Etsy: Aktie des Online-Marktplatzes rauscht nach Zahlen in den Keller

„Hochgelobt und tief gefallen“ – Der Spruch passt auf die US-Online-Plattform Etsy wie die Faust aufs Auge:

Der Börsengang ist kaum 2 Jahre her. Damals rissen sich die Anleger noch um die Aktien des Unternehmens.

Obwohl der Online-Vermittler für handgemachte Produkte noch nie einen Cent Gewinn erzielt hat, wurden die Aktien am oberen Ende der Zeichnungs-Spanne platziert.

Am 1. Handelstag legten die Papiere um mehr als 100% bis auf 35 Dollar zu; auf einen Schlag war die Startup-Firma 4 Mrd. Dollar wert.

Was dann folgte, war ein wahres Trauerspiel: In nicht einmal 1 Jahr purzelte die Aktie um über 80% bis auf 6,36 Dollar in die Tiefe.

Die folgende Erholung trieb die Papiere nochmals auf knapp über 15 Dollar, bevor abermals der Trend brach.

Gepaart mit schwachen Zahlen wurde die Aktie jüngst massiv abverkauft und notiert inzwischen mit 9,70 Dollar wieder unter der Marke von 10 Dollar.

Etsy im Porträt

Etsy ist eine 2005 gegründete E-commerce-Website für den Kauf und Verkauf von handgemachten Produkten, Vintage und Künstlerbedarf.

Der Hauptsitz befindet sich im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn. Das Angebot an handgemachten Produkten umfasst u. a.:

  • Kunst,
  • Fotografie,
  • Mode,
  • Schmuck,
  • Kosmetik-Produkte
  • und Spielzeug.

Um als „Vintage“ zu gelten, müssen angebotene Artikel mind. 20 Jahre alt sein.

Das Geschäftsmodell ist simpel, da Etsy lediglich als Vermittler auftritt. Es stapelt sich also keine Ware bei dem Startup-Unternehmen.

Auf der Webseite können Einzelpersonen oder kleine Teams eigene Shops einrichten.

Für jeden angebotenen Artikel verlangt Etsy eine Gebühr von 20 US-Cent. Bei jedem erfolgreichen Geschäft behält Etsy 3,5% des Kaufpreises ein.

Was klein angefangen hat, nahm eine rasante Entwicklung:

Mittlerweile arbeiten knapp 1000 Mitarbeiter für den US-Konzern.

Etwa 1,74 Mio. Verkäufern standen zuletzt 28,6 Mio. aktive Käufer gegenüber. Insgesamt können Sie auf der Plattform 40 Mio. verschiedene Artikel erwerben.

Umsätze steigen – Verluste aber auch

Das Positive zuerst: Über die Plattform wurden im Jahr 2016 Waren im Wert von 2,84 Mrd. US-Dollar verkauft.

Damit ist Etsy in seinem 2. Jahr als börsennotiertes Unternehmen in dieser Hinsicht um 18,8% gewachsen.

Die Gesamt-Erlöse, die sich beim Konzern aus Gebühren für Listings, Händler-Services und Provisionen auf Verkäufe zusammensetzen, stiegen um satte 33,5% auf 365 Mio. US-Dollar.

Immer wichtiger werden dabei die Händler-Services wie etwa Promoted Listings oder andere Web-Services. Die Erlöse aus diesen Dienstleistungen für die Händler machten 55% des Gesamt-Erlöses aus.

Im Jahr 2015 lag der Anteil noch bei 50%. Die Erlöse aus den Händler-Services sind um 47% gestiegen, während der Rest der Erlöse um 19,3% nach oben ging.

Unterm Strich gelang aber auch im vergangenen Jahr nicht der Sprung in die Gewinnzone.

Etsy verbrannte in 2016 immerhin 29,9 Mio. US-Dollar. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr fiel noch ein Verlust von 54,1 Mio. Dollar an.

Amazon kann bei Etsy-Kunden nicht punkten

Die Zahlen konnten die hochgesteckten Erwartungen der Anleger nicht erfüllen.

Aber mit dem Firmenmotto „Kauf gute Sachen von echten Leuten“ hat Etsy doch eine interessante Nische besetzt, die noch nicht einmal der Online-Gigant Amazon aufbrechen kann – zumindest bislang.

Denn mit Amazon Handmade startete der Online-Riese im vergangenen Jahr eine Konkurrenz-Plattform – mit mäßigem Erfolg:

Bislang sind „lediglich“ 400.000 Artikel verfügbar. Auch Ebay und Alibaba haben sich in dem Bereich versucht, ihre Bemühungen aber erfolglos wieder eingestellt.

Konzernführung peilt weiteres Wachstum an

Für das Geschäftsjahr 2017 erwartet Etsy, dass der Umsatz um 20% – 22% ansteigt. Damit sollten die Erlöse zwischen 438 und 445,3 Mio. US-Dollar liegen.

Dazu beitragen soll auch die hauseigene Plattform „Etsy Studio“. Diese wird im April mit knapp 8 Mio. Artikeln starten. Vorrangig sollen die Kunden dort mit Bastelzubehör für ihre eigenen Produkte versorgt werden.

Fazit

Etsy ist ein ausgesprochen interessantes Online-Unternehmen, dass sich in einer Nische positioniert hat.

Allerdings muss der Online-Vermittler von Handarbeits-Waren jetzt zeigen, dass sich das Geschäftsmodell auch profitabel betreiben lässt.

Da die großen Rivalen wie Amazon, Ebay und Alibaba mit eigenen Lösungen gescheitert sind, schwingt bei der Aktie auch immer ein Hauch Übernahme-Phantasie mit.

14. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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