Essenslieferdienst Just Eat Takeway schnappt sich US-Rivale Grubhub

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Die Karten auf dem Liefermarkt werden nach einer Megafusion neu gemischt: Just Eat Takeaway sticht Fahrdienstvermittler Uber aus und treibt Konsolidierung voran. (Foto: Ascannio / shutterstock.com)

Wer hätte das gedacht? Kürzlich berichteten Insider erst über monatelange Verhandlungen zwischen dem Fahrdienstvermittler Uber und dem Essenslieferdienst Grubhub. Die Strategie dahinter schien offensichtlich: Uber hat neben der bekannten Fahrtenvermittlung auch einen Lieferdienst (Uber Eats) am Start und wollte durch den Megadeal in eine neue Größenordnung vorstoßen. Da im knüppelharten Geschäft mit niedrigen Margen vor allem Größe zählt, durchaus nachvollziehbar. Doch am Ende schaut Uber in die Röhre und wird nun überraschend von der Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway ausgestochen.

Die Anleger reagierten prompt und schickten in einer ersten Reaktion den Just Eat Takeaway-Kurs auf Talfahrt. Auch der Uber-Kurs notierte mit einem deutlichen Abschlag (-8%) – einzig die Grubhub-Papiere konnten von der Meldung profitieren (+5%).

Das Objekt der Begierde „Grubhub“

Grubhub ist eine der führenden Food-Delivery-Plattformen in USA. Das Unternehmen liefert täglich im Durchschnitt über 516.000 Mahlzeiten von 300.000 angeschlossenen Restaurants an Kunden aus. Grubhub mit Hauptsitz in Chicago ist in seiner heutigen Form in 2013 hervorgegangen aus dem Merger mit Seamless, das bereits 1999 in New York gegründet wurde. Das Unternehmen ist also interessanterweise weit weg vom Silicon Valley entstanden. Ähnlich wie das europäische Pendant Just Eat ist auch Grubhub nach dem IPO in 2014 nicht nur organisch, sondern durch zahlreiche Akquisitionen sehr schnell gewachsen.

Ursprünglich bestand das Geschäftsmodell von Grubhub daraus, eine Website bereitzustellen, welche es den Nutzern ermöglichte, nahegelegene Restaurants mit Lieferdiensten zu finden und Bestellungen online entgegenzunehmen. Seit 2014 bietet GrubHub zusätzlich einen eigenen Lieferdienst an und zählt seitdem auch diejenigen Restaurants zu den eigenen Kunden, die keine eigene Auslieferung anbieten.

Just Eat Takeaway legt 7,3 Milliarden Dollar auf den Tisch

Nun streckt die niederländisch-britische Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway ihre Fühler in die USA aus und legt Grubhub eine schmackhafte Offerte auf den Tisch. Nachdem sich die Grubhub-Aktie seit dem März-Tief bereits wieder verdoppelt hat, legt Just Eat Takeaway noch eine ordentliche Schippe drauf. Für 75,15 Dollar je Aktie soll Grubhub den Besitzer wechseln. Das ist immerhin ein Kursaufschlag von 27% auf den Grubhub-Schlusskurs vor der Übernahmemeldung und entspricht einem Firmenwert von rund 7,3 Milliarden Dollar.

Somit zahlt Just Eat mehr als das Fünffache des letztjährigen Umsatzes (1,31 Mrd. Dollar) für das Unternehmen. Bislang verharrt Grubhub übrigens immer noch in der Verlustzone.

Dabei soll die Transaktion komplett in Aktien bezahlt werden. Für jedes Grubhub-Papier sollen die Anleger 0,671 Just-Eat-Aktien erhalten.

Uber geht leer aus

Für Uber ist die aktuelle Entwicklung ein harter Schlag in die Magengrube. Der Deal wäre immens wichtig gewesen. Der Fahrdienstvermittler verfügt mit Uber Eats bereits über einen eigenen Lieferdienst, aber es fehlt an Größe, um profitabel zu arbeiten. Zuletzt steckte Uber Eats trotz Umsatzplus von 50% auf 819 Millionen Dollar tief in der Verlustzone (-313 Millionen Dollar). Nun kommt der Deal aber vor allem auch wegen möglicher kartellrechtlicher Bedenken nicht zustande. Vollkommen verständlich: Der Zusammenschluss wäre mit Sicherheit kein Selbstläufer geworden. Zusammen wären Uber Eats und Grubhub auf einen Marktanteil in den USA von über 55% gekommen. Zuviel als das die Kartellbehörden dem Milliardenzukauf einfach durchgewunken hätten.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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