Erleben wir derzeit ein spezielle Aktien-Blase?

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Ist Apple wirklich mehr wert, als alle 30 DAX-Konzerne zusammen? Fakt ist: Es gibt noch mehr „wertvolle“ Aktien! (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Vor knapp 3 Wochen, passend zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos, veröffentlichte Oxfam Deutschland – eine globale Nothilfe- und Entwicklungs-Organisation – aufsehenerregende Zahlen einer jährlich aktualisierten Studie zum Thema „Soziale Ungleichheit“:

Danach besitzt das reichste 1 Prozent der Weltbevölkerung so viel Vermögen wie 50% der Ärmsten der Weltbevölkerung. „82 Prozent des globalen Vermögenswachstums gingen im letzten Jahr an das reichste Prozent der Weltbevölkerung, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung stagnierte“, so Oxfam.

An der Wall Street erleben wir eine vergleichbare Zuspitzung.

Apple und der Größenwahn

Am 30. Januar 2020 berichtete ich Ihnen bereits unter dem Titel „Apple-Rallye: Substanz oder Größenwahn?“ über bemerkenswerte Entwicklungen in Bezug auf den Technologiekonzern. Hier noch einmal einige prägnante Auszüge:

„Das Unternehmen Apple wird vom Markt aktuell mit fast 1,45 Billionen USD bewertet!“

„Darf es noch ein wenig mehr Größenwahn sein? Bitte schön: Laut Investors Business Daily vom 20. Januar 2020 hat die Apple-Aktie 661,2 Mrd. USD oder allein 12,2% zum Wertzuwachs des S&P 500 in den vergangenen 12 Monaten beigesteuert. Das war mehr als jedes andere der insgesamt 500 Index-Mitglieder beigetragen hat.“

„Ich lege noch einen drauf: Die sogenannten FAANG-Aktien Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (heute Alphabet) stehen für 15% (!) des S&P 500-Marktwertes und damit natürlich auch für den Einfluss auf den Wert des Index! Allein die Gewichtung der Aktie mit dem angebissenen Apfel-Logo erhöhte sich im Index in den letzten 12 Monaten von 3,1% auf 4,8%!“

„Und nun zum Abschluss das Sahnehäubchen: Im Technology Select Sector SPDR ETF (Ticker: XLK) steht die Apple-Aktie für 20% der Gewichtung!“

Unfassbare Dimensionen

Um Ihnen die Dimensionen dieser Zahlen noch plastischer darzustellen, habe ich mir mal die Mühe gemacht und die Marktkapitalisierung der DAX-Unternehmen aufaddiert:

Stand Montagvormittag bringen die 30 im deutschen Leitindex enthaltenen Konzerne eine Marktkapitalisierung von 1.245 Mrd. Euro (also 1,245 Billionen Euro) auf die Waage. Umgerechnet zum aktuellen Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar errechnet sich ein Betrag von 1.367 Mrd. USD (also 1,367 Billionen USD).

Am Montag notierte die Apple-Aktie bei 321,55 USD. Daraus errechnet sich eine Marktkapitalisierung von 1.432 Mrd. USD (4.454.604 Aktien x Kurs von 321,55 USD).

Das heißt: Der Apple-Konzern wird derzeit an der Wall Street rund 65 Mrd. USD höher bewertet, als ALLE 30 DAX-Unternehmen zusammen!

Nehmen wir noch einige andere hoch bewertete Aktiengesellschaften des S&P 500 hinzu: Da hätten wir Marktkapitalisierungen von 1.407 Mrd. USD für Microsoft, 1.022 Mrd. USD für Amazon, 958 Mrd. USD für Alphabet (ehemals Google; 443,1 Mrd. USD für die A- und 514,5 Mio. USD für die C-Anteile) oder 513 Mrd. USD für Facebook.

Zum Vergleich: McDonald’s, das mehr als 38.000 Filialen in weltweit über 100 Ländern betreibt, wird derzeit mit einer Marktkapitalisierung von 159 Mrd. USD bewertet.

Extreme Überbewertung

Die Gefahren, die damit einhergehen, liegen auf der Hand: In früheren Jahren sahen wir alle Jahre wieder einmal eine Blase in den Technologie-Aktien. Und Blasen platzen früher oder später.

Diesmal konzentriert sich die Blase zudem noch auf wenige, extrem hoch bewertete Unternehmen, wie die Auswahl der genannten Konzerne zeigt!

Doch diese Überbewertung drückt sich nicht allein in der Markt-Bewertung oder der entsprechend erhöhten Gewichtung in den Leitindizes der Nasdaq oder des S&P 500 aus:

Stand Montag notierten die Kurse der oben genannten US-Unternehmen extrem weit über ihrer 200-Tagelinie:

  • Apple: +36,8%
  • Microsoft: +29,1%
  • Alphabet A: +21,6%
  • Amazon: +16,0%
  • Facebook: +10,2%

Trendstärke differenziert betrachtet

Nun könnten Sie einwenden: „Moment: So dolle ist der Abstand einer Facebook-Aktie zu ihrer 200-Tagelinie aber nun nicht!“ Und da haben Sie recht.

Doch der Facebook-Chart offenbart Ihnen einen entscheidenden Unterschied zu dem von Apple:

Apple in USD: Bis dato noch kein nennenswerter Rücksetzer

Facebook in USD: -11%-Rücksetzer verringerte Trendstärke

Wie Sie unschwer erkennen können, hat die Facebook-Aktie nach ihrem vor 13 Tagen markierten Rekordhoch in nur 2 Handelstagen einen Rückschlag von -11% hinnehmen müssen.

Zuvor notierte sie noch +16,1% über ihrer 200-Tagelinie (Trendstärke im unteren Teil des Charts). Leicht höhere Werte wurden nur im Juli (+25%) und im Mai 2020 (+21%) erreicht.

Bei Apple ist ein vergleichbarer Rücksetzer bis dato ausgeblieben: Zum Zeitpunkt des jüngsten Allzeithochs am 9. Januar betrug der Abstand zur 200-Tagelinie sogar fast +41%!

Überdies bewegt sich die Trendstärke bei Apple seit Jahresbeginn auf dem höchsten Niveau seit April 2012 (im Chart nicht zu sehen): Damals erreichte der Kursabstand in der Spitze +49%! Am Folgetag markierte die Aktie ein Rekordhoch auf das in den darauffolgenden 7 Wochen eine Korrektur von fast -19% folgte!

Das sieht bei den nachfolgend gezeigten Aktien Alphabet A und Amazon ähnlich aus:

Alphabet A in USD: Bis dato noch kein nennenswerter Rücksetzer

Bei Alphabet A maßen wir zuletzt im Juli 2015 mit +27,8% eine höhere Trendstärke (nicht im Chart zu sehen): Auch hier folgte unmittelbar darauf eine Tob-Bildung und in den darauffolgenden 5 Wochen eine -17%-Korrektur.

Amazon in USD: Bis dato noch kein nennenswerter Rücksetzer

Bei Amazon reicht der Zeitraum der letzten 13 Monate, um zu sehen, was auf die letzte, nur wenig niedrigere Trendstärke im Juli 2019 folgte: eine Korrektur von -14% in 3 Wochen.

Fazit

Die zunehmende Konzentration von Vermögen bei wenigen Menschen zeigt sich nicht erst seit 2019, wie Oxfam Jahr für Jahr berichtet. Bei den Marktkapitalisierungen der wertvollsten Unternehmen der Welt beobachten wir eine vergleichbare Erscheinung.

Beide Entwicklungen sind nicht gesund. Für Sie als Investor hat das bei den Aktien Konsequenzen:

Die Börsengeschichte hat schon viele Male belegt, dass derartige Auswüchse nie von langer Dauer sind. Was wir hier bei Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet sowie einigen anderen US-Technologie-Aktien erleben, ist nicht nur eine extrem hohe Bewertung:

Mit ihr geht eine ebenso extreme Gewichtung nicht nur in den bedeutenden Wall Street-Indizes einher, sondern eben auch in zahlreichen Investment- und Hedgefonds sowie auf Technologie spezialisierten ETFs (Exchange Traded Funds).

Wenn diese Großinvestoren irgendwann der Ansicht sind, dass genug genug ist, dann werden wir einen gnadenlosen Ausverkauf dieser Titel erleben. Und das wiederum wird ziemlich heftig auf die Indizes durchschlagen!

Ob das nun heute, in dieser Woche dem nächsten Monat oder noch später geschehen wird, vermag ich Ihnen nicht zu sagen. Aber die daraus resultierenden Risiken für die Wall Street sind Ihnen nunmehr bekannt.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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