Erneut Short-Attacke auf Aurelius

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Nach der Veröffentlichung einer Verkaufsanalyse steht die Aurelius-Aktie erneut unter Druck. Sind die Anschuldigungen gerechtfertigt? (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Vor 27 Jahren kam die US-amerikanische Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in die deutschen Kinos. Darin spielt Bill Murray den zynischen TV-Meteorologen Phil Connors, der in einer Kleinstadt mit dem unaussprechlichen Namen Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania in einer Zeitschleife gefangen ist und ein und denselben Tag immer wieder neu erlebt.

Aurelius unter Beschuss

Auch bei Aurelius, das auf die Übernahme von Unternehmen in Umbruchsituationen mit Verbesserungspotential spezialisiert ist, bekommen Anleger bisweilen den Eindruck, immer wieder das gleiche Erlebnis zu erleben. Seit Ende der vergangenen Woche ist die Aurelius-Aktie nämlich erneut das Ziel einer Leerverkaufsattacke.

Zum insgesamt dritten Mal: Bereits 2017 hatte es der Hegde-Fonds Gotham City auf den Firmenkäufer abgesehen und dem Unternehmen vorgeworfen, dass die von Aurelius sanierten Unternehmen in Wirklichkeit gar nicht restrukturiert und repositioniert würden, sondern kurz nach ihrem Verkauf mit hoher Wahrscheinlichkeit Insolvenz anmelden würden. Was, wenn es sich herumspräche, zweifelsohne das Geschäftsmodell gefährden würde.

2018 war es dann die Attacke der Investmentgesellschaft Kairos, die fast 4% der ausstehenden Aurelius-Aktien in einem Gegenwert von fast Euro 50 Mio. leer verkauft hatte, den durchschnittlichen monatlichen Börsenumsatz von Aurelius. Mit expliziten Vorwürfen war dieses Engagement zwar nicht verbunden, doch unter Druck kam die Aktie dennoch. Früher oder später jedoch wurden das getrübte Gesamtbild durch die letztlich gute operative Entwicklung des Unternehmens obsolet.

Aktie unter Druck

Nun ist es ein ominöser Research-Dienst namens Ontake Research, der dem Münchener Beteiligungsunternehmen Bilanzmanipulation vorwirft. Wie schon bei den beiden vorherigen Attacken mussten auch diesmal Anleger einen schwankungsreichen Tag durchleben: Vom Eröffnungskurs von über 35 Euro ging es in kurzer Zeit auf knapp 29 Euro nach unten, bevor eine Erholung einsetzte und die Aktie bei 32,50 Euro schloss.

Der Vorstand, inzwischen geschult ist in der Behandlung derartiger Vorwürfe, bestreitet die Anschuldigungen vehement: Die Veröffentlichung des Research-Reports stellt einen „bewussten Versuch der Kursmanipulation“ dar, eine ausführliche Stellungnahme werde zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. So weit, so naheliegend. Doch wie geht es jetzt weiter?

Wer ist eigentlich Ontake Research?

Die Antwort auf diese Frage liefert der Herausgeber der Verkaufsstudie: Optisch und inhaltlich ganz im Stile anderer Short-Attacken, handelt es sich um die erste Veröffentlichung dieses Research-Hauses überhaupt. Nun gut, jeder muss irgendwann mal anfangen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Website des Research-Unternehmens erst seit kurzem online ist.

Was hier jedoch auffällt: Ein Impressum sucht man auf der Website vergebens. Ebenso wie die Information, wer hinter dem Unternehmen steht, wer dessen Mitarbeiter sind oder wer den Report erstellt hat. Auffällige Aktivitäten findet man inzwischen zumindest auf Twitter, wo im Lauf der letzten Tage Teile des Research-Berichts online gestellt wurden.

In der Summe erinnert das Ganze an frühere Short-Attacken. Nicht nur in Bezug auf Aurelius, sondern auch auf die anderen Opfer konzertierter Shortseller-Attacken wie Wirecard oder Ströer. Wer seriös sein will, muss seinen Namen nennen. Anonyme Vorwürfe, wie begründet sie vielleicht sein mögen, haben an den Börsen eine kurze Lebensdauer.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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