Erste Erkenntnisse aus der laufenden US-Quartalsberichtssaison

Vor fast genau einem Monat stimmte ich Sie hier in Chartanalyse-Trends auf die gerade eröffnete Quartalsberichtserstattung der US-amerikanischen Aktiengesellschaften ein.

Nachdem nun 455 der S&P 500-Mitglieder ihre Ergebnisse für das 2. Jahresviertel lässt sich ein erstes Zwischenfazit mit einem recht stabilen Trend ziehen.

Niedrige Erwartungen

Vorab zur Erinnerung: Die Analysten hatten ihre durchschnittlichen Gewinnerwartungen für das 2. Quartal von Jahresbeginn bis Mitte Juli kontinuierlich von anfänglich +1,1% auf -6,7% im Jahresvergleich reduziert. Ein Trend, der sich übrigens schon seit mehreren Quartalen wiederholt.

Die beiden wichtigsten Faktoren für diese pessimistischen Einschätzungen waren (und sind) zum einen der deutlich aufgewertete US-Dollar (zeitweilig +28% gegenüber dem Euro). Zum anderen belastet der binnen Jahresfrist nahezu gedrittelte Ölpreis die Bilanzen der großen Energiekonzerne.

Gewinne und Umsätze weiter rückläufig

Wenig erfreuliche Perspektiven also für die derzeit noch laufende Berichtssaison.

Tatsächlich liegt der Durchschnitt der bislang veröffentlichten Gewinne im Vergleich zum Vorjahresquartal bei -2,6%. Die Umsätze liegen im Mittel sogar -4,1% niedriger. Immerhin haben 70% der berichtenden Gesellschaften die Analystenerwartungen übertreffen können. Dazu passt:

Der Energiesektor drückt dabei das Gesamtresultat ganz erheblich: Wenn wir diesen Bereich einmal ausklammern, läge der Durchschnitt für die erzielten Gewinne bei +5,3% und der für die Umsätze bei +1,3%. Also doch kein sooooo übles Ergebnis für die US-Unternehmen „ohne-Energie“?

Selbst ex-Energie ein mieses Quartal

Mitnichten! Denn im Vergleich zum 1. Quartal haben sich die Werte von +10,9% (Gewinne) und +2,3% (Umsätze) nahezu halbiert. Der Durchschnitt der vergangenen 4 Quartale liegt mit +9,4% bzw. +4,6% ebenfalls signifikant höher.

In einer groben Aufteilung in 16 unterschiedliche Sektoren konnten im 2. Quartal nur 7 Bereiche eine Steigerung der erzielten Umsätze aufweisen. Dabei ragen die Branchen Einzelhandel (+11,9%), Medizin (+8,5%) und Luftfahrt (+4,6%) heraus.

Den Minusbereich führt, wie zu erwarten, der Energiesektor an mit einem Minus von -31,6% im Jahresvergleich. Es folgen die Sektoren Basismaterialien (-9,9%) sowie Industrieprodukte (-8,3%).

Trotz schrumpfender Umsätze konnten 11 von 16 Branchen ihre Gewinne im Vorjahresvergleich sogar steigern:

Beim Gewinnwachstum glänzen die Branchen Autos (+25,3%), Medizin (+14,9%) und Transport (+9,6%). Der Energiesektor muss einen durchschnittlichen Gewinnrückgang von -60,4% hinnehmen. Rang 3 und 4 belegen Industrieprodukte (-12,4%) und – man lese und staune – die Luftfahrt (-9,4%). Der Einzelhandel verbucht ein respektables Plus von +6,6%

Fazit

Das durchschnittliche Umsatz- und Gewinnwachstum lag zwar über den pessimistischen Analystenerwartungen, aber war dennoch rückläufig. Überdies haben sich die Werte gegenüber dem 1. Quartal nahezu halbiert und bleiben auch signifikant unter dem Mittel der letzten 4 Quartale.

Unter den wenigen Sektoren, die sowohl bei Gewinn als auch bei Umsatz noch gutes Wachstum vorweisen können, zählen die Medizin und der Einzelhandel.

Falls Sie also überlegen, bei welchen US-Aktien sich ein Einstieg anbietet, dann könnte ein Blick auf die genannten Branchen mit positiven Umsatz- und Gewinnsteigerungen lohnen.

Von einem Einstieg in den Energiesektor würde ich indes (noch) eher abraten: Nach dem massiven Absturz des Ölpreises in den vergangenen Wochen dürften die Gewinne auch im laufenden Quartal noch rückläufig bleiben.

13. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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