Entscheidend is‘ auf‘m Bankkonto

Rekordergebnis dank millionenschwerer Transfererlöse, doch der BVB hat auch spielerische Ziele. Sie zu erreichen dürfte indes schwer werden. (Foto: Lutsenko Oleksandr / shutterstock.com)

Seit vergangenen Freitag macht das Leben wieder einen Sinn. Zumindest für die Fußball-Fans unter Ihnen, denn da wurde die 56. Bundesliga-Saison angepfiffen.

Fans des einzigen börsennotierten deutschen Fußballvereins, des Borussia Dortmund, mussten sich jedoch bis zum Sonntagabend gedulden, bis dieser erstmals in der laufenden Saison 2018/19 einlaufen durfte. Das Spiel gegen RB Leipzig im heimischen Signal-Iduna-Park endete leistungsgerecht 4:1 für den BVB.

Die eigenen Ansprüche nicht erfüllt

In wirtschaftlicher Hinsicht blickt der BVB auf ein höchst erfolgreiches Jahr zurück. Der Verein, der vor einem Jahrzehnt kurz vor der Insolvenz stand, konnte in der vergangenen Saison die Konzernerlöse auf 536 von 406 Mio. Euro um 32,0 % steigern und das Ergebnis nach Steuern auf 28,4 von zuvor 8,2 Mio. Euro mehr als verdreifachen. Das geht aus den am vergangenen Freitag veröffentlichten Zahlen hervor, die das Präsidium auf einer Bilanzpressekonferenz veröffentlichte.

Ursächlich für diese positive Entwicklung war weniger die sportliche Leistung – der Verein beendete die letzte Saison auf einem insgesamt enttäuschenden vierten Tabellenplatz – sondern die erzielten Transfererlöse: Saldiert mit den Transferausgaben waren sie mit 108 Mio. Euro für mehr als ein Fünftel der Konzernumsätze verantwortlich. Hierbei machten sich vor allem die Verkäufe von Ousmane Dembélé an den FC Barcelona für bislang 105 Mio. Euro und von Pierre-Emerick Aubameyang an Arsenal FC für knapp 64 Mio. Euro bezahlt.

500 Mio. Euro auch ohne Transfers?

Die Schwelle einer halben Milliarde Euro: Sie will der Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA, Hans-Joachim Watzke, in wenigen Jahren auch ohne Transfererlöse erreichen. Die hierfür erforderliche Zauberformel lautet „Digitalisierung und Internationalisierung“. Was hierunter genau zu verstehen ist, blieb auf der Pressekonferenz allerdings unklar.

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Fakt ist jedoch, dass der neue Marketing- und Vertriebsvorstand Carsten Cremer im Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft McKinsey ein Konzept für die bis zum Jahr 2025 umzusetzende Wachstumsstrategie erarbeitet hat: mit der eben dieses Ziel erreicht werden soll. Und zwar ohne die eigene Fanbasis durch überbordende Ticketpreise zu vergraulen.

Dass dies nicht ganz einfach sein dürfte, zeigt ein Blick hinter die Kulissen. Denn angestiegen sind in der letzten Saison vor allem die Transfererlöse. Die übrigen Säulen des Geschäftsmodells – Einnahmen aus dem Spielbetrieb, aus der TV-Vermarktung, aus Catering und Merchandising – gingen dagegen zum Teil mit zweistelliger Raten zurück. Begründet wurde dies mit dem mangelnden sportlichen Erfolg sowie geringeren Einnahmen aus der Champions League.

Volatile Aktienkurse

Damit beißt sich die Katze in den Schwanz: Entweder Spieler zu verkaufen und die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen oder dies nicht zu tun, doch ohne spielerische Qualität dürfte es schwierig werden, am Serienmeister FC Bayern München dran zu bleiben.

Gleichzeitig drängen neue Vereine aus der vermeintlichen fußballerischen Provinz von hinten heran. Als ob das nicht schon genug wäre, droht nun auch noch der Abstieg – nein, nicht aus der Bundesliga, sondern aus dem SDAX. Denn angesichts eines Streubesitzanteils von lediglich 60 % dürfte auch die Mitgliedschaft im Kleinstwerteindex gefährdet sein. In Summe dürfte die BVB-Aktie auch in Zukunft volatil bleiben und eher für hartgesottene Fans zu empfehlen sein. Denn schließlich gilt immer noch die ewige Fußballerweisheit des langjährigen Kapitäns des BVB, Alfred Preißler: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz“.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.