Dax: Erholung ja – Entwarnung nein

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Trotz der explosiven Erholung seit Montag ist es für eine Entwarnung zu früh. Eine nachhaltige Bodenbildung wird noch etwas Zeit brauchen. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Gestern kam es an den Aktienmärkten zu einer kräftigen Erholung. Der DAX machte einen Sprung um 11,0% nach oben und verzeichnete damit den größten Tagesgewinn seit mehr als elf Jahren. Für den Dow Jones war der Aufschlag von 11,4% sogar das größte Tagesplus seit den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.

War das die Wende? Vermutlich nicht. Grundsätzlich ist es natürlich positiv, dass sich die Käufer nach der Verkaufspanik nun endlich wieder aus der Deckung trauen. Bevor es zu einer nachhaltigen Bodenbildung kommt, sollten Sie aber auf jeden Fall eine nochmalige Abwärtsbewegung einkalkulieren.

Starke Erholungen nach massiven Abwärtsbewegungen sind nicht ungewöhnlich

Ein Blick ins Jahr 2008 zeigt, dass derart starke Erholungstage nach einem massiven Kursrutsch nicht ungewöhnlich sind. Im Zuge der Lehman-Pleite im Herbst 2008 war der DAX 47% unter seinen Rekordstand von Ende 2007 gefallen. In der Folge gab es Mitte und Ende Oktober sogar zwei Handelstage, an denen der deutsche Leitindex jeweils um mehr als 11% zulegen konnte.

Die Baissephase war damit aber nicht beendet. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung nahm der DAX seine Abwärtsbewegung seinerzeit wieder auf und weitete das Minus gegenüber dem Höchststand auf 57% aus, bevor im März 2009 der endgültige Tiefstand erreicht wurde und der längste Bullenmarkt in der Börsengeschichte begann.

Grundsätzlich ändert sich an dem, was ich Ihnen bereits geschrieben habe, nichts: Ich bin überzeugt davon, dass sich auch die Corona-Krise – wie jede Krise in der Vergangenheit – als große Einstiegschance erweisen wird. Doch selbst für die Anleger, die diese Chance erkannt haben, ist es in der aktuellen Situation schwierig, mit den extremen Schwankungen umzugehen. Deshalb möchte ich Ihnen einen kleinen Fahrplan an die Hand geben, wie es an den Börsen weitergehen könnte.

DAX dreht wieder nach unten

Der heutige Handelstag unterstreicht, wie extrem die Schwankungen weiterhin sind. Heute Morgen lag der DAX mit über 10.100 Punkten noch 4,5% im Plus. Noch am Vormittag wechselten die Vorzeichen wieder von Grün auf Rot. Gegenüber seinem Tageshoch rutschte der Index in weniger als zwei Stunden wieder um fast 700 Punkte ab. Wenn Sie lesen, was ich gerade schreibe, kann die Sache schon wieder ganz anders aussehen…

Heute hat der DAX zunächst unterhalb seines Korrekturtiefs von Ende 2018, das bei 10.279 Punkten lag, nach unten gedreht. Nach einer schnellen Erholung von über 20% gegenüber dem Tief sollten Sie jetzt mit einem nochmaligen Rückgang rechnen. Ob die bisherigen Tiefs – wie seinerzeit 2008/2009 – dabei unterschritten werden, ist derzeit noch völlig offen.

Bodenbildung braucht noch Zeit

Gut möglich, dass wir die Tiefstände bei der jüngsten Verkaufspanik bereits gesehen haben. Eine nachhaltige Bodenbildung wird jedoch erst dann gelingen, wenn der DAX nach einem nochmaligen Rückgang wieder nach oben dreht. Idealerweise werden dabei die vorangegangenen Tiefs nicht mehr erreicht.

Deshalb gibt es für Sie Anleger auch an Tagen wie gestern keinen Grund für ein “Verpasst-Gefühl”. Die Schwankungen werden zunächst hoch bleiben. In der nächsten Zeit wird es sicher noch die eine oder andere Gelegenheit geben, um bei Qualitätsaktien zu günstigen Kursen zuzugreifen.

Auf breiter Front sollten Sie erst dann investieren, wenn sich die Lage wirklich stabilisiert und eine Bodenbildung absehbar ist. In der aktuellen Phase ist eine hohe Cash-Quote kein Fehler.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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