EU-Krise und Brexit: Kommt jetzt der Euro-Exit?

Kaum haben die Briten über den Brexit abgestimmt, rumort es im EU-Krisenstaat Italien.

Denn die erfolgreiche Fünf Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle) will ein Referendum über den Euro.

Kommt der Euro-Exit?

Hintergrund: Die europäische Einheitswährung habe, so die M5S, Italien geschadet und würde nicht funktionieren.

Nun sollen die Bürger darüber entscheiden.

Vor allem, ob das Land weiterhin in der Eurozone bleiben soll oder nicht. Auch wenn eine solche Abstimmung zunächst einmal keinen verbindlichen Charakter hätte.

Sie wissen jetzt, mit welchen zweifelhaften Methoden der Euro einst als Gemeinschaftswährung eingeführt wurde: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl opferte die D-Mark für den Euro und erhielt dafür die deutsche Wiedervereinigung.

Doch das ist noch längst nicht alles.

Schröder: Währungsunion ist eine „kränkelnde Frühgeburt“

Kurt Biedenkopf, Ex-Ministerpräsident von Sachsen, meinte dazu, Helmut Kohl wäre der Zeitplan der Währungsunion letztlich wichtiger gewesen als die Stabilität.

Darum habe er auch sein politisches Schicksal mit dem Euro verbunden, was eine rationale Debatte verhinderte.

Der damalige SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder sprach gar davon, dass eine überhastete Währungsunion eine „kränkelnde Frühgeburt“ sei

Waigel: Euro wird so stark wie die D-Mark werden

Bundesfinanzminister Theo Waigel stand seinem Chef Helmut Kohl jedoch eisern zur Seite. Wissen Sie, was er 1998 gesagt hat?

Wir verraten es Ihnen:

„Es macht keinen Sinn, über eine Verschiebung der Europäischen Währungsunion zu philosophieren. Ich habe keine Zweifel, dass die gemeinsame Währung so stark sein wird wie die D-Mark. Dafür sind alle Vorkehrungen getroffen.“

Doch was ist aus diesen hehren Worten geblieben?

Der Euro wurde bei weitem nicht so stark wie die einstige D-Mark. Und wie die Zeitgeschichte zeigt, hat Kohl nicht nur die D-Mark geopfert. Sondern mit der erkauften Wiedervereinigung auch die Bundestagswahlen gewonnen.

Helmut Kohl trägt die Mitverantwortung für die Eurokrise

Es gibt noch einen gewichtigen Zeitzeugen.

Nämlich Dieter Spethmann, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Thyssen und einer der wichtigsten Wirtschaftsführer während der Regierungszeit Kohls. Er machte dem Ex-Kanzler ebenfalls Vorwürfe.

Kohl hätte die vielen berechtigten Einwände gegen die Einführung des Euro gekannt.

Aber er habe sie alle beiseite gewischt. Deshalb würde er heute auch einen großen Teil der Verantwortung für die Eurokrise tragen.

Denn man hätte den Euro auf die wenigen Länder begrenzen müssen, die die (Aufnahme-)Kriterien wirklich erfüllt hätten.

Euroeinführung ein bedeutender geschichtlicher Erfolg?

Später widersprach Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem. Die Kritik sei nicht begründet.

Die Entscheidung, die D-Mark abzuschaffen, wäre nicht leicht, aber richtig gewesen. Die Einführung des Euro sei eine der bedeutendsten geschichtlichen Erfolge Kohls gewesen.

Doch deswegen wurde Kohl nicht erneut zum Kanzler gewählt. Sondern wegen der Wiedervereinigung. Und die war – wie Sie jetzt wissen – erkauft.

Der Tod der D-Mark war die Geburt des Euro

Nur weil die D-Mark aus dem Weg geräumt wurde, existiert die europäische Gemeinschaftswährung überhaupt. Zeit also, die Fünf Sterne-Bewegung bei ihrem Referendum über den Euro zu unterstützen.

Vielleicht gibt es auch bald in anderen EU-Ländern diese Bestrebungen? Wünschenswert wäre dies.

Vergessen Sie nicht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

So steht es in Artikel 20 (Absatz 2) unseres Grundgesetzes. Also nicht von selbstverliebten Politikern, die nur Wahlen gewinnen wollen und dabei die Meinungen der Bürger ignorieren.

5. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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