Erfreuliche Entwicklung im DAX

DAX Logo RED_shutterstock_392120233_imagentle

Was Sie charttechnisch seit dem letzten Freitag aus dem DAX-Kursverlauf herauslesen können - und was nicht. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Das ging schneller als erwartet!

Am Mittwoch vergangener Woche hatte ich für Sie im Rahmen der Brexit-Diskussion die aktuelle charttechnische Lage im DAX analysiert.

Zur Erinnerung hier noch einmal mein Fazit vom 16. Januar:

„Ihr Augenmerk sollten Sie in den kommenden Tagen und Wochen auf die von mir eingezeichnete pinkfarbene Linie richten: Sie kennzeichnet einen immens wichtigen Widerstand bei rund 11.000 Punkten.

Obendrein bewegt sich der deutsche Leitindex derzeit an der Mittellinie seines breiten Abwärtstrend-Kanals. Wir haben es also mit einem sogenannten Kreuz-Widerstand zu tun. Und da muss der DAX rüber, wenn es weiter aufwärts gehen soll.“

Und genau das ist am Freitag geschehen. Wir schauen uns die nun entstandene Charttechnik einmal gemeinsam an und loten die weiteren Perspektiven für Sie aus. Außerdem zeige ich Ihnen, welche weitere charttechnische Einschätzung Sie gegenwärtig nicht vorfinden.

Erfreuliches Signal im DAX

Beginnen wir mit dem Chart, den ich Ihnen bereits am letzten Mittwoch präsentierte:

DAX: Kreuzwiderstand wurde mit Dynamik überwunden

Der Kreuzwiderstand wurde mit hoher Dynamik überboten: Also hat der deutsche Aktienindex nicht nur den Widerstand bei 11.000 Punkten hinter sich gelassen, sondern gleichzeitig auch noch die Mittellinie des Abwärtstrend-Kanals.

Was Sie ebenfalls sehen: Besonders positiv ist der kleine Haken auf der rechten Seite des Kursbalkens vom Freitag. Er informiert Sie darüber, dass der DAX fast am Tageshoch geschlossen hat.

Und das wiederum sagt Ihnen: Die Bullen haben den Bären nicht nur reichlich Terrain abgenommen – sie haben dieses auch verteidigen können.

Der blaue Pfadpfeil zeigt Ihnen ein jetzt wahrscheinliches Szenario: Der DAX könnte nun noch ein wenig zulegen, bevor es einen Pull-Back (Rücksetzer) in Richtung 11.000 Punkte gibt.

Der ehemalige Widerstand wandelt sich damit in eine Unterstützung. Anschließend dürfte der DAX dann auf die Abwärtstrendlinie seit Mai 2018 zusteuern. Das Kursziel sollte mithin bei etwa 11.550 / 11.600 Punkten liegen.

Kein Insel-Urlaub

Was Sie im Chart indes NICHT sehen, ist ein Signal, das derzeit durch die Analyse-Welt geistert: Eine Insel-Umkehr (Island Reversal).

Zoomen wir dazu noch etwas stärker in den Chart hinein:

DAX: Keine Insel-Umkehr, aber eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Bei einer Insel-Umkehr setzt sich ein Teil der Kursbalken durch Gaps, also durch Löcher (gelbe Kreise) vom Kursgeschehen vorher und nachher ab. Dem Betrachter erscheint das im Chart wie eine vom Festland abgesetzte Insel.

Die „Bibel des Charttechnikers“ (das Buch „Technische Analyse von Aktien-Trends“ der Autoren Robert D. Edwards und John Magee) führt zu diesem Kursmuster unter anderem aus:

„Die Handelszone mag nur aus einem einzigen Tag bestehen, in welchem Falle normalerweise ein One-Day-Reversal [1-Tages-Umkehr] vorliegt. Oder es können auch mehrere Tage bis zu einer Woche kleinerer Fluktuationen innerhalb dieser kompakten Kurszone erfolgen.“

Wie Sie sehen, liegen zwischen dem linken und dem rechten Gap 16 Handelstage – das entspricht mehr als 3 Wochen. Das passt also nicht.

Zudem stimmen die „kleineren Fluktuationen“ und die „kompakte Kurszone“ nicht zum Kursmuster einer Insel-Umkehr.

Inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Etwas schwerer zu erkennen ist die umgekehrte (inverse) Schulter-Kopf-Schulter-Formation: Das liegt daran, dass die rechte Schulter deutlich über dem Niveau der linken liegt (zu erkennen anhand der blauen Linie). Das ist deshalb ungewöhnlich, weil diese Art der Formationen zur Symmetrie neigt.

Zur Erinnerung: Die inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist häufig das Fundament einer bedeutsamen Trend-Umkehr. Auf dem Chart entsteht dabei das Bild einer auf dem Kopf stehenden Büste.

Entscheidend für die Schulter-Kopf-Schulter-Formation – egal ob am Top oder am Boden eines Marktes – ist die Umsatzentwicklung. In unserem heutigen Fall heißt das:

Voraussetzung sind ein hohes Umsatzvolumen an der linken Schulter, ein leicht darunter bleibendes Volumen am Kopf und eine noch geringere Aktivität bei der Ausbildung der rechten Schulter.

Das passt alles, wie Sie anhand der Horizontalen im Umsatzteil nachvollziehen können.

Die Dauer der inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation im DAX ist mit 7 Wochen allerdings eher kurz. Zudem ist der Abstand zwischen dem Tief am Kopf und der Verbindungslinie der Zwischenhochs (pinkfarbene Linie) mit gerade einmal -6,5% nicht sonderlich groß.

Beide Faktoren sprechen dafür, dass dieses Kursmuster nur eine kleinere und keine generelle Trend-Umkehr prognostiziert.

Fazit

Auch wenn die Insel-Umkehr, von der Sie zurzeit hier und da in Charttechnik-Kommentaren lesen können, nicht zutrifft:

Die Überwindung des Kreuzwiderstandes bei 11.000 Punkten und eine (wenn auch leicht asymmetrische) inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation sind erfreuliche Signale für die kurz- bis mittelfristige DAX-Tendenz.

Das aus der Chart-Formation resultierende Kursziel liegt übrigens bei 11.800 Punkten (grüne Boxen).

DAX Logo RED_shutterstock_392120233_imagentle

DAX: Bereit für die Explosion!Die aktuelle Zone zwischen 13.000 und 13.300 Punkten muss verlassen werden, damit wir deutlich mehr Bewegung sehen. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz