Erleben wir heute den vorläufigen Höhepunkt der Rallye nach Corona?

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Heute nach oben explodiert, weil die EU sich einigen konnte. Morgen schon wieder runter, vielleicht sogar über Nacht und dann auch unter die Trendlinie. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Dann schauen wir einmal, ob ich damit ein Kontraindikator bin, wenn ich Ihnen diese Zeilen schreibe. Der DAX hat auf jeden Fall die 13.300 Punkte heute abgehakt. Das war das obere Ende der aktuellen Zielzone, die ich Ihnen gezeigt hatte. Der Dow Jones ist heute einmal kurz über 27.000 Punkte gelaufen und wurde danach wieder deutlich nach unten gedrückt.

Im NASDAQ 100 sehen wir ein mögliches Doppeltop. Beim S&P 500 haben wir ähnlich wie im DAX ein Aufwärtsgap und damit höheres Hoch gebaut, doch die neuen Hochs wurden auch abverkauft.

Gleichzeitig ziehen Silber und Gold weiter an. Wenn wir das jetzt alles auf die Goldwaage – kein Wortspiel beabsichtigt – legen, könnten wir heute tatsächlich eine Art Erschöpfungshoch der Rallye sehen. Wenn das wirklich stimmt, folgt nun im Idealfall eine Konsolidierung oder sogar ein stärkerer Abverkauf.

Per Definition ist eine Konsolidierung übrigens maximal eine leicht abwärts gerichtete Kursentwicklung. Seitwärts ist auch möglich. Es gibt einige Anleger, die von einem starken Abverkauf ausgehen, um nicht das Wort „Crash“ zu benutzen. Ich habe letztens sogar unter YouTube-Videos zur Börse gelesen, dass einige noch die 7.000 Punkte im DAX erwarten.

Das finde ich schon sehr sportlich und ambitioniert. Gerade weil die Notenbanken alles dafür tun, dass die Kurse ja nicht zu stark fallen. Mit einem Rutsch Richtung 11.500 oder sogar an die 11.000 Punkte könnte ich mich gedanklich anfreunden. Dazu muss aber auch erst einmal das von der EU beschlossene 2.800 Milliarden Euro Paket im Markt verpuffen.

Bärische Insel im Anmarsch?

Das könnte ein Island-Gap werden. Heute sind wir nach oben explodiert, weil die EU sich einigen konnte. Morgen eventuell schon wieder runter, vielleicht sogar über Nacht und dann auch unter die Trendlinie.

Für die Bären sieht so immerhin der Fahrplan aus. Tatsächlich ist es aber so, dass wir erst wirklich mit weiter fallenden Kursen rechnen brauchen, wenn wir unter 12.800 liegen. Da liegt aktuell noch eine Unterstützung im Markt und diese muss brechen. Dann hätten wir natürlich zuvor auch schon die Trendlinie gebrochen. Ein weiteres bärisches Zeichen.

Erster Stopp wäre dann im Bereich von 12.500 Punkten, gefolgt von der grünen SMA-200 im Chart bei 12.200. Nehmen wir hier Tempo auf, können wir auch schnell noch einmal die Unterstützung bei 11.600 anvisieren. Oder wir laufen sogar an den Startpunkt der aktuellen Rallye bei etwas unter 11.000 Punkte.

3.000 Punkte minus aus aktueller Sicht? Das kann der DAX schnell schaffen. Das haben wir zuletzt im Februar gesehen. Wenn der erste Dominostein umfällt, kann die Stimmung schnell kippen.

Bullische DAX Ziele

Falls der Markt aber immer noch nicht genug Shortseller abgeschüttelt hat, läuft der DAX vielleicht sogar noch Richtung 13.580 Punkte und schließt dort das große Corona-Gap. Das Allzeithoch liegt bei 13.795 Punkten laut Xetra. Auch das ist dann in Reichweite. Sollten wir das im August knacken, wäre es vermutlich eine der unglaublichen Rallyes der Geschichte und der endgültige Beweis, dass die Börse nichts mit der Wirtschaft zu tun hat.

Kleines Beispiel noch dazu: Der angeblich so marktbreite S&P 500 mit 500 verschiedenen Unternehmen steigt, weil ein paar Schwergewichte steigen. Die Masse der Aktien fällt, doch der Index steigt trotzdem. Wer hier nicht in Amazon & Co. investiert ist, lässt eine Menge Gewinn liegen. Der Online-Gigant hat bereits 70 Prozent im letzten halben Jahr zulegen können und ist damit bester Wert im S&P 500 in diesem Zeitraum!

Natürlich ist das auch kein gesunder Anstieg des Index. Wenn nur wenige Aktien steigen – egal was kommt – dann haben wir auch vielleicht bald eine Neuauflage der Dot-Com-Bubble.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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