EU gibt Monsanto-Übernahme frei: Ein guter Tag für BASF

Bayer kommt dem Monsanto-Übernahme-Abschluss näher. Doch nicht nur die Leverkusener profitieren von dem Milliardendeal. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die Übernahme des US-amerikanischen Agrarchemie-Konzerns Monsanto durch den Leverkusener Pharma- und Chemie-Konzern Bayer hat eine weitere wichtige Hürde genommen.

Wie bereits mehrheitlich erwartet, hat die EU-Kommission gestern den Deal freigegeben. Der Preis für die Freigabe ist jedoch hoch: Bayer muss mehr Geschäftsteile verkaufen als bei Übernahme-Abschluss angenommen und stärkt damit einen bedeutenden Konkurrenten: BASF.

Tiefe Prüfung durch die Behörden: 18 Monate nach Übernahme-Ankündigung immer noch kein Dealabschluss

Rückblick: Im Herbst 2016 einigten sich Bayer und Monsanto im Zuge einer Übernahme-Welle in der Agrarchemie-Branche auf einen Deal im Volumen von über 60 Mrd. Dollar. Ziel der Transaktion ist es, den weltgrößten Anbieter für Pestizide und Saatgut zu schaffen.

Dass der Genehmigungsprozess bei so einem Milliarden-Deal sich hinziehen würde, wurde erwartet – ebenso, dass es nicht ohne Auflagen gehen wird. Doch dass die Übernahme 18 Monate später immer noch nicht steht und für die Genehmigung fast das komplette weltweite Geschäft für Saatgut und agronomische Merkmale inklusive der Forschung veräußert werden muss, ist dann doch ein wenig überraschend.

Heimlicher Gewinner der Monsanto-Übernahme ist BASF

Nutznießer der harten Auflagen ist BASF. Die Ludwigshafener hielten sich bei der Branchenkonsolidierung zurück – womöglich bereits in der Erwartung, dass man später im Zuge der Deal-Genehmigung attraktive Anteile angeboten bekommt.

Während einige Analysten damals befürchteten, dass die Passivität der BASF am Ende teuer zu stehen kommen könnte, heißt es jetzt, dass der Bayer-Konkurrent heimlicher Gewinner der Konsolidierung ist.

Als einziger großer Spieler nahm BASF keinen zweistelligen Milliardenbetrag für eine Übernahme in die Hand und kann dennoch seine Stellung im Saatgut- und Pestizide-Markt deutlich verbessern.

Syngenta weist auch nachgebesserte Monsanto-Offerte zurückDer Saatgut-Hersteller Monsanto hat im Ringen um den Schweizer Agrarchemie-Konzern Syngenta eine weitere Schlappe kassiert. Eine nachgebesserte Übernahme-Offerte wurde umgehend zurückgewiesen.  › mehr lesen

Zwar wird auch BASF bis zu 8 Mrd. Euro für die von Bayer zum Verkauf gestellten Unternehmensbereiche ausgeben, doch ist damit nicht eine komplette Unternehmensintegration verbunden, die große Schwierigkeiten bringen kann.

Bayer- und BASF-Aktien dürften von Übernahme-OK stark profitieren

Das OK der EU-Wettbewerbsbehörden sorgte dann auch gestern nicht nur dafür, dass die Bayer-Aktionäre zugriffen. Ebenfalls nach oben ging es mit der BASF-Aktie. Letztendlich sorgte jedoch ein schwaches Marktumfeld dafür, dass beide Aktien mit einem kleinen Minus aus dem Handel gingen.

Perspektivisch sind beide Papiere jedoch äußerst chancenreich wenn die Monsanto-Übernahme gelingt. Für Bayer ist der Deal dabei ungleich wichtiger. Klappt die Übernahme, könnte die Bayer-Aktie ein Kursfeuerwerk zünden. Scheitert der Deal jedoch noch, dann dürfte der Druck auch nach 10% Kursverlust auf Jahressicht noch größer werden.

Deal-Abschluss hängt jetzt nur noch von den US-Behörden ab

Der letzte große Stolperstein auf dem Weg zur Mega-Übernahme sind die US-Behörden. Wurde noch vor einer Woche angenommen, dass die Wettbewerbshüter den Deal Anfang April abnicken, heißt es jetzt, dass sich der Genehmigungsprozess hinziehen könnte.

Bayer selbst geht zwar nach wie vor davon aus, dass die Übernahme im zweiten Quartal über die Bühne geht, doch mit Sicherheit sagen kann das der Konzern nicht. Sollten die US-Behörden weitere Zugeständnisse für die Genehmigung verlangen, könnte sich der Abschluss Analysten zufolge um weitere 6 Monate verzögern.

Im schlimmsten Fall – wenn auch wenig wahrscheinlich – sind die Auflagen sogar so hart, dass die Übernahme nach eineinhalb Jahren kurz vor dem Abschluss noch scheitert.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.