EU fordert Zugeständnisse bei Bezahldienstleister-Übernahme

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Bei der in Frankreich anstehenden Übernahme des Bezahldienstleisters Ingenico durch den Mitbewerber Worldline kommt es möglicherweise zu Problemen. Die EU-Kartellbehörde erwartet Zugeständnisse, damit eine Monopolstellung vermieden werden kann. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Vor einem halben Jahr habe ich Ihnen berichtet, dass die Vorstände der französischen Bezahldienstleister Worldline und Ingenico eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet haben. Dabei hat der europäische Marktführer Wordline den Ingenico-Aktionären etwa 7,8 Mrd. Euro für ihre Ingenico-Aktien angeboten.

Doch jetzt wurde bekannt, dass es bei der Umsetzung des Deals zu Schwierigkeiten kommen könnte. Laut Nachrichtenagentur Reuters wurde aus Insiderkreisen bekannt, dass die Aufsichtsbehörden sich querstellen. Die Kartellaufsicht der Europäischen Union fordere Zugeständnisse von den beteiligten Unternehmen, heißt es in gut informierten Kreisen.

Monopolstellung bereitet Probleme

Worldline ist schon heute Marktführer in Europa. Durch die Übernahme von Ingenico würde der Bezahldienstleister zur weltweiten Nummer 4 unter den Zahlungsdienstleistern aufsteigen.

Nach Abschluss der Übernahme von Ingenico hätte Worldline mehr als 20.000 Mitarbeiter und wäre in etwa 50 Ländern vertreten.

Nachdem der deutsche Mitbewerber Wirecard in die Insolvenz gegangen ist, wäre Worldline neben dem holländischen Anbieter Adyen einer der wenigen noch unabhängigen Anbieter im europäischen Bezahlmarkt.

EU fordert Zugeständnisse

Dass eine solch dominante Position die europäischen Wettbewerbshüter hellhörig werden lässt, ist naheliegend. Brüssel fordert jetzt Zugeständnisse von den beteiligten Unternehmen, damit die Übernahme reibungslos über die Bühne gehen kann.

Doch wie könnten diese Zugeständnisse aussehen? Die EU-Kartellbehörde erwartet, dass Wordline deutlich macht, keine Monopolstellung anzustreben. Eine Möglichkeit wäre z. B. der Verzicht auf bestimmte Geschäftsfelder.

Aber auch der Verkauf von Unternehmensteilen wäre denkbar. So hat Worldline in den letzten Jahren diverse Akquisitionen getätigt, von denen es sich jetzt wieder trennen könnte, um gegenüber der EU Good Will zu signalisieren. Erst vor wenigen Tagen hat Worldline erklärt, dass es den Zahlungsdienstleister GoPay, der vorwiegend in Osteuropa tätig ist, übernommen hat.

Um Brüssel davon zu überzeugen, dass durch die Übernahme von Ingenico keine marktbeherrschende Vormachtstellung entsteht, bleibt Worldline jedoch nicht mehr viel Zeit. Schon morgen erwarten die Kartellwächter eine Stellungnahme der Franzosen. Am 16. September will die Kommission über das weitere Vorgehen entscheiden.

Sollte es Worldline nicht gelingen, die Bedenken der EU zu zerstreuen, müsste das Übernahmegeschäft nach Abschluss der Vorprüfung durch die EU einer umfassenden Untersuchung unterzogen werden. Und diese Untersuchung kann lange dauern.

Die Franzosen sehen dem Ganzen gelassen entgegen: “Wir verfolgen das übliche Verfahren der Gespräche mit der Kommission und der Prozess ist im Gange und liegt innerhalb des erwarteten Zeitplans”, teilte mit Worldline.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Verhandlungen ausgehen und welche Angebote bzw. Zugeständnisse das Unternehmen aus dem nördlich von Paris gelegenen Bezons machen wird.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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