Epigenomics: Erst Übernahme-Aus und jetzt 2. Kursdebakel

Epigenomics-Aktionäre haben es schwer: Erst scheitert die Übernahme, jetzt folgt eine Verlust-Anzeige. Die Aktie verlor auf Monats-Sicht 40%. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Investoren der Berliner Biotech-Firma Epigenomics kommen nicht zur Ruhe; nach der geplatzten Übernahme im Juli folgt 1 Monat später die nächste Hiobsbotschaft:

Das Unternehmen musste den Investoren gestern Abend mitteilen, dass ein Verlust angefallen ist, der die Hälfte des Grundkapitals übersteigt.

Diese Verlust-Anzeige ist gesetzlich verpflichtend. Sie bedeutet, dass die finanzielle Situation des Konzerns anschlagen ist – eine deutliche Warnung an Aktionäre und Gläubiger.

Die Verlust-Anzeige bedeutet jedoch nicht, dass Epigenomics zwangsläufig illiquide wird oder dass der Aktienkurs jetzt ins Bodenlose fällt.

Spielzeug-Hersteller Zapf Creation z. B. hatte 2013 eine Verlust-Anzeige bekanntgeben – heute steht die Aktie 700% höher.

Es gibt aber auch andere Beispiele: Wer bei Solarworld oder Löwe nach der Verlust-Anzeige seine Anteile verkaufte, war gut beraten…

Trotz 50%-Prämie und Annahme-Empfehlung: Übernahme scheitert

Ein kurzer Rückblick:

Es hätte für viele Epigenomics-Aktionäre ein schöner Investitions-Abschluss werden können; ein chinesischer Bieter war bereit 50% Übernahme-Prämie auf den Aktienkurs zu zahlen.

Das Management sprach sich für den Deal aus und empfahl die Angebots-Annahme, doch nur 62% der Aktionäre zogen mit.

Offenbar hatten einige Investoren die Überlegung, dass mit dem finanzstarken Großaktionär im Rücken die Geschäfts-Perspektive deutlich besser ist.

Als Minderheits-Aktionär hätte man dann gute Chancen auf weitere Kurs-Steigerungen gehabt. Leider klappt das aber nur, wenn es davor auch wirklich einen Deal gibt.

Bei Epigenomics war Bedingung, dass mind. 75% der Aktionäre das Angebot annehmen. Da diese Hürde nicht genommen wurde, scheiterte die Übernahme.

4,20 € statt 7,52 €: Aktie verliert über 40% in 1 Monat

Nach dem Übernahme-Aus sackte die Aktie ab. Wer seine Anteile abgeben wollte, erhielt plötzlich nur noch 5,30 € je Aktie statt der 7,52 € aus dem Übernahme-Angebot.

Es sollte aber noch dicker kommen: Als gestern nachbörslich die Verlust-Anzeige bekanntgegeben wurde, fiel die Aktie Richtung 4 € und kostet am Nachmittag 4,20 €.

Innerhalb kürzester Zeit erlebten Investoren also 2 Kursdebakel, die insgesamt zu einem Rückgang von über 40% führten!

Besonders ärgerlich: Die Mehrheit der Investoren wollte die Übernahme. Für die Gier Einzelner mussten diese Investoren jetzt mitbezahlen.

Kein Automatismus: Auch im Übernahme-Geschäft entscheidet die Fall-Unterscheidung über Erfolg und Misserfolg

Die Epigenomics-Story ist sehr lehrreich.

Sie zeigt, dass es bei wackligen Übernahmen sinnvoll sein kann, auf ein paar % zu verzichten und die Aktie über die Börse zu verkaufen, bevor die Annahmefrist abgelaufen ist.

Sie zeigt auch, dass man dem entgangenen Gewinn nach einem geplatzten Deal nicht hinterherrennen sollte.

Es kann sinnvoll sein – wie bei Stada – auf eine Neuauflage des Deals zu setzen.

Dann muss aber auch genau beachtet werden, welche Risiken man als Investor dafür eingeht und wie groß die Chance wirklich ist.

Die Stada-Aktie fiel nach dem Übernahme-Aus sehr weich – ein klares Indiz dafür, dass der Markt die Chance einer Übernahme 2.0 sehr groß einschätzte.

Bei Epigenomics dagegen war die Übernahme-Prämie auf den Aktienkurs sehr schnell fast vollständig wieder weg.

Und es gab auch sonst wenige Gründe anzunehmen, dass der Bieter oder jemand anders noch einmal mit einer neuen Offerte zurückkommen würde.

In dem Fall ist eine Investitions-Entscheidung ohne Übernahme-Chance und ungeachtet dessen, was vorher war, zu fällen.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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