EU-Schuldenkrise: So geht es Griechenland wirklich

Griechenland kommt nicht aus den Schlagzeilen. Ganz im Gegenteil. Doch die EU hat umgeswitcht. Ein „Grexit“, also ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone, soll unter allen Umständen verhindert werden.

Denn längst geht es nicht mehr nur um Politik. Sondern hinsichtlich des künstlich aufgebauten Feindes im Osten, nämlich Russland, auch um pure Geostrategie.

EU-Krise: Griechenland als Pleitestaat

Wir haben Ihnen aufgezeigt, dass Griechenland mit 174 % Staatsschulden vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit den USA und Japan weltweit zu den größten Pleitestaaten überhaupt gehört.

Und auch in Europa steht es mit seiner horrenden Staatsverschuldung an Nummer eins.

Grexit: Verschwiegene Fakten

Doch: Es gibt noch weitere Fakten um das Krisenland. Und diese sehen ganz anders aus als die, die öffentlich verlautbart werden.

Denn die die Staatsverschuldung gemessen am BIP ist die eine Seite der Medaille. Die andere jedoch wird öffentlich kaum bekannt. Geschweige denn, diskutiert.

Griechenland ist nicht Schlusslicht der EU

Lassen Sie uns nicht nur das Griechenland-Pferd, sondern gleich die ganze „EU-Herde“ vom sprichwörtlichen Schweif aufzäumen.

Nur so verstehen Sie, dass Ihnen bei der Griechenland-Diskussion wieder einmal ein X für ein U vorgemacht wird. Denn die Hellenen sind nach einem anderen wichtigen Parameter keinesfalls die EU-Letzten.

Verschwiegenes Faktum: Pro-Kopf-Verschuldung

Denn wenn man die Pro-Kopf-Verschuldung betrachtet, geht es anderen EU-Staaten weitaus schlechter, als den Griechen.

Für Sie habe ich die entsprechenden Zahlen von Eurostat zusammengetragen. Allerdings liegen diese in Dollar vor, was dem Vergleich an sich aber keinen Abbruch tut.

Demnach beträgt die Pro-Kopf-Verschuldung der nachfolgenden achtzehn EU-Länder:

  1. Irland:                             60.356 $
  2. Belgien:                           47.749 $
  3. Italien:                             46.757 $
  4. Frankreich:                       42.397 $
  5. Großbritannien:               38.938 $
  6. Österreich:                       38.621 $
  7. Griechenland:                   38.444 $
  8. Niederlande:                     37.233 $
  9. Deutschland:                     35.881 $
  10. Norwegen:                         34.910 $
  11. Spanien:                          30.031 $
  12. Finnland:                         29.930 $
  13. Dänemark:                       28.778 $
  14. 14.Portugal:                           26.770 $
  15. Schweden:                         25.155 $
  16. Ungarn:                            11.099 $
  17. Slowakische Republik:     10.894 $
  18. Tschechische Republik:     9.413$

Nicht Griechenland, sondern Irland ist EU-Schlusslicht

Sie sehen also: Geht es nach der Pro-Kopf-Verschuldung ist nicht mehr Griechenland in der Europäischen Union Spitzenreiter, sondern – einsam und alleine – Irland.

Dabei erzählen die selbstgefälligen EU-Politiker noch immer, dass die Iren längst aus der Krise seien. Diese Zahlen sprechen jedoch eine ganz andere Sprache. Finden Sie nicht auch?

Die Hellenen folgen weit abgeschlagen auf Platz 6. Liegen sogar hinter Großbritannien und Österreich.

EU-Staatsschuldenkrise: Überraschende Länder-Fakten

Und auch Krisenland Portugal findet sich gar auf Platz 13. Schlägt damit die Deutschen bei der Pro-Kopf-Verschuldung um ganze fünf Plätze. Hätten Sie es gewusst?

Vorzeigeland Norwegen, das mit einer Staatsverschuldung von nur 34,1 % des BIP glänzt, kommt bei der Pro-Kopf-Verschuldung nur auf einen Mittelplatz.

Liegt dabei sogar drei Plätze hinter dem als Pleitestaat gehandelten Griechenland.

Die Grexit-Gefahr: Eine differenzierte Betrachtung

Damit ist belegt: Die Tabelle der Pro-Kopf-Verschuldung verdreht die festverankerten EU-Dogmen fast gar ins Gegenteil. Betrachten Sie deshalb ab heute die Diskussion um Griechenland aus einem anderen Blickwinkel.

Vor allem sollten Sie nicht vergessen, dass die EU-Verantwortlichen die Problematik der anderen Länder klammheimlich unter den Tisch kehren.

Und gerade deshalb lediglich die Staatsverschuldung gemessen am BIP hervorzaubern. So entsteht ein falsches Bild in der Öffentlichkeit.

9. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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