Energieversorger Eon: Vom Regen in die Traufe

Die Eon-Aktie hat die Talfahrt vom Sommer beendet und scheint in eine Erholung eingetreten zu sein. Trotzdem melden sich Pessimisten zu Wort. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Es sind schwierige Zeiten für die Besitzer der Eon-Aktie, denn an dem großen deutschen Energieversorger scheiden sich momentan die Geister. Auf der einen Seite konnte das Papier in den letzten Monaten gut zulegen. Den Tiefstand vom August des vergangenen Jahres hat die Eon-Aktie mittlerweile verkraftet und die Hoffnung auf eine Verbessrung der politischen Situation sowie der Preisentwicklung auf dem Strommarkt stimmten die Investoren optimistisch.

Doch die Hoffnung allein reicht nicht für einen dauerhaften Aufwärtstrend, das zumindest ist die Ansicht einiger Analysten namhafter Finanzhäuser. So meldete sich heute einer der Experten von Kepler Cheuvreux zu Wort, dem im Sommer fusionierten, europaweit führenden Wertpapierbroker.

Finanzexperten geben sich pessimistisch im Hinblick auf die Eon-Aktie

Dessen Bericht zufolge sind die Hoffnungen auf eine externe Verbesserung der Lage unbegründet und nicht haltbar und auch die erwarteten positiven Gerichtsurteile zum Atomausstieg würden keine Kaufempfehlung rechtfertigen.  Kepler Cheuvreux setzt das Kursziel der Eon-Aktie daher auf 11 Euro und belässt seine Wertung des Papiers auf „reduce“.

Mit dieser eher pessimistischen Einschätzung der Lage steht Kepler Cheuvreux nicht alleine da. Ins selbe Horn stößt momentan auch die französische Großbank Société Générale. Gemäß den Äußerungen eines ihrer Analysten hält das Ende der jüngsten Kursrally nur noch vermehrtes Potential zum Abstieg der Eon-Aktie bereit. Das Geldinstitut rät daher ebenfalls zum Verkauf der Anteile und gibt ein Kursziel von 10,50 Euro an.

Eon-Aktie: Geringere Schadensersatzzahlungen als erwartet

Eine der größten Hoffnungen der Anleger galten Schadensersatzzahlungen, die Eon eigentlich erwartet hatte. Hintergrund war die vorrübergehende Stilllegung einiger Anlagen nach der Katastrophe von Fukushima. Diese Stilllegungen waren im Nachhinein vom deutschen  Bundesverwaltungsgericht als rechtswidrig beurteilt worden. Die zu erwartenden Kompensationen werden aber wohl geringer ausfallen, als Investoren angenommen hatten und damit der Eon-Aktie nicht sonderlich viel Aufwind verleihen können.

Nahe Zukunft der Eon-Aktie scheint ungewiss

Trotz dieser scheinbar einhelligen Negativmeinung gibt es jedoch auch positive Stimmen unter den Börsenanalysten. Adam Dickens, ein Aktienspezialist der Großbank HSBC (Hongkong & Shanghai Banking Corporation Holdings) stufte die Eon-Aktie sowohl was Bewertung als auch Kursziel angeht ein Stück nach oben.

Als Begründung gab er an, dass der Konzern sehr stark von Geschäften außerhalb der EU profitiere. Außerdem sei die finanzielle Situation des Unternehmens äußerst flexibel und durch die große Bandbreite an Stromerzeugungsangeboten könnte Eon durch jede Form der Erholung von CO2-Zertifikat-Preisen Gewinne erzielen. Es sieht also so aus, als wenn sich Anleger bei Eon momentan entscheiden müssen, ob sie eher der pessimistischen oder der optimistischen Partei zustimmen wollen, denn das Analystenlager ist gespalten.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.