Erdöl: So hat Trump den Ölpreis in der Hand

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Nicht die OPEC bestimmt, wie sich der Ölpreis entwickelt – sondern US-Präsident Donald Trump. Zuletzt ging es erst einmal abwärts. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Bären und Bullen liefern sich beim Ölpreis in den letzten Wochen ein spektakuläres Gezerre; jede noch so kleine Meldung scheint sich unmittelbar auf den Kurs des einstigen „schwarzen Goldes“ auszuwirken.

Trump greift in Syrien ein? – Die Verunsicherung steigt, der Ölpreis auch.

Libyen will neue Ölfelder erschließen? – Das würde das Überangebot noch verschärfen, der Ölpreis sinkt.

Und dann sind da natürlich noch die US-Öl-Lagerbestände, auf welche die Märkte ganz besonders kritisch schauen:

Diese sind zwar zuletzt ein bisschen gesunken – im historischen Vergleich aber immer noch prall gefüllt. Daraus lässt sich keine nachhaltige Richtungs-Entwicklung für den Ölpreis ableiten.

Trump hat den Ölpreis in der Hand

Wesentlich bedeutsamer scheint die Erkenntnis, dass es inzwischen nicht mehr Saudi Arabien und die übrigen OPEC-Staaten sind, welche die entscheidenden Impulse geben – sondern Donald Trump.

Der neue Mann im Weißen Haus hat gleich mehrere Hebel zur Hand, um den Ölpreis in die eine oder andere Richtung zu bewegen; ihn in die Höhe schießen oder nach unten kippen zu lassen:

Die beiden wesentlichsten Faktoren sind einerseits seine Politik im Nahen Osten und andererseits seine Haltung gegenüber der US-Fracking-Industrie.

Die Fracking-Firmen haben wesentlich dazu beigetragen die USA in den letzten Jahren zunehmend unabhängiger vom OPEC-Öl zu machen und damit die Flutung des Weltmarktes mit einem Öl-Überschuss zu begünstigen.

Lockerung von Auflagen?

Ex-Präsident Barack Obama hat jedoch gegen Ende seiner Amtszeit mehrere Gebiete zu Schutzzonen erklärt. Auf diese können die Ölkonzerne nicht ohne Weiteres zugreifen.

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Beispiele dafür finden sich in der Arktis oder im Golf von Mexiko, aber auch einige Gegenden auf dem Festland zählen dazu.

Trump hat nun angekündigt, diese Beschränkungen per Dekret lockern zu wollen. Ganz im Zeichen von “mehr Öl = mehr Jobs” sollen die Gebiete nun doch für Ölförder-Vorhaben zugänglich gemacht werden.

Ob das gelingt, bleibt abzuwarten, immerhin ist Trump in den vergangenen Monaten schon mit mehreren Vorhaben an juristischen Hürden gescheitert.

Dennoch scheint die Richtung deutlich zu sein: Unter Trump wird die Fracking-Industrie eher gefördert als eingestampft.

Und was ist mit dem Iran?

Das Verhältnis der USA zu Ländern im Nahen Osten – und hier insbesondere zum Iran – spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der weiteren Entwicklung des Ölpreises.

Erst seit der Lockerung internationaler Sanktionen Ende 2015 hat der Iran seine Ölförderung wieder deutlich erhöht.

Trump hat allerdings bereits eine Kehrtwende angekündigt:

Sollten auf Bestreben der USA erneut Strafmaßnahmen gegen Teheran verhängt werden, würde dies zu einer spürbaren Reduktion der Ölfördermenge führen – und einen Preis-Anstieg begünstigen.

Trump hat es nun also selbst in der Hand, mit welchen Mitteln er den Ölpreis in welche Richtung bewegt.

Und das ist keine allzu beruhigende Vorstellung – wie so vieles, seitdem dieser Mann in Washington das Sagen hat…


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.