Entwarnung für die Wall Street?

Nach dem kräftigen Minus am vergangenen Freitag zeigt sich die Wall Street in dieser Woche überraschend gut erholt. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die Wall Street zeigte sich im bisherigen Wochenverlauf – durchaus etwas überraschend – gut erholt: Mit den Anstiegen am Montag und Dienstag hat der S&P 500 den Tagesverlust vom Freitag (-58 Zähler bzw. -2,2%) bis auf 6 Punkte wieder aufgeholt.

Wie ist diese Entwicklung einzuordnen? Ist es an der Zeit, wieder in US-Aktien zu investieren?

Um diese Fragen zu beantworten, analysieren wir einmal gemeinsam den S&P 500. Dazu habe ich 3 Charts mit unterschiedlichen Indikatoren vorbereitet, damit Sie eine gut fundierte Einschätzung erhalten.

Los geht’s!

Tagelinien und Umsätze

Als erstes schauen wir mal auf die Entwicklung der Tagelinien und der Umsätze:

S&P 500 mit Tagelinien und Umsätzen: Noch keine Entwarnung

Die Tagelinien zeigen Ihnen die Trends für die kurz- (20 Tage), mittel- (50 Tage) und langfristige (200 Tage) Betrachtung.

Die Trends sind eindeutig: 20- und 50-Tagelinie sind klar abwärts gerichtet – daran haben auch die beiden letzten Handelstage nichts geändert. Lediglich der langfristige Trend weist derzeit nach oben.

In einem Aufwärtstrend sollten Sie an Handelstagen mit einem Plus tendenziell überdurchschnittliche Umsätze sehen. An Abwärtstagen hingegen sollte das Handelsvolumen eher unter dem Mittel liegen.

Für einen Abwärtstrend können Sie das Ganze umdrehen: An Abwärtstagen schwellen die Umsätze an und bleiben bei den Plustagen tendenziell unter den Schnitt. Ich arbeite generell mit einem 50-Tage-Durchschnitt, also einer mittelfristigen Tagelinie.

Bei den Umsätzen sehen Sie das typische Muster für Abwärtstrends: In den abwärts gerichteten Phasen schwillt das Handelsvolumen überdurchschnittlich an (rote Ringe). In den Aufwärtsphasen bleiben die Umsätze hingegen unter dem Mittel der letzten 50 Handelstage.

Bei dem extrem hohen Umsatz Mitte März handelte es sich um einen großen Verfallstag: an jedem dritten Freitag eines Monats werden Optionen fällig und abgerechnet. Im letzten Monat eines Quartals werden zusätzlich noch die Futures fällig.

Solche Verfallstage werden nahezu immer von einem überdurchschnittlichen, oftmals sogar außergewöhnlich hohen, Umsatz begleitet. Daher spielt dieser Tag in unserer Betrachtung keine Rolle.

Tagelinien und Umsätze zeigen uns mithin noch keine Entwarnung. Positiv zu werten ist lediglich der langfristige Trend in Gestalt der 200-Tagelinie.

Momentum

In der nächsten Grafik schauen wir auf das Momentum, also den Indikator für Schwung und Dynamik einer Kursbewegung:

S&P 500: Momentum – tief im Minus und abwärts gerichtet

Die blaue Vertikale macht Ihnen sichtbar, dass der S&P 500 zwar den Kursverlust vom Freitag in dieser Woche nahezu kompensiert hat. Das 50-Tage-Momentum hingegen hat sich nur sehr wenig aufwärts bewegt.

Insgesamt weist der Trend des Schwung-Indikators klar nach unten. Darüber hinaus bewegt sich er sich tief im Minusbereich: Es wird also derzeit tendenziell ein hohes negatives Momentum generiert.

Auch beim Momentum können wir keinesfalls von einer Entwarnung sprechen.

On-Balance-Volumen

Betrachten wir zum Abschluss noch das On-Balance-Volumen (OBV). Dieser Indikator zeigt Ihnen bekanntlich, ob Geld in einen Markt hinein oder aus ihm heraus fließt.

Ein steigendes OBV signalisiert Ihnen daher: Großinvestoren steigen ein. Sinkt der Indikator, verabschiedet sich das „Big Money“ tendenziell aus dem Aktienmarkt.

S&P 500: Großinvestoren verkaufen tendenziell

Die Großinvestoren haben von August 2017 bis in den Januar dieses Jahres hinein riesige Positionen aufgebaut: Das erkennen Sie an dem massiven Anstieg des On-Balance-Volumens (grüner Aufwärtstrend).

Der gelbe Kreis macht Ihnen indes auch sichtbar, dass der Aufwärtstrend des Indikators Mitte März nach unten durchbrochen wurde. Die jüngst Aufwärtsbewegung des OBV ist mithin nichts anderes, als ein typischer Pull-Back (Rücksetzer) in Richtung der alten Trendlinie.

Fazit

Auch wenn ich Ihnen gerne Erfreulicheres berichten würde:

Meine Analyse des S&P 500 aus verschiedenen Blickwinkeln zeigt Ihnen, dass für die Wall Street noch keine Entwarnung gegeben werden kann.

Bis auf den langfristigen Trend (200-Tagelinie) sind alle hier gezeigten Indikatoren negativ zu interpretieren.

Sie sollten an der Wall Street daher auch weiterhin vorsichtig agieren: Halten Sie den Investitionsgrad niedrig.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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