Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Mit Sicherheit haben Sie so etwas auch schon mal erlebt:

Sie sehen ein Ereignis auf sich zukommen, dass Sie mit großer Sorge erfüllt. Je näher dieser Termin rückt, umso beunruhigter werden Sie.

Doch dann geschieht etwas Merkwürdiges:

Tritt das Ereignis tatsächlich so ein, wie befürchtet, ist es für Sie nicht mehr gar so schlimm, weil Sie sich zuvor schon mental auf diese Entwicklung eingestimmt hatten.

Geschieht hingegen nicht das, was Sie befürchtet hatten, dann atmen Sie erleichtert auf – möglicherweise machen Sie sogar einen Freudensprung.

Die Gewinnschätzungen der Analysten

Genau dieses Muster könnte in Kürze dafür sorgen, dass die Aktienkurse an der Wall Street kräftig nach oben durchstarten. Warum?

Wie Sie wissen, schätzen Analysten überall auf dem Globus die künftigen Gewinne von Unternehmen ein. In den USA werden diese Daten besonders gut nachgehalten.

Da die Aktiengesellschaften nach Ablauf eines jeden Quartals über den Verlauf dieser Periode berichten, lässt sich gut abgleichen, ob die Firmen die Erwartungen der Analysten erfüllen.

Sie können es natürlich auch andersherum betrachten: Wie gut liegen die Analysten mit ihren Gewinn- und Umsatz-Schätzungen?

Am 11. April geht’s wieder los

In Kürze ist es wieder soweit:

Am 11. April berichtet der Aluminium-Konzern Alcoa über den Verlauf des 1. Jahresviertels 2016 und eröffnet damit traditionell die Quartalsberichtssaison der US-Unternehmen.

Die Erwartungen der Analysten sind dieses Mal noch gedrückter, als sie es schon in den vorhergehenden Quartalen waren. Und die Sorge vor den tatsächlichen Ergebnissen hat dazu geführt, dass die Erwartungen seit Jahresbeginn noch einmal dramatisch gesunken sind:

Erwartungen sind derzeit am Boden

Ende Dezember 2015 gingen die Analysten von einem durchschnittlichen Rückgang der Unternehmensgewinne um -1,1% aus. Basis dieser Schätzungen waren die Geschäftszahlen der 500 im S&P 500 enthaltenen Gesellschaften.

Mitte Februar war dieser Wert bereits auf -8,0% abgerutscht. Aktuell rechnen die Experten mit einem mittleren Gewinnrückgang um -10,0%. Ziemlich heftig, nicht wahr?

Interessant ist nun, dass die Aktienmärkte seit dem Jahreswechsel kräftig an Terrain eingebüßten hatten. Die meisten Indizes markierten am 11. Februar ihre Tiefstände. Fällt Ihnen was auf? Genau:

Kurse und Erwartungen schaukelten sich gegenseitig nach unten

Ganz offensichtlich haben sich hier Börsenkursentwicklung und Analystenschätzungen wechselseitig in den Abgrund geschaukelt. Doch ebenso augenscheinlich hat die seit Mitte Februar gesehene Kurserholung nicht zu einer Verbesserung der Erwartungshaltung beigetragen.

Vielmehr sind die Sorgen noch einmal größer geworden, wie die oben genannten Zahlen belegen. Doch ich habe noch einen weiteren, denkwürdigen Aspekt für Sie:

Ölpreis-Effekt vermutlich weniger übel

Wie Sie wissen, war der Ölpreis (Sorte Brent) vom Sommer 2014 bis Mitte Januar dieses Jahres um fast -76% auf bis zu 27,10 USD je Barrel (=Fass=159 Liter) eingebrochen. Dieser Faktor hat die Gewinnentwicklung der Energie-affinen Unternehmen seither natürlich extrem negativ beeinflusst.

Und dieser Ölpreis-Effekt gilt auch für die vor uns liegende Quartalsberichtssaison: Lässt man die Schätzungen für den Energie-Sektor unberücksichtigt, dann liegt der erwartete Ergebnisrückgang nur noch bei -5,1% statt der genannten -10,0%. Nun:

Inzwischen notiert der Ölpreis (Sorte Brent) knapp unter 40,00 USD je Fass. Damit liegt er fast +48% über dem Januar-Tiefstand und rund 2,50 USD über dem Niveau zum Jahreswechsel.

Klar: Dieser Ölpreis-Anstieg wird sich erst mit einer zeitlichen Verzögerung in den Bilanzen der Energie-Konzerne niederschlagen. Aber Sie müssen zugeben, dass sich ein kleiner, positiver Effekt in den Quartalszahlen durchaus schon bemerkbar machen könnte.

Fazit

Damit kommen wir zum Punkt:

Es scheint offensichtlich, dass sich die Befürchtungen der Analysten durch die üble Entwicklung der ersten 6 Wochen dieses Jahres an den Aktienmärkten und beim Ölpreis noch verstärkt haben.

Sollten die ab dem 11. April veröffentlichten Quartalszahlen eine bessere Gewinn-Entwicklung der US-Unternehmen widerspiegeln, dann werden Sie regelrecht hören können, wie den Analysten und Investoren ein „Stein vom Herzen fällt“.

Und dann könnte die Wall Street eine feine Sommer-Rallye starten.

Ich bin ausgesprochen zuversichtlich, dass es auch diesmal wieder anders kommt, als gedacht.

31. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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