Short-Angriffe aus den USA: Erst Ströer, jetzt Aurelius

Es war an der Börse die Schlagzeile des Tages:

Heute fiel die Aktie der deutschen Beteiligungs-Gesellschaft Aurelius einer Short-Attacke zum Opfer und verlor in der Spitze über 30% an Wert.

Das US-amerikanische Research-Haus „Gotham City Research“ hatte am Vormittag angekündigt, im Verlauf des Tages eine negative Analyse zu Aurelius veröffentlichen zu wollen.

Daraufhin brach die Aurelius-Aktie zeitweise dramatisch ein.

Ein solcher Angriff ist nicht neu: Im vergangenen Jahr wurde der Werbe-Spezialist Ströer Opfer einer solchen Short-Attacke.

Zum Hintergrund von Short-Angriffen

Zum Hintergrund: Einige Marktteilnehmer wetten auf fallende Kurse (sogenannte Short-Seller) und verdienen Geld, wenn die Kurse tatsächlich fallen.

Von einer Short-Attacke spricht man dann, wenn eine Aktie gezielt unter Druck gesetzt werden soll (etwa durch die Veröffentlichung einer negativen Analyse).

Im vergangenen Jahr setzte der US-amerikanische Hedgefonds Muddy Waters der Stöer-Aktie mit einer negativen Analyse deutlich zu.

Diese verlor damals – genauso wie die Aurelius-Aktie heute – deutlich an Wert.

Die gestern vorgelegten Zahlen von Ströer für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 und der Bericht des Aufsichtsrats liefern jedoch keine Belege für die Vorwürfe von Muddy Waters aus dem Vorjahr.

Die aktuellen Zahlen in der Übersicht

Ströer hat im zurückliegenden Turnus sowohl den Umsatz als auch das Ergebnis deutlich ausgebaut:

  • Der Umsatz stieg um 36,3% auf 1,12 Mrd. €.
  • Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) verbesserte sich um 37% auf 285 Mio. €.
  • Der operative Gewinn (EBIT) legte um 20,8% auf 93 Mio. € zu.
  • Der Nettogewinn stieg um 22% auf 72 Mio. €.

Die Zahlen kamen an der Börse gut an; die Ströer-Aktie legte gestern nach Vorlage der Zahlen in einem schwachen Marktumfeld um 4,1% zu.

Allerdings notiert die Aktie derzeit noch immer deutlich unter ihrem Höchststand von 57,83 € und konnte sich noch nicht vollständig von der Short-Attacke erholen.

So geht es jetzt weiter

Sie sehen:

Von der Short-Attacke im Vorjahr, die den Kurs der Ströer-Aktie zeitweise von 57,83 € auf 34,25 € abstürzen ließ (-41%), hat sich das Papier bis heute noch nicht gänzlich erholt.

Wie aus dem Bericht des Aufsichtsrats hervorgeht, beschäftigte sich das Kontroll-Gremium mit den von Muddy Waters erhobenen Vorwürfen.

Muddy Waters hatte die Wachstums-Kalkulationen in Frage gestellt. Wie es heißt, ließen sich keine Anhaltspunkte für die Richtigkeit der Vorwürfe finden.

Für das neue Geschäftsjahr geht das Ströer-Management von einem organischen Wachstum (also ohne Übernahmen) im mittleren bis oberen 1-stelligen Prozentbereich aus.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) soll dabei überproportional auf über 320 Mio. € (+12%) ausgebaut werden.

Auch wenn sich Ströer im vergangenen Geschäftsjahr operativ gut entwickelt und der Kurs der Aktie einen Großteil der durch die Short-Attacke entstandenen Kursverluste wieder wettgemacht hat, bleibt doch immer etwas hängen.

In den kommenden Tagen und Wochen wird sich zeigen, ob es bei Aurelius ähnlich läuft wie bei Ströer und ob die Vorwürfe substanzhaltiger sind.

Bis zur Klärung sollten Neueinsteiger mit Käufen warten.

28. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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