Erholung der Geschäftslage bei Rückversicherern

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Weniger Schäden und steigende Preise haben die Lage bei den Rückversicherern Munich Re, Hannover Rück und Swiss Re verbessert. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Angesichts der rückläufigen Großschäden und leicht steigender Preise hat sich die Geschäftslage bei den Rückversicherern Munich Re, Hannover Rückversicherung und Swiss Re erholt.

Nach vorläufigen Schätzungen belief sich der gesamtwirtschaftliche Schaden aus Naturkatastrophen und Manmade-Katastrophen im 1. Halbjahr 2018 auf weltweit rund 36 Mrd. $ und lag damit deutlich unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 125 Mrd. $. So hat sich die Ertragslage der Rückversicherer deutlich erholt. Doch Swiss Re gibt zu bedenken, dass die Wetterbedingungen steigende Schäden nach sich ziehen könnten.

In zahlreichen Gegenden liegen die Temperaturen über dem Durchschnitt, und das Wetter ist trockener als üblich. So erwartet Südaustralien nach Angaben des australischen Wetterdienstes den zweittrockensten Herbst seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dies erhöht das Risiko von trockenheitsbedingten Schäden in der Landwirtschaft sowie Waldbränden. Martin Bertogg, Leiter der Abteilung Catastrophe Perils bei Swiss Re geht davon aus, dass wir weitere extreme Wetterlagen erleben werden, zum Beispiel anhaltende Hitzewellen und Dürreperioden, womit das Risiko von verheerenden Waldbränden erheblich steigt.

Kurspotenzial für Rückversicherer erscheint begrenzt

In diesem Sinne setzen die Rückversicherer weiterhin auf den weltweit steigenden Bedarf an Versicherungsleistungen. Wir sehen mit Blick auf die Aktienkurse zwar Erholungspotenzial, halten die langfristigen Kurschancen jedoch für begrenzt. Denn mit der zunehmenden Konkurrenz durch alternative Anbieter wie Hedgefonds haben die Rückversicherer sichtlich Probleme bekommen, Kapital aus der oligopolistischen Branchenstruktur zu schlagen.

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Geschäftslage für Rückversicherer hellt sich aufNach dem Rekordjahr 2018 an verursachten Schäden hellt sich der Blick nach vorne auf, denn die Volumenzuwächse fielen durchweg erfreulich aus. › mehr lesen

Die Folge ist ein zunehmender Preiswettbewerb. Bei langfristig gestiegenen Schäden war die Gewinnentwicklung in den vergangenen Jahren daher nicht mehr zufriedenstellend. Angesichts der attraktiven Dividenden bleiben die Rückversicherer aber als Dividendenwerte gefragt.

Das Niedrigzinsniveau trifft die Versicherungsbranche doppelt

Das Niedrigzinsniveau versalzt Versicherungsunternehmen seit Jahren die Suppe. Attraktive Renditen auf das eingesetzte Kapital zu erwirtschaften, entwickelte sich zu einer wachsenden Herausforderung. In Großbritannien wurden Versicherer gleich doppelt getroffen. Denn die Anpassung der Odgen-Rate von 2,5 auf -0,75% im vergangenen Jahr war ein Alptraum für die britische Versicherungsindustrie.

Ein Beispiel: Ein geschädigter Versicherungsnehmer ist nach einem Verkehrsunfall arbeitsunfähig und auf lebenslange medizinische Behandlungen angewiesen. Der versicherungstechnische Schaden beträgt 9 Mio. £. Versicherungsunternehmen zinsen mit Hilfe der Odgen-Rate den Schadenfall auf das heutige Auszahlungsdatum ab. Mit einem Zinssatz von -0,75% beträgt die Auszahlungssumme 20 Mio. £. Versicherungsunternehmen können die Prämien entsprechend potenzieller Auszahlungen anpassen. Doch das geht aber nicht von heute auf morgen.

Die Auswirkungen sind klar an der kombinierten Schaden-Kosten-Quote erkennbar (Combined Ratio). Nach Anpassung der Odgen-Rate schoss die Combined Ratio von Ageas am britischen Markt auf über 105%. Mit anderen Worten: 105% der Prämieneinnahmen wurden für Schadenfälle ausbezahlt. Mit vereinten Kräften kämpfte die Versicherungslobby daher gegen die negative Odgen-Rate an. Mit Erfolg: Aktuell beträgt die Odgen-Rate 0,5%.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.