Erdöl: Patt-Situation zwischen OPEC und Frackern

Der Ölpreis ist zurück über 50 Dollar je Barrel. Der Beginn einer Rally? – Mitnichten! Dafür sorgen die Fracker. Erfahren Sie hier Genaueres: (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Es ist ein klassischer Patt, den wir gerade erleben: Der Ölpreis scheint sich weder nennenswert aufwärts noch abwärts zu bewegen, die Schwankungen fallen überwiegend überschaubar aus.

Der Grund dafür liegt auf der Hand:

Während die OPEC-Staaten und zahlreiche weitere Länder, darunter auch Russland, sich im Herbst darauf verständigt haben, ihre Fördermengen zu begrenzen, haben die US-Frackingfirmen das Gegenteil getan:

Bereits im vergangenen Jahr haben sie damit begonnen ihre Produktion wieder hochzufahren und stärker anzukurbeln.

Gute Voraussetzungen für Fracking-Industrie

Grundvoraussetzungen hierfür war einerseits, dass sich der Ölpreis oberhalb von 40 € stabilisieren konnte.

Die andere Grundvoraussetzung war, dass die Technologie, die das umstrittene Fracking ermöglicht, in den vergangenen Jahren kostengünstiger geworden ist.

Lohnte sich die Förderung 2014 erst ab einem Ölpreis von etwa 60 Dollar je Barrel, können die US-Firmen inzwischen auch bei einem Ölpreis unter 50 Dollar ordentlich wirtschaften.

Damit sind sie zwar noch nicht so abgehärtet wie beispielsweise Saudi Arabien, das auch bei einem Ölpreis von 20 Dollar noch Gewinn macht.

Doch die US-Firmen sind in der Lage, wirksam gegenzuhalten, während die OPEC-Staaten verzweifelt versuchen, das Preisniveau zu erhöhen.

Es ist ein Teufelskreis, denn gerade dadurch werden die Frackinganstrengungen umso attraktiver.

Bald wird nachverhandelt

Der Ölpreis, der nach dem historischen OPEC-Kompromiss Ende November auf gut 50 Dollar hochgeschnellt ist und sich seither die meiste Zeit auf diesem Level halten konnte, steht jedoch auf einem denkbar wackligen Fundament.

Denn der Beschluss von Opec, Russland & Co. ist zunächst auf 1/2 Jahr begrenzt. Das heißt: Schon bald wird nachverhandelt.

Das Dilemma: Der richtig durchschlagende Erfolg ist ausgeblieben, eine echte Ölpreis-Rally dank der Fracking-Industrie vorerst nicht in Sicht.

Umgekehrt würde das Preisniveau aber wohl schnell wieder auf unter 50 Dollar fallen, sollte das Abkommen aufgekündigt werden.

Stärkerer Verzicht nicht in Sicht

Bislang schultert Saudi Arabien den Großteil der Förderkürzungen, sein Anteil ist am höchsten und geht sogar noch über das Vereinbarte hinaus.

Doch unterm Strich, monieren Kritiker, seien auch die Kürzungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein, machten sie doch nicht einmal 1% der weltweiten Förderung aus.

Um wirklich etwas zu bewegen, bräuchte es wohl einen noch stärkeren Verzicht.

Dazu aber werden die OPEC-Staaten kaum bereit sein, immerhin hängen ihre Staatshaushalte wesentlich an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Außerdem drohen sie angestammte Marktanteile an die US-Firmen zu verlieren: Je weiter sich arabische Firmen zurückziehen, desto stärker rücken die Fracker nach und stoßen in die freigewordenen Lücken vor.

Für Verbraucher wie Privat-Haushalte oder Autofahrer, aber auch für Industrie-Konzerne oder Fluggesellschaften bietet die Gemengelage einen erfreulichen Nebeneffekt:

Die anfallenden Kosten bleiben wohl auch für den Rest des Jahres sowie womöglich darüber hinaus in etwa auf dem aktuellen, vergleichsweise überschaubaren Niveau.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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