EU gibt Siemens Healthineers grünes Licht für Varian-Übernahme

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Bereits im August 2020 hatte Siemens Healthineers die Übernahme des US-amerikanischen Medizintechnikunternehmens Varian verkündet. Jetzt hat auch die EU-Kommission dem 16-Milliarden-Dollar-Deal ihr OK gegeben. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Die deutsche Siemens Healthineers AG hat eine wichtige Hürde genommen: Die Europäische Kommission hat am vergangenen Freitag die geplante Übernahme der US-amerikanischen Varian Medical Systems Inc. durch die Siemens Healthineers AG nach der Fusionskontrollverordnung freigegeben.

EU-Genehmigung mit Auflagen

Allerdings ist die Freigabe der EU-Kommission an Bedingungen geknüpft: Siemens muss seine im Vorfeld abgegebenen Verpflichtungszusagen vollständig umsetzen. Konkret heißt das, der deutsche Konzern muss die Interoperabilität bzw. Kompatibilität der Lösungen beider Unternehmen für diagnostische Bildgebung bzw. Strahlentherapie mit den Lösungen Dritter gewährleisten.

„Angesichts der Verpflichtungen zur Gewährleistung der Interoperabilität kann der Zusammenschluss ohne Gefahr für den Wettbewerb und die Innovationstätigkeit auf diesen Märkten vollzogen werden“, so Margrethe Vestager, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission.

Siemens Healthineers hat sich zur Interoperabilität verpflichtet

Siemens Healthineers verpflichtete sich, den Branchenstandard für Interoperabilität DICOM auch weiterhin anzuwenden. Ebenso hat das Erlanger Unternehmen die Bereitstellung relevanter Informationen und technischer Unterstützung für Dritte zugesagt.

Die Verpflichtungen werden zunächst zehn Jahre lang gelten. Sie können von der EU-Kommission bei Bedarf um weitere fünf Jahre verlängert werden.

Die Freude bei Siemens Healthineers über die positive Entscheidung der EU-Kommission war groß. „Mit der Genehmigung der Transaktion durch die EU haben wir einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur Zusammenführung unserer beiden Unternehmen erreicht“, sagte Bernd Montag, Vorstandsvorsitzender der Siemens Healthineers AG.

„Gemeinsam mit dem starken Team von Varian wollen wir in Zukunft alles tun, damit Menschen weltweit von unseren Anstrengungen im Kampf gegen Krebs und zur Stärkung der globalen Gesundheitsversorgung profitieren“, so Montag weiter.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzüberblick

Bevor ich näher auf die Details des Übernahmedeals eingehe, möchte ich Ihnen die beteiligten Unternehmen kurz vorstellen. Siemens Healthineers AG ist ein führendes Medizintechnik-Unternehmen mit Hauptsitz in Erlangen.

Der Konzern ist in den Bereichen Bildgebungsverfahren für Diagnostik und Therapie, Labordiagnostik sowie digitale Gesundheitsservices und Krankenhausmanagement aktiv. Die Erlanger bieten dabei Röntgen-, Computertomografie (CT)- und Magnetresonanztomografie-Geräte sowie Blut- und Urintests an.

Siemens Healthineers ging 2018 an die Börse und ist seit dem 24. September 2018 im MDAX gelistet. Haupteigentümer des Unternehmens ist die Siemens AG, die 85% der Aktien ihrer Medizintechnik-Tochter hält.

Im Geschäftsjahr 2020, das am 30. September 2020 endete, erzielte Siemens Healthineers mit seinen rund 54.000 Beschäftigten weltweit ein Umsatzvolumen von 14,5 Mrd. Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 2,2 Mrd. Euro.

Die im kalifornischen Palo Alto beheimatete Varian Medical Systems Inc. ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Krebsversorgung mit innovativen Lösungen vor allem in der Strahlentherapie und der dazugehörigen Software.

Mit einem ganzheitlichen Ansatz zur Krebsversorgung macht sich das Unternehmen zunehmend Technologien wie künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Datenanalyse zunutze, um die Krebsbehandlung weiter zu verbessern und den Zugang zur Versorgung zu erweitern.

Das börsennotierte Unternehmen erzielte 2020 mit seinen gut 10.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 3,17 Mrd. US-Dollar (USD – 2,62 Mrd. Euro). Das Ergebnis vor Steuern betrug in 2020 358,30 Mio. USD (295,67 Mio. Euro).

Übernahme wurde bereits im August 2020 vereinbart

Am 02.08.2020 gaben Siemens Healthineers und Varian Medical Systems in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt, dass sie eine Übernahmevereinbarung abgeschlossen haben. Siemens Healthineers teilte mit, sämtliche Aktien von Varian für 177,50 USD pro Aktie in bar erwerben zu wollen.

Insgesamt beläuft sich der vereinbarte Kaufpreis somit auf rund 16,4 Mrd. USD. Durch den Zusammenschluss entsteht ein weltweit führendes Medizintechnik-Unternehmen mit einem umfangreichen Angebot im Bereich der Krebsbekämpfung.

Bereits seit 2012 arbeiten Siemens Healthineers und Varian im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zusammen, um die Zukunft der Krebsbehandlung zu gestalten. In dieser Kooperation wurden die innovativen Therapiesysteme von Varian mit der führenden Bildgebung von Siemens Healthineers verbunden.

Wie es weitergeht

Die Varian-Aktionäre haben der Übernahme bereits am 15. Oktober 2020 in einer außerordentlichen Hauptversammlung zugestimmt. Eine gute Woche später gab Siemens Healthineers bekannt, dass auch die US-Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission die Varian-Übernahme genehmigt hat. Mit der jetzt erteilten Freigabe der EU-Kommission ist ein weiterer Schritt in Richtung Vollzug der Transaktion gemacht worden.

Allerdings benötigt die Übernahme noch weitere behördliche Genehmigungen. So muss z. B. die chinesische Aufsichtsbehörde noch ihr OK zum geplanten Mega-Deal geben. Siemens Healthineers ist zuversichtlich und geht weiterhin davon aus, dass der Zusammenschluss mit Varian noch in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2021 umgesetzt werden kann.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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