Erdöl – Welche Faktoren den Ölpreis jetzt noch antreiben

Der OPEC ist gelungen, was vor 2 Jahren kaum jemand für möglich hielt: Mit ihrer Beschlusslage stabilisiert sie den Ölpreis nachhaltig. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Sie haben ihr Ziel erreicht:

Die OPEC-Staaten und weitere Ölproduzenten, darunter Russland, haben sich Ende November darauf verständigt ihre Förderkürzungen ein weiteres Mal zu verlängern.

Vor 1 Jahr hatten sich die Staaten überraschend zu einem Kompromiss durchgerungen, wonach die tägliche Fördermenge begrenzt werden sollte, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Der zunächst bis zum Frühsommer geltende Beschluss wurde nun schon zum 2. Mal verlängert.

OPEC-Beschlusslage führt zu Preis-Stabilisierung

Das mit der Preis-Stabilisierung hat funktioniert, wie der Jahres-Rückblick auf die Ölpreis-Entwicklung verdeutlicht:

Nachdem der Ölpreis von Ende 2014 – 2016 ins Bodenlose gestürzt war und zeitweise unterhalb von 30 Dollar je Barrel landete, verlieh der Kompromiss dem Ölpreis neuen Schwung.

Das Barrel der Sorte Brent konnte sich über weite Strecken der vergangenen 12 Monate oberhalb der Marke von 50 Dollar, meist sogar über 55 Dollar. behaupten.

Und sie hat seit Ende Oktober noch einmal kräftig an Fahrt aufgenommen.

Zuletzt notierte das Barrel bei gut 61 Dollar. Die Kurve der US-Sorte WTI verlief – etwa 5 Dollar niedriger – weitgehend parallel.

So teuer wie jetzt war das Barrel seit Sommer 2015 nicht mehr. Die totgesagte OPEC hat durch starken Willen und überraschende Disziplin ihre Macht demonstriert, getreu dem Motto:

“Seht her, wir lassen uns den Ölpreis nicht durch die USA diktieren, sondern bestimmen die Richtung immer noch maßgeblich selbst!”

Neue US-Konkurrenz

Die Vereinigten Staaten sind dank des Fracking-Booms inzwischen zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen.

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Befürchtungen, wonach ein steigender Ölpreis zu einer immer größeren Ölschwemme aus den USA führen könnte, haben sich indes bislang nicht bewahrheitet.

Stattdessen stagniert der Output. Zumindest im kommenden Jahr rechnen Experten hier nicht mit allzu tiefgreifenden Veränderungen.

Stattdessen dürfte die Nachfrageseite dank guter Konjunktur-Entwicklung weiter anziehen, während die Angebots-Seite stabil bleibt. Die Folge wären steigende Preise.

Gut ist das v. a. für Saudi Arabien.

Der mächtige OPEC-Staat will seinen Ölkonzern Aramco an die Börse bringen, und das dürfte umso lukrativer ausfallen, je höher der Ölpreis zum Zeitpunkt des Börsengangs notiert.

Mehr Autos, mehr Nachfrage?

Im Gegensatz zu großen Energie-Konzernen, die dem Preisverfall begegneten, indem sie die Kosten drastisch herunterfuhren, bekommen die Länder, deren Staatskasse massiv vom Ölgeschäft abhängig ist, die Flaute deutlich heftiger zu spüren.

Dementsprechend war Saudi Arabien auch einer der wichtigsten Fürsprecher für eine Ausweitung des OPEC-Kompromisses.

Allerdings will man das gute Geschäft auch nicht vollständig an die Amerikaner verlieren:

Sollte der Markt zu heiß laufen, könnte sich die OPEC auch vorzeitig von der geltenden Beschlusslage verabschieden.

Mit steigender Nachfrage rechnen die Saudis unterdessen perspektivisch nicht nur aufgrund der boomenden Weltwirtschaft.

Nein, auch wegen der prognostizierten weltweiten Verdoppelung der Anzahl zugelassener Fahrzeuge bis 2040 rechnen sie damit.

Fragt sich nur, wie viele dieser Vehikel bis dahin womöglich schon elektrisch betrieben werden…


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.