Erholung der Ölpreise stabilisiert die Börsen

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Das Vertrauen der Anleger kehrt zurück. Zaghaft. Denn an den Börsen ist die Talfahrt voerst beendet. Der dramatische Einbruch beim Öl ist überstanden. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Das Vertrauen der Anleger kehrt zurück. Zaghaft. Denn an den Börsen ist die Talfahrt beendet. Vorerst. Der dramatische Einbruch beim Öl ist überstanden. Die Preise pro Barrel stiegen zuletzt wieder: Die Bestandsaufnahme der US-Rohöllagerbestände brachte die Wende. Danach ist weniger Rohöl eingelagert worden, als zuvor erwartet worden war.

Vorsichtiger Optimismus an den asiatischen Märkten

An den asiatischen Börsen zeigte sich deswegen am Morgen ein freundlicheres Bild, wenn auch durchwachsen. Südkoreas KOSPI stieg um 0,37%, trotzdem das Land im ersten Quartal den schlimmsten Wirtschaftsrückgang seit der globalen Finanzkrise von 2008 verbuchte. COVID-19 hat die Verbraucherausgaben und Geschäftsaktivitäten massiv schrumpfen lassen.

Japans Nikkei 225 stieg um 0,62% und die wichtigsten Aktien in Australien verteuerten sich um durchschnittlich 0,31%.

Der Hongkonger Hang-Seng-Index verlor seine frühen Gewinne und ging um 0,24% zurück. Chinas Shanghai Composite hielt sich etwa auf Vortagesniveau, während der Shenzhen-Componente um 0,15% zulegte. Und das, obwohl die Versicherungsgiganten China Life und Ping An Insurance im späteren Verlauf des ersten Quartals große Rückgänge im Neugeschäft verzeichnen dürften.

Die Investoren blieben vorsichtig optimistisch, da sich die Länder weiterhin einigeln, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Damit diese Erholung nachhaltig ist, müssten die Corona-Fälle dauerhaft zurückgehen und die Volkswirtschaften sich allmählich wieder öffnen, hieß dazu von Marktteilnehmern in Fernost.

US-Indizes zurück im Plus – Hoffnung auf Corona-Impfstoff

Nach zwei Tagen mit teils heftigen Verlusten war es zuvor auch schon an den US-Börsen wieder aufwärts gegangen. Der Dow Jones Industrial beendete den Tag mit einem Aufschlag von 1,99 Prozent auf 23.475,82 Punkte. Damit erholte sich der US-Leitindex etwas von seinen deutlichen Verlusten der vergangenen zwei Handelstage. Der marktbreite S&P 500 stieg zur Wochenmitte um 2,29 Prozent auf 2.799,31 Zähler und der Nasdaq 100 rückte um 3,11 Prozent auf 8.664,64 Punkte vor.

Die neu erwachte Risikofreude der Anleger stützte sich nicht zuletzt auf positive Nachrichten im Kampf gegen das Coronavirus.

Das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech , das gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer an einem Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 forscht, hat die Zulassung für eine klinische Studie in Deutschland erhalten. Auch in den USA soll der Wirkstoff nach entsprechender Genehmigung bald klinisch geprüft werden. Während im Dow die Pfizer-Aktien marktkonform um 1,8 Prozent zulegten, gewannen die an der Nasdaq notierten Biontech-Titel knapp 27 Prozent.

Weitere Quartalszahlen belegen Umsatzkrise der Wirtschaft

Quartalszahlen legten unter anderem Texas Instruments , AT&T und Biogen vor. Der Chiphersteller hatte im ersten Quartal weniger an Umsatz und Gewinn eingebüßt als befürchtet, was den Aktien ein Plus von 4,8 Prozent bescherte. Die Papiere des Telekomunternehmens verloren hingegen nach Umsatzeinbußen und zurückgezogenem Jahresausblick 1,3 Prozent.

Biogen fielen mit minus 9,4 Prozent an das Ende im Nasdaq 100. Das Biotech-Unternehmen stand nicht nur mit seinen Quartalszahlen im Blick, sondern auch mit seinem Wirkstoff gegen Alzheimer. Der Zulassungsantrag für dieses Mittel soll später als bislang angekündigt eingereicht werden. Das werfe mehr Fragen als Antworten auf, hieß es in einer Analyse des Geldhauses RBC, das umgehend das Kursziel für die Aktie senkte.

Erholung am Ölmarkt und Tech-Werte treiben deutschen Markt

Für Anleger am deutschen Markt war der Kursrutsch vom Dienstag nur ein kurzer Dämpfer. Gestern zeigte sich die Börse wieder beruhigt. Der Dax erholte sich um 1,61 Prozent auf 10.415,03 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es gestern um 1,49 Prozent auf 22.274,84 Punkte nach oben.

Im Leitindex setzten sich Infineon mit einem Plus von 5,7 Prozent an die Spitze. Als Treiber erwiesen sich Quartalszahlen von STMicro . Analysten lobten niedrigere Kapitalausgaben des Konkurrenten. Auch Halbleiterwerte aus den Reihen hinter dem Dax wie Siltronic und Aixtron legten deutlich zu. Aktien des Zahlungsabwicklers Wirecard gewannen 3,2 Prozent – hier warten die Anleger gespannt auf die Ergebnisse einer Sonderprüfung zur Bilanz.

Teamviewer als Krisengewinner erneut auf Rekordhoch

Die Papiere des Softwarespezialisten Teamviewer machten mit einem weiteren Rekordhoch und einem Plus von 7,7 Prozent ihrem Ruf als einem der Profiteure der Corona-Krise wieder alle Ehre. Und waren Wasser auf die Mühlen von Gevestor-Analyst Rolf Morrien, der die These vertritt, Corona löse einen Digitalisierungs-Boom aus. Morrien wird am Samstag auch zum Online-Finanzgipfel erwartet, wo er Chancen und Risiken dieses Trends beleuchten und weitere Krisengewinner analysieren wird.

Fraport gilt dagegen als einer der Krisenverlierer. Die Aktien des Flughafenbetreibers fielen um 3 Prozent, belastet von einer Verkaufsempfehlung der Citigroup. Aktien der Lufthansa rutschten mit minus 1,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren.

Deutsches Verbrauchervertrauen auf historischem Tiefststand

Heute wird hierzulande eine weitere Stabilisierung erwartet. Zunächst. Denn vor Börseneröffnung hat die Gesellschaft für Konsumforschung ihre Erhebung zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Und das sieht wegen Corona und den damit einhergehenden Maßnahmen miserabel aus.

Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung befinden sich im freien Fall, während die Konjunkturerwartung nur moderate Einbußen hinnehmen muss. Folglich prognostiziert GfK für Mai 2020 einen historischen Tiefstand von -23,4 Punkten und damit 25,7 Punkte weniger als im April dieses Jahres. Erwartet worden war eine leichte Besserung.

DAX vorbörslich im Plus erwartet

Es stehen heute aber noch die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für Deutschland und die Eurozone an. In den USA werden neben den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe der Markit PMI Index und die Verkäufe neuer Häuser veröffentlicht.

Geschäftszahlen kommen unter anderem von Software AG, Adva, Credit Suisse, Unilever, Eli Lilly, Expedia, Intel, Southwest Airlines und Gazprom.

Die Anleger zeigen sich vorsichtig optimistisch. In den Banken geht man zur Handelseröffnung von einem DAX bei 10.468 Punkten aus. Das wären gut 50 mehr als gestern zur Schlussglocke.

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Warren Buffett zur Ölbranche: Risiko für langfristige Verluste ist hochUS-Investor Warren Buffett hat auf seiner aktuellen Hauptversammlung auch auf den Ölmarkt geblickt und sieht hier speziell für die US-Firmen große Herausforderungen. › mehr lesen


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Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.