Erben & Vererben: Nutzen Sie die Steuerbefreiung fürs Familienheim

„Was bleibt von meinem Vermögen erhalten, wenn ich einmal nicht mehr bin?“ – Diese Frage treibt viele ältere Menschen um. Und umgekehrt: Was bleibt vom Erbe unserer Eltern, wenn erst der Fiskus die Hand aufhält?“, fragen sich die Erben.

Falls auch Sie sich mit diesen Fragen beschäftigen, hier eine Aufmunterung: In vielen Fällen können Sie – zumindest von nahen Angehörigen – steuerfrei erben.

Familienheim: Steuerbefreiung möglich

Das beste Beispiel für ein steuerfreies Erbe ist das vererbte Familienheim. Unabhängig vom Wert des betreffenden Hauses oder der betreffenden Wohnung gilt: Der Ehepartner kann es steuerfrei erben.

Bei den Kindern (oder nach deren Ableben: den Enkeln) gilt das ebenfalls, vorausgesetzt, die Wohnfläche beträgt nicht mehr als 200 Quadratmeter.

Aber aufgepasst: Der Erblasser muss die Immobilie vorher selbst genutzt haben, und zwar als echtes Heim und nicht nur als Zweitwohnsitz oder Ferienwohnung.

Und die Erben müssen unverzüglich einziehen, sofern sie nicht ohnehin schon dort gewohnt haben. 10 Jahre lang müssen Sie die geerbte Immobilie selbst nutzen. Dann verlangt das Finanzamt auch keine Erbschaftsteuer.

Übrigens ist eine entsprechende Steuerbefreiung auch bei einer Schenkung möglich. Wer also noch vor seinem Tod die eigene Immobilie an Ehepartner(in), Kinder oder Enkel übertragen will, dann dies ebenfalls steuerfrei tun, wenn die Bedingungen erfüllt sind.

Hohe Freibeträge für Ehepartner und Angehörige in gerader Linie

Angenommen, die Kinder sind längst aus dem Haus und wollen nicht in die geerbte Immobilie einziehen. Oder sie ist für den Ehepartner bzw. die Ehepartnerin allein zu groß, sodass ein Einzug nach dem Tod des Erblassers so gut wie ausgeschlossen ist. Heißt das, es fallen automatisch Erbschaftsteuern an? Nein!

Zumindest bei Ehepartnern, Kinder und Enkeln ist die Gefahr vergleichsweise gering. Denn diese Personen profitieren von hohen persönlichen Freibeträgen. Ehepartner (und eingetragene Lebenspartner) können ein Vermögen in Höhe von 500.000 Euro steuerfrei erben.

Ein Freibetrag von 400.000 Euro gilt für jedes leibliche, Stief- oder adoptierte Kind des Erblassers, ebenso für Enkel, deren Eltern nicht mehr leben. Und selbst Enkel, deren Eltern noch leben, haben noch einen Freibetrag von 200.000 Euro.

Auf gut Deutsch heißt das: Erst, wenn der Wert des geerbten Geldes den persönlichen Freibetrag übersteigt, fällt Erbschaftsteuer an. Fällig wird sie nur für die Differenz zwischen Erbe und Freibetrag.

Die Höhe hängt vom Wert des Erbes und der Steuerklasse ab. In Steuerklasse I (Ehepartner, Kinder, Enkel) sind das bei der großen Mehrheit der Erbschaften zwischen 7 und 15 Prozent.

Ein Beispiel, wie sich die Erbschaftsteuer errechnet

Anna H. erbt von ihrem Vater ein Haus (Wert: 300.000 Euro), in das sie nicht einzieht, und ein Bankvermögen (Wert: 150.000 Euro). Ihr persönlicher Freibetrag als Tochter liegt bei 400.000 Euro.

Diese 400.000 Euro werden nun vom Gesamtwert des Erbes (450.000 Euro) abgezogen. Es bleiben 50.000 Euro als zu versteuerndes Erbe. Der Steuersatz liegt in Steuerklasse I für Vermögen bis 75.000 Euro bei 7 Prozent. Das heißt, sie muss 7 Prozent von 50.000 Euro ans Finanzamt abführen. Das sind 3.500 Euro.

Nehmen wir nun an, Anna H. zieht selbst in das geerbte Haus ein, das zuvor der Vater bewohnt hat. Dann bleibt der Wert der Immobilie unberücksichtigt. Das ebenfalls geerbte Bankvermögen liegt mit 150.000 Euro unter dem persönlichen Freibetrag von 400.000 Euro. Das heißt: Es fällt überhaupt keine Erbschaftsteuer an.

Sie sehen: In der Regel brauchen Sie sich nicht vor einer übermäßigen Steuerbelastung zu fürchten. Denn gerade bei Ehepartnern, Kindern und Enkeln ist der Staat großzügig. Vorsicht ist nur bei Geschwistern, Nichten und Neffen angebracht.

Denn hier liegt der persönliche Freibetrag nur bei 20.000 Euro. Hier sollten Sie sich beraten lassen, wie Sie Ihr Testament steuergünstig gestalten können.

3. März 2015

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Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst hat sich auf die publizistische Beratung im Bereich Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und speziell zum Thema Geldanlage mehrere Bücher verfasst.

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