Erdöl: BP-Boss überrascht mit Warnung vor Öl-Crash

Es sind drastische Worte, die Bob Dudley wählt, um seiner Besorgnis Ausdruck zu verleihen: Der Chef des britischen Ölgiganten BP warnt vor einer historischen Krise der Ölindustrie.

Diese habe mitnichten bereits ihren Tiefpunkt erreicht, sondern werde sich in nächster Zeit noch verschärfen. So ernst wie zuletzt in den 1980er Jahren gestalte sich die Lage am Rohstoffmarkt, warnte der Manager weiter.

Opec Schuld am Preisverfall?

Die Hauptschuld sieht Dudley bei der Opec, dem Zusammenschluss Erdöl exportierender Länder. Diese seien derzeit gar nicht daran interessiert, den seit Monaten dramatisch fallenden Ölpreis zu stabilisieren.

Ganz im Gegenteil: Um neue Konkurrenz vom Markt zu verdrängen, werde der Ölpreisverfall durch die Opec sogar noch befeuert. Ihr Ziel sei es dabei vor allem, das aufstrebende Fracking-Segment in die Knie zu zwingen.

Die Fördermethode, die in Europa als sehr umstritten gilt, war zuletzt insbesondere in den USA und Kanada auf dem Vormarsch. Durch die eigene Ölgewinnung wurde Nordamerika unabhängiger vom Opec-Öl – was den Staaten, deren Wohlstand in erster Linie auf dem Export von Erdöl basiert, natürlich nicht gefallen hat.

Verluste und Einsparungen bei Ölgiganten

Manch einer hält die Theorie, die nicht nur von Dudley vertreten wird, jedoch für übertrieben und weist darauf hin, dass weitere Faktoren zum Ölpreisverfall beigetragen haben.

Die Folgen jedenfalls werden bereits jetzt sichtbar: So hat BP im vergangenen Quartal einen Milliardenverlust eingefahren. Auch die großen Konkurrenten wie Exxon Mobil, Shell und Chevron ächzen unter dem niedrigen Ölpreis.

Durch die rückläufigen Gewinne werden nun Einsparungen notwendig. So werden etwa Arbeitsplätze gestrichen, Gehälter eingefroren, Investitionen gekürzt – und Förderprojekte zurückgestellt.

Hierdurch erwarten viele Beobachter mittelfristig eine Ölknappheit, die den Preis wieder anziehen lassen dürfte. Doch bis dahin gilt es wohl noch eine längere Durststrecke zu überstehen.

Noch keine nachhaltige Erholung in Sicht

Zwar konnte sich der Ölpreis zuletzt wieder leicht erholen: Nach einem Sturz unter die Marke von 50 Dollar je Barrel der wichtigsten Sorte Brent Anfang des Jahres ging es aufwärts in Richtung 60 Dollar. Doch eine nachhaltige Erholung zeichnet sich damit noch nicht ab.

Stattdessen stellen BP und Co. sich und ihre Anleger auf weiterhin harte Zeiten ein, während andere Branchen dem Drama durchaus auch Positives abgewinnen können: Gerade die produzierende Industrie – von Auto bis Pharma – freut sich über sinkende Rohstoffkosten.

Auch die Tourismusbranche freut sich, besteht doch berechtigte Hoffnung auf sinkende Flugticketpreise, da auch die Airlines nun günstiger Kerosin beziehen können, das üblicherweise einen Großteil ihrer Ausgaben ausmacht.

Es ist wie so oft – des einen Freud ist des anderen Leid. Wie lang der Preiskampf am Rohstoffmarkt noch anhalten wird, steht derzeit völlig in den Sternen.

Das einzige, was sicher ist, ist die Unsicherheit, die diese ansonsten so erfolgsverwöhnte Branche derzeit erschüttert.

17. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt