EU-Jubelfeier und die verschwiegene Wahrheit

Zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge feierten sich die EU-Granden bei einem Sondergipfel.

So kamen am vergangenen Samstag die 27 Mitgliedstaaten in Rom zusammen, um eine gemeinsame Zukunft in Frieden, Freiheit und Wohlstand zu feiern.

Wenige Tage vor den Brexit-Verhandlungen waren die Briten schon gar nicht mehr dabei.

Dabei unterzeichneten Merkel & Co. eine Erklärung, die eben das Versprechen auf Frieden, Freiheit und Wohlstand erneuern soll.

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, dann könnte man jetzt laut auflachen. Doch der Reihe nach:

Trotz des EU-Chaos – Politiker in Feierlaune

EU-Ratspräsident Donald Tusk ließ es sich bei der Feier nicht nehmen pathetisch zu verkünden, dass an diesem Tag in Rom das Bündnis „freier Nationen“ von „großartigen Vorgängern“ ins Leben gerufen wurde.

„Sie hatten den Mut des Kolumbus, unbekannte Gewässer zu besegeln, eine neue Welt zu entdecken“, so Tusk weiter.

Das ist doch etwas übertrieben, finden sie nicht auch!?

Noch nicht reif für die Rente

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite zeigte sich zuverlässig:

„Europa war immer Herausforderungen ausgesetzt, aber es hat alles überdauert und es wird für immer halten.“

Luxemburgs Regierungs-Chef Xavier Bettel meinte, dass die EU „mit 60 noch nicht reif für die Rente“ sei.

Nur einer zeigte sich nicht so euphorisch: der österreichische Bundeskanzler Christian Kern.

Vielmehr forderte er mehr gemeinsames Engagement für die EU, denn alleine hätte sie keine Perspektiven.

Die EU vor der Erneuerung

Fakt ist: Die Union will sich nicht nur erneuern, sondern muss dies auch dringend tun.

Das ist den Damen und Herren, die dort einen Kurs für die nächsten 10 Jahre abstecken wollten, natürlich auch in Rom klar geworden.

Und wissen Sie, wie der aussehen soll? – Ganz einfach und doch so schwer: Die Gemeinschaft soll sich reformieren.

Europa der 2 Geschwindigkeiten?

Wie? – Keine Ahnung! Das wissen die Europa-Politiker selbst noch nicht.

Vielleicht ist ein Ansatz dazu Bundeskanzlerin Merkels gewiss nicht neue Idee des Europas der 2 Geschwindigkeiten.

Das bedeutet u. a. ein Europa mit unterschiedlichen Integrations-Stufen – ein Notfallplan, der eiligst aus der Schublade geholt wurde, bevor die ganze Kommode zertrümmert wird.

Meine Prognose: Die EU wird zerbrechen

Angesichts des bevorstehenden BrExits, bei dem die Briten die EU verlassen werden, der Flüchtlingskrise, welche die Gemeinschaft spaltet wie nie zuvor, und wichtigen Wahlen in Frankreich sowie Deutschland ist das wohl mehr als nötig.

Einige Experten sehen die Zukunft allerdings in düsteren Farben:

Über kurz oder lang wird die EU zerbrechen. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

28. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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