Erdöl: Bleibt uns das Preisniveau erhalten?

Seit 3 Monaten kommt der Ölpreis nicht vom Fleck – das könnte Experten zufolge auch noch eine Weile so weitergehen… Hier mehr dazu: (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Seit 3 Monaten kommt der Ölpreis nicht vom Fleck; seit 3 Monaten pendelt der Preis je Barrel der Sorte Brent zwischen 50 und 55 US-Dollar, die US-Sorte WTI notiert leicht darunter.

Glaubt man einer aktuellen Studie des Beratungs-Unternehmens Roland Berger, wird sich daran auch in Zukunft nicht allzu viel ändern.

Durchschnitts-Preis 50 Dollar?

Die Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis für das Jahr 2017 im Schnitt bei etwa 50 Dollar liegen wird.

Größere Ausschläge nach oben werden demnach durch Überkapazitäten verhindert, die v. a. durch die stärkeren Aktivitäten der US-Fracking-Firmen zustande kommen.

Da die Schieferöl-Produzenten inzwischen profitabler arbeiten können als noch vor 3 Jahren und sich das Geschäft mittlerweile schon ab 40 Dollar je Barrel lohnt, pumpen die Anlagen immer mehr Öl aus dem Boden.

Da kann die Nachfrage bislang nicht mithalten – ganz im Gegenteil:

Das Überangebot hat den Preisrutsch wesentlich begünstigt, der den Ölpreis zwischen 2014 und 2016 von über 110 auf zeitweise unter 30 Dollar je Barrel abstürzen ließ.

OPEC-Beschluss stützt Ölpreis

Aufwind erhielt die Preis-Entwicklung Ende November, als sich die OPEC-Staaten gemeinsam mit weiteren wichtigen Öl-Exporteuren – allen voran Russland – nach langen Verhandlungen auf einen Beschluss verständigten, wonach sie ihre täglichen Fördermengen freiwillig begrenzen.

Der 1., sehr rasche Preis-Anstieg, der darauf folgte, war der Tatsache geschuldet, dass sich die zerstrittene OPEC überhaupt zu einem Kompromiss durchgerungen hatte.

Dass das erreichte Preisniveau von etwas über 50 Dollar seither gehalten werden konnte, liegt daran, dass der Beschluss seit Anfang des Jahres auch tatsächlich umgesetzt wird.

Der Haken an der Sache: Der OPEC-Kompromiss ist zunächst auf 6 Monate begrenzt; ob und wie es anschließend weitergeht, ist offen.

Allerdings ist die Gefahr groß, dass der Ölpreis schnell wieder fallen könnte, sollte wieder unbegrenzt gefördert werden.

Das wissen auch alle Beteiligten, und so ist es wenig verwunderlich, dass bereits erste Signale zu vernehmen sind, wonach der Beschluss auch über die 6 Monate hinaus verlängert werden könnte.

Engpässe erst mittelfristig zu erwarten

Denn auch wenn das aktuelle Preisniveau weit entfernt ist von den Höchstwerten 2014, stehen sowohl die OPEC-Staaten als auch die Ölkonzerne mit dem jetzt Erreichten zumindest wieder etwas besser da als zuvor.

Gerade den Firmen kommt dabei zugute, dass sie während der anderthalbjährigen Phase des Preisverfalls kräftig auf die Kostenbremse treten mussten.

Einige Beobachter warnen allerdings bereits davor, dass die fehlenden, damals gestrichenen Investitionen bereits in wenigen Jahren zu Engpässen führen könnten – was wiederum die Preise steigen lassen dürfte.

Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Für 2017 ist vorerst nicht mit allzu großen Sprüngen zu rechnen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.