die Aktionäre von dem Deal profitiert haben, die das Angebot für die Vorzugsaktie ausgeschlagen haben. Der Anteilsschein wechselt heute zu Kursen oberhalb von 25,40 Euro den Besitzer.

Dass sich die Kurslücke zum Angebotspreis für die Stammaktie schließt ist dabei nicht sehr verwunderlich. Immerhin spiegelt die Vorzugsaktie den gleichen Unternehmensanteil wider, wie die Stammaktie.

Gerichte haben bei zurückliegenden Deals am Ende des Übernahme-Prozesses geurteilt, dass der Wert der Vorzugsaktie nicht zu weit weg vom Wert der Stammaktie liegen darf und häufig eine Nachbesserung gefordert. Oft wurde sogar geurteilt, dass für beide Gattungen der gleiche Preis gezahlt werden muss.

Wer also an der Investition festhielt, wurde für sein Durchhaltevermögen belohnt und kann unter Umständen am Ende des Übernahme-Prozess damit rechnen, dass es noch mehr wird. Denn die Stammaktie notiert heute bei 29,40 Euro und damit immer noch gut 15% über dem Kurs der Vorzugsaktie.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.