EU-Behörden geben Actelion-Übernahme unter Auflagen frei

Das Übernahme-Angebot für Actelion haben die Investoren mehrheitlich angenommen, nun geben auch die EU-Behörden den Deal unter Auflagen frei. (Foto: Raihana Asral / Shutterstock.com)

Die 30 Mrd. Dollar schwere Übernahme des Schweizer Biotech-Konzerns Actelion durch den US-Pharma-Konzern Johnsons&Johnson (J&J) ist nur noch einen Steinwurf vom Deal-Abschluss entfernt.

Die EU-Behörden teilten heute mit, dass der Deal unter Auflagen genehmigt wird. Diese Auflagen fallen allerdings ein bisschen härter aus als gedacht.

Denn bei der im Zuge des Deals abgespaltenen Forschungs-Firma Idorsia darf Johnson&Johnson nur 10% der Aktien halten.

Sollte es einen Großaktionär geben, der mehr Anteile hält als J&J dürfen die Amerikaner max. 16% der Aktien halten.

Auch darf J&J keinen Kandidaten in den Verwaltungsrat entsenden. Damit soll sichergestellt werden, dass strategische Entscheidungen von Idorsia nicht beeinflusst werden.

Fairer Preis: Große Mehrheit der Actelion-Aktionäre unterstützt Übernahme

Actelion hatte den Deal-Abschluss bis Ende Juni angekündigt.

Die Aktionäre hatten die größte Biotech-Übernahme Europas seit über 1 Jahrzehnt bereits mit überwältigender Mehrheit abgenickt.

92,6% der Actelion-Aktinäre haben dem J&J-Übernahme-Angebot zugestimmt.

Die hohe Annahme-Quote kommt nicht von ungefähr.  J&J bot den Actionären 280 Dollar je Aktie und eine Sonderdividende in Form der Idorsia-Aktie.

Erst nach langem Verhandlungen vermeldeten die beiden Unternehmen im Januar dieses Jahres eine Einigung.

Der Angebots-Preis wird dabei als großzügig bezeichnet. Mitte 2016 kostete die Actelion-Aktie nicht einmal die Hälfte.

Übernahme-Welle in der Pharma-Branche reißt nicht ab

Die Actelion-Übernahme ist nur eine von Dutzenden Milliardendeals in der Pharma-Branche.

Seit einigen Jahren dreht sich das Übernahme-Karussell mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Auf der Suche nach neuen Blockbustern und im Kampf gegen auslaufende Patente greifen die Pharma-Konzerne so stark zu wie noch nie.

Nach mehreren Jahren mit vielfach steigenden Kursen haben Übernahme-Angebote die Performance einiger Biotech-Konzerne auf über 1.000% ansteigen lassen.

Tobira-Übernahme mit über 500% Prämie auf den Aktienkurs

In Einzelfällen waren sogar schnelle 500% Gewinn zu erzielen.

Im September vergangenen Jahres schnappte sich Allergan das Biotech-Firmen Tobira und bot 28,35 Dollar je Aktie. 1 Tag vorher wechselte der Anteilsschein für 4,70 € den Besitzer.

Doch damit nicht genug: Der letztendlich gezahlte Kaufpreis könnte noch höher liegen. Denn der Preis besitzt eine erfolgsabhängige Komponente.

Kommt es zu bestimmten Forschungs-Erfolgen, kann der Preis auf 49,84 Dollar ansteigen.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.